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Deutschland.
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Abend in einen Wald kam, entdeckte er in einem großen Garteil eine schönere Königstochter: die sah ihn sehr freundlich an nnd nannte ihn Helgobrand, so daß er sie mich freundlich ansah nnd heiratete. Und sie lebten beide glücklich nnd zufrieden miteinander nnd hatten viele Kinder, die waren sehr schön; nnd wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.
Aus der eviiischeii Schule.
Pou
I. W.
ns der Freien Bühne von Berlin hat jüngst das Schauspiel des Grasen Leo Tolstoi, „die Macht der Finsternis," das Schicksal der früheren Stücke geteilt. Vorgefaßte Meinungen kämpften mit lebhaftem Beifall nnd lautem Zischen gegen einander. Wie- in unfern Parlamenten die Parteien fest geschlossen zur Abstimmung schreiten nnd sich am Eutscheidungstage weder durch schöne Reden, noch durch gute Gründe in ihrem Urteil erschüttern lassen, so sitzen bei den Entscheidungsschlachten der Freien Bühne einige hundert Freunde nnd Feinde der werdenden Kunst unerschütterlich da, und nach jedem Fallen des Vorhangs kann man sich ans die anmutige Mischung von Zischen und Händeklatschen gefaßt machen. Nur einen Vorteil hat die Kunst vor der Politik voraus. Es giebt im Theater weit mehr Wilde als im Reichstage. In bunter Reihe zwischen den Herren von der äußersten Rechten, die wie Earl Frenzel vor jedem wahren Worte in kritische Ohnmacht fallen, nnd denen von der äußersten Linken, welche jedes grobe Wort schon für ein wahres halten, sitzen wieder Hunderte von Herren nnd Damen, welche sich im Kampfe der Meinungen einige Unbefangenheit bewahrt haben nnd sich der Wirkung des Dichters vorurteilslos hingeben. Diesen Wilden hatte es „die Macht der Finsternis" zu verdanken, daß das Schauspiel trotz mangelhafter Einzeldarstellung nnd trotz einer völlig ungenügenden Übersetzung schließlich einen ernsthaften Erfolg davon- trng. Über zwei Stunden lang stritten die Eingeschwornen zur Rechten nnd zur Linken mit aller Lnngenkraft um den Sieg. Gerade da aber, wo das Entsetzen der ästhetischen äußersten Rechten den Höhepunkt erreichte nnd „Pfui"-Rufe die Anschauung von Earl Frenzel in ein edles Deutsch übersetzten, begann die grauenhafte Gewalt des Stückes die Unbefangenen so vollständig zu bannen, daß den „Psni"-Rnfern darüber der Atem vor Schrecken bis zum Schlüsse versagte.
Was hier für den endlichen Erfolg entscheidend war, das kann inan eigentlich nicht als den Realismus des Stückes bezeichnen; denn dieser wirkte in den drei ersten Akten stellenweise ermüdend nnd hätte ans die Länge vielleicht die Zahl der Zischer vermehrt. Romantisch angehauchte Gestalten trugen das Stück: ein zehnjähriges Kind, in dessen Seele sich das Grausen des Vorgangs spiegelt, nnd der alte fromme Vater des Misse- thäters, der mit religiösen und sozialistischen Anklängen das gute Princip vertritt, an welches Graf Leo Tolstoi mit dem Eifer eines Mystikers glaubt. Tolstoi gehört aber trotz seines mystischen Urchristentums nnd seines glühenden Optimismus durch seine Knnsttechnik dennoch derjenigen Schule an, zu welcher die meisten Dichter der Freien Bühne sich bekennen nnd welche ich in der Überschrift die cynische zu nennen so frei war.
