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Meöer Land und Meer.
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Schießübungen an der Kriegsschule M Nontainebleau.
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^Montaineblean »nt seinen prachtvollen Waldungen und seinem an geschichtlichen Er- d iunernngen so reichen Schloß ist seit dem Jahre 1871 Sitz der früher in Metz befindlich gewesenen Schule zur Ausbildung der französischen Artillerie- und Jngenienroffiziere.
Diese Schule entspricht wohl dem, was wir in Deutschland eine Kriegsschule zu nennen pflegen, doch weicht sie in ihren Einrichtungen erheblich von einer solchen ab. Abgesehen davon, daß sie nur für die genannten Spezialwaffen bestimmt ist, übernimmt sie ihre Zöglinge direkt von der Polytechnischen Schule, ohne daß diese zuvor irgend einen Dienst bei der Truppe dnrchgemacht hätten. Die von der Polytechnischen Schule kommenden Offiziersaspiranten erhalten in Fontainebleau die gesamte praktische Unterweisung, durch die sie zu seetüchtigen Offizieren herangebildet und in den Stand gesetzt werden, ans dem Schlachtfelde die verschiedenen Operationen ihrer Waffengattung zu leiten.
Selbstverständlich treiben sie in Fontainebleau die auf der Polytechnischen Schule begonnenen wissenschaftlichen und theoretischen Studien weiter; daneben aber müssen sie den praktischen Dienst lernen und, soweit es sich um die Artillerie handelt, in den Grnndzügen wenigstens, sich die Handhabung sämtlicher Schießwaffen aneignen, die in Frankreich und dem Auslande in Gebrauch sind. Zn den Hebungen am Geschütz treten sie alle als Gemeine an und übernehmen der Reihe nach die Rolle des Kommandoführers und die der Bedienungsmannschaft, ohne daß durch diesen beständigen Wechsel unter gleichgestellten und dieselbe Unterrichtsstnfe einnehmenden Kameraden die Disciplin etwas zu leiden hätte.
Um die praktischen Schießübungen zu jeder Zeit zu ermöglichen und dabei das Budget nicht allzusehr mit den Ausgaben für die auf die Dauer etwas gar teuer zu stehen kommende Kriegsmunition zu belasten, bedient man sich der sogenannten Zielmnnition, die auch in Deutschland, aber nur bei der Infanterie, üblich ist. Für die französischen Artillerie-Hebungen hat Oberstlieutenannt Rodolphe eine sehr sinnreiche Einrichtung erfunden, die es gestattet, die Einschlagswirknng eines Geschosses auf ein bestimmtes Ziel noch ziemlich sicher abznschätzen.
Mit diesem Apparate beginnen die ersten Hebungen zur Distanzbestimmung. Er weist folgende Einrichtung auf. In die Seele eines gewöhnlichen Feldgeschützes wird ein eigens zu diesem Zwecke
Kanone ist; in eine am unteren Ende dieses Rohres angebrachte falsche Stahlkammer wird statt der gewöhnlichen Geschützkartusche die Patrone eines einfachen Jagdgewehres, Kaliber 16, mit Zentralzündung eingelegt; die Patrone wird durch einen Stift zur Entzündung gebracht, der ans das Zündhütchen vorgetrieben wird, und zwar mittels derselben Abzngsleine, die bei der echten Ladung eines Feldgeschützes die Entzündung der
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