Heft 
(1889) 18
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Deutschland.

18.

zeigte ihm die unterirdische Höhle. Und die Höhle war ge­räumig und hell und mit marmornen Steinen gepflastert, und vor der Höhle waren sieben Eingänge, und jeder Eingang hatte sieben Thüren, und alle Thüren standen offen.

Da wurde der Jüngling sehr froh und dankte der weißen Kröte. Aber als er sich nun der Höhle näherte, da saßen sieben gute, alte, weise Weiber vor den Eingängen, die pfiffen durch die Finger, und als sie durch die Finger gepfiffen hatten, kamen andere gute, alte, weise Weiber, die schlugen die sieben­mal sieben Thnren zu und setzten sich ans die Schwelle und zerkratzteil sich das Gesicht und weinten und schrieen:Ach kommt denn kein Königssvhn Namens Helgobrnnd, der ist an einem Sonntage geboren, daß er die schöne Königstochter ans diesen! Sninpfe erlöse?" Da verwunderte sich der Jüngling sehr und sprach:Ihr gnten, alten, weisen Weiber, warum schließt ihr die siebenmal sieben Thüren und setzt euch ans die Schwelle? Ich bin der Königssohn Namens Helgobrand, ich bin an einem Sonntage geboren, ich will die schöne Königs­tochter erlösen." Aber die guten, alten, weisen Weiber wurden sehr zornig und schrieen:Nein, du bist nicht der Königssohn Namens Helgobrand, der ist an einem Sonntage geboren, sonst würdest du die schöne Königstochter aus diesem Sumpfe er­lösen." Und nachdem sie diese Worte gesprochen hatten, wein­ten sie noch mehr als vorher und zerkratzten sich das Gesicht und pfiffen dnreh die Finger. Und als sie durch die Finger gepfiffen hatten, kamen von allen Seiten andere gute, alte, weise Weiber und setzten sich ans die Schwelle.

Da begriff der Jüngling, daß es weise Weiber waren, und legte sich in das Gras und weinte; denn die schöne Kö­nigstochter dauerte ihn sehr. Und als er eine Stunde geweint hatte, kroch eine weiße Schlange herbei, die hatte Mitleiden mit dein armen Jüngling und fragte ihn, warnm er so weine. Und er erzählte alles, wie es sich zngetragen hatte.Weine nicht," sprach die weiße Schlange,denn ich null dich zu einem gnten, alten, weisen Zwerge führen, der hat die schöne Königstochter verzaubert." Und als sie diese Worte gesprochen hatte, ging sie voran und führte ihn zu dem gnten, alten Zwerge.

Der Zwerg aber hatte ein grünes Röcklein und einen roten Bart, so daß der Jüngling ganz froh wurde und der weißen Schlange dankte. Aber nachdem die weiße Schlange sortgegangen war, fing der Zwerg an klüglich zu weinen und zerkratzte sich die Brust und schrie:Ach, kommt denn kein Königssohn Namens Helgobrand, der ist an einem Sonntage geboren, daß er die sieben Aufgaben löse und die schöne Königstochter ans diesem Sumpfe befreie?" Ta sprach der Jüngling:Ich bin der Königssohn Namens Helgobrand, ich bin an einem Sonntage geboren, ich will die sieben Aufgaben losen." Aber die Aufgaben waren sehr schwer; denn jede ver­langte das Gegenteil von dem, was die andere begehrte. Aber die schwerste war die siebente; denn diese begehrte das Gegen­teil von dem, was sie selber verlangte: und alle sieben Auf­gaben waren nur einmal des Jahres, im Herbst, an der Tag- nnd Nachtgleiche, zu lösen. Der Jüngling aber hatte Mitleiden mit der schönen Königstochter und legte sich in ein Gebüsch und dachte Tag und Nacht darüber nach bis Zur Tag- und Nachtgleiche. Aber als er nun wieder zu dem gnten, alten, weisen Zwerge kam, da Patte der Zwerg ein gelbes Röcklein und einen braunen Bart und war si'br zornig und schrie:Du

