M 19
Fteber ^aud und Weer.
305
WWW
gesteckt sind, die Kanonen durch dünne Holzverschalungen. Nach dem Schießen begeben sich die Offiziere gruppenweise nach der Zielstätte, um sich von der Wirkung zu überzeugen; aus einer gewissen Entfernung stellt diese sich als eine schreckliche dar, denn in allen Leibeslagen gewahrt man Verwundete und Tote, die Opfer des Kampfes; schaut man aber etwas näher zu, so nimmt der Anblick etwas Komisches an: die von den Kartätschen und den Granat
splittern zerrissenen Strohmänner mit ihrer zerfetzten Lumpenhülle rufen auch auf dein Gesichte des Ernsthaftesten unwillkürlich ein
Lächeln hervor.
Ost stellt das Ziel auch ein Dorf oder ein Bauerngehöft dar, die aus bemalten großen
stände, sowie die Verteidiger derselben vor sich zu haben glaubt. Dank einer sinnreichen Vor
richtung stürzen diese Bretter zusammen, sobald sie von einer bestimmten Anzahl von Geschossen getroffen worden sind, während auch der
stärkste Windstoß ihnen
mag. Zuweilen kommt es vor, daß die Zielgegenstände vom Feuer ergrisfeu werden, als-
Weise kann man sich
von den verheerenden Wirkungen machen, die
durch eiu gut unterhaltenes Geschützseuer herbeigeführt werden.
ladung werden als Zielpunkte Erdwerke und ^ Mauerarbeiten aufgeführt, und es treten hier
Die Verwundeten und Toten des Manöverfeldes. die Aspiranten vom Geuiecorps den angehenden
Artilleristen hilfreich zur Seite. Zwischen den jungen Leuten findet ein freundschaftlicher
Pulverladung bewirkt; die explodierende Jagdpatrone treibt alsdann ein kleines Pro- i Wettstreit statt, der nach den großen Prüfnngsschießen gewöhnlich mit dem friedlichen jektil von der Art der Hotchkiß-Granate zum Rohr hinaus. Die Zielkanone trifft auf ! Explosivstoff der Champaguerflaschen besiegelt wird.
diese Weise mit ziemlicher Sicherheit auf mittlere Entfernungen von 2—400 Nieter, j -
die solchen von 2—4000 Metern bei wirklichen Feldgeschützen entsprechen. Die Geschütze werden gegen verkleinerte Zielgegenstände gerichtet, die in ihrem Umriß eine ans Infanterie, Artillerie und
durch Strohpuppen dargestellt, die in alte, abgetragene Uniformstücke Ziel, das ein Dorf darstellt.
Kavallerie bestehende feindliche Armee darstellen und höchstens 30 (Zentimeter hoch sind, so daß es den Anschein hat, als ob sie sich in der richtigen Entfernung befänden.
Wenn nun die Uebungen beginnen, ist es lustig, zu sehen, wie bei dem Einschlagen der Geschosse die kleinen Figürchen, die den Feind darstellen, in die Höhe schnellen. Beim Richten der Geschütze müssen natürlich die Kurbeldrehungen so bemessen werden, daß die angenommenen Entfernungen gewahrt werden, sonach 100 Meter für 1000 gelten, 200 für 2000 und so fort. Die Schießprümien für erzielte Treffer beschränken sich auf Einträge in die Schießbücher der Offiziersaspiranten.
Die Schießbahn liegt mitten im Walde von Fontainebleau, sie hat eine Länge von nur 4000 Bieter, doch genügt diese für die Schulübnngen; die Uebungen, die ein weiteres Feld erfordern, werden in Chälons Mt der Marne abgehalten. Die Festungs- und Belagerungsbatterien stehen auf der sogenannten Spielbahn Heinrichs IV. (mail Henri IV.) Wir führen in einer unsrer Abbildungen eine Lehrbatterie vor, die sich aus kurzett Belagerungsgeschützen (Haubitzen) von 150 Millimeter Kaliber zusammenfetzt. Ein derartiges Geschütz wiegt mit Lafette 2150 Kilogramm und schleudert ein Geschoß von 40 Kilogramm auf eine Entfernung von 6000 Bieter. Die deutsche Artillerie hat ein entsprechendes Geschütz von 140 Millimeter Kaliber mit einem Geschoß von 38 Kilogramm. Sechs Mann genügen zur Bedienung des Geschützes. Die Zöglinge der Schule von Fontainebleau müssen die Manöver zu CHLlons mitmachen und sich eine gründliche Kenntnis der Handhabung und Konstruktion der sämtlichen Geschütze und Vorrichtungen aneiguen, die zur Belagerungs-, Festungs- und Feldartillerie gehören.
Für die Uebungen mit den Feldgeschützen wird die Artillerie in Fußbatterien auf einem Platze vor der Mail Henri IV. formiert, und die Schüsse werden aus verschiedene (wirkliche) Entfernungen abgegeben, von 1200 Meter mit Kartätschen bis zu 4000 Bieter mit Granaten und Melinitbomben, teils auf bewegliches Ziel, teils auf feste Scheiben. Die Schüsse werden sprungweise abgefeuert, das heißt aus wechselnde Entfernungen, vorwärts und rückwärts, zur genauen Regulierung des Zielens. Bei den Manövern von CHLlons werden diese Uebungen in größerem Maßstab ausgeführt, dann aber mit Unterstützung von Infanterie. Die festen Ziele geben Infanterie-
1898 (Bd. 79).