bist nicht der Königssohn Namens Helgobrand, der ist an einem Sonntage geboren, sonst hättest du die sieben Aufgaben ge­löst." Da verwunderte sich der Jüngling sehr und sprach: Sieh hin, denn ich habe die sieben Aufgaben gelöst." Allein der gute, alte, weise Zwerg sah nicht hin, sondern wurde nur noch zorniger als vorher und schrie:Der Zwerg, der dir diese Aufgaben gegeben hat, war ein falscher Zwerg, denn er­halte ein grünes Röcklein und einen roten Bart." Und nach­dem der Jüngling sich sehr verwundert hatte, zerkratzte der Zwerg sich die Brust und weinte und schenkte ihm sieben neue Aufgaben. Die waren sehr schwer; denn jede Aufgabe forderte das Gegenteil von dem, was die andere verlangte. Am schwer­sten aber war die siebente: denn diese verlangte das Gegenteil von dem, was sie selber forderte; und alle sieben Ausgaben waren nur ein einziges Mal des Jahres, im Herbst, an der Tag- und Nachtgleiche, zu lösen. Aber der Jüngling hatte Mitleiden mit der schönen Königstochter und legte sich in ein Gebüsch und dachte darüber nach bis zur Tag- und Nacht­gleiche. Aber als er nun wieder zu dein guten, alten, weisen Zwerge kam, da hatte der Zwerg ein schwarzes Röcklein und einen blauen Bart, so daß er ihm sieben neue Aufgaben schenkte. Die waren alle sehr schwer; aber am schwersten war die siebente. Und so geschah es sieben Jahre: und jedesmal hatte der gute, alte, weise Zwerg einen anderen Bart und ein anderes Röcklein.

Als aber die sieben Jahre um waren, da begriff der Jüng­ling, daß es ein weiser Zwerg war, und legte sich in das Gras und weinte; denn die schöne Königstochter dauerte ihn sehr. Und als er eine Stunde geweint hatte, kroch eine weiße Ameise herbei, die hatte Mitleiden mit dem armen Jüngling und fragte ihn, warnm er so weine. Und er erzählte alles, wie es sich zngetragen hatte.Weine nicht," sprach die weiße Ameise, denn jedes vierte Jahr am Schalttage feiern die gnten, alten, weisen Männer heimlich ein Fest mit den gnten, alten, weisen Weibern, und wenn du bemerkst, daß die gnten, alten, weisen Männer mit den gnten, alten, weisen Weibern heimlich ein Fest feiern, so schleiche dich nin Mitternacht über die Brücke, und du wirst die schöne Königstochter ans dein Sumpfe er­lösen."

Da wurde der Jüngling sehr froh und dankte der weißen Ameise. Und als er nach vier Jahren am Schalttage bemerkte, wie die gnten, alten, weisen Weiber heimlich ein Fest mit den gnten, alten, weisen Männern feierten, schlich er sich um Mitter­nacht über die Brücke, um die schöne Königstochter ans dein Sumpfe zu erlösen. Aber als er nun gegen das Ende der Brücke kam, da hörte er eine Stimme. Als er der Stimme nachfvrschte, da sang die schöne Königstochter in dem Sumpfe und tanzte und war sehr vergnügt und klatschte in die Hände und ries:Ach, wie herrlich, daß kein Königssvhn kommt, Na­mens Helgobrand, der ist an einem Sonntage geboren, um mich in diesen! Snmpfe zu stören!" Und also sang und tanzte sie die ganze Nacht, bis zum frühen Morgen. Als aber am Morgen: der Hahn krähte, raufte sie sich ihre schwarzen Haare mit ihren weißen Händen und weinte klüglich nnd schrie:Ach, kommt denn kein Königssohn Namens Helgobrand, der ist an einen! Sonntage geboren, um mich ans diesem Snmpfe zu er­lösen?"

Da begriff der Jüngling, daß es eine saubere Königs­tochter war, nnd zog in ein anderes Land. Als er gegen