Es wäre aber ein schlimmes Mißverständnis, wenn jemand in dieser Bezeichnung gerade einen Tadel suchen wollte. Die cynische Philosophie' hat genau wie jedes andere bedeutende System eine .Hälfte der Wahrheit, die Wahrheit von der einen Seite ans, gesehen. Und als nach dem Tode des L-okrates, der wie Kant Kritik geübt hatte, ans den Ruinen neues Leben erstehen sollte, da war neben dem Plutonismus der Eynismns, neben der Ideologie die Hundephilosophie eine sehr nützliche Erscheinung. Die beiden großen Gegensätze haben niemals ans
gehört, mit einander zu ringeu, mit wechselndem Glücke; nnd wenn heute wieder - wie zur Zeit des alten Rousseau nnd des jungen Goethe — der Eynismns obenauf ist, so beweist das nur, daß einige Jahrzehnte lang der Platonismus geherrscht und eine Reaktion heranfbeschworen hat. Jetzt lehrt uns seit dem Auftreten von Dostojewski, Zola und Ibsen der konsequente Eynismns so unablässig die häßliche Seite der Wahrheit anstarren, daß ganz gewiß wieder nach wenigen Jahr- ^ zehnten die platonische Reaktion kommen wird, wenn nicht inzwischen der große Dichter erscheint, der das Wunder versteht,
. mit den Sonnenangen des reifen Goethe beide Seiten der ! Wahrheit zugleich anzuschauen.
Dostojewski, Zola nnd Ibsen werden von den Anhängern ! der Irenen Richtung, welche fast ebenso viele Rainen als Feinde und Freunde hat, immer wieder zusammen genannt und ihre Schlagworte werden durcheinander geworfen. In Wirklichkeit sind die drei genialen Männer in Bezug auf Weltanschauung, Persönlichkeit, auf Kunstziele und Kunstmittel so sehr voneinander verschieden, daß es schwer ist für das Gemeinsame, das ' sie doch unzweifelhaft für ihre Jünger haben, einen einzigen Namen zu finden. Gemeinsam ist ihnen aber gewiß der lügen- ^ feindliche Eynismns, den sie übrigens vielleicht alle drei, ohne ^ es zu wissen, der eynischen Weltbetrachtnng Arthur Schopen Hauers verdanken.
So wie Schopenhauer in seinem System ein Platoniker, in seiner Darstellnngsweise nur ein Eyniker war, so wie jeder echte Satiriker ein unverbesserlicher Optimist ist nnd in seinen Mitmenschen nur darum Karikaturen sieht, weil ein allzu ideales Menschenbild unverrückt vor seiner Seele steht, so glaubt auch Graf Leo Tolstoi unbeirrt von den fürchterlichen Geschöpfen seiner eigenen Phantasie an die Zukunft der Menschheit. Durch diesen Glauben unterscheidet er sich vor allen wesentlich von Zola und Ibsen, welche in Glaubenssachen die wahren Nihi listen sind, während die Russen immer an irgend etwas glauben > nnd wäre es auch nur an den Seelenadet der Idioten. Tolstoi l aber ist als Systematiker geradezu ein Utopist nnd ihm muß ^ man, wenn einem, die Wahrhaftigkeit seiner eynischen Dar stellnng zntranen. Diese Bereinigung von Menschenverachtung nnd Menschenliebe, von Satire nnd Gefühlsüberschwang, wie namentlich „die Macht der Finsternis" das alles darbietet, erinnert im guten wie im bösen an den Schiller der „Räuber".
„Die Macht der Finsternis" ist ein recht prosaischer Titel; er sagt mit klaren Worten, daß der Dichter alle Niedertracht seiner handelnden Personen mit der Nacht des Aberglaubens entschuldigen wolle, in welcher die armen Seelen Rußlands dahinleben müssen. In einer Variante znm vierten Akt, welche auch auf der Freien Bühne anstatt der entsetzlichen ersten Fassung zur Aufführung kam, giebt der betrunkene Knecht Mitritsch die Tendenz noch ganz ausführlich. „Was ist denn solch ein Banernweib? Millionen giebt's im russischen Lande, und alle seid Ihr blind wie die Maulwürfe und unwissend.
! Die Kühe einräuchern, damit sie nicht krepieren, und kleine Kinder unter die Hühnerstiege tragen und andere Hexereien dieser Art - das ist alles, was sie können."
! Eindringlicher als der symbolische Titel nnd als der der ! soffene Raissonnenr des Stückes predigt es selbst seine Lehre.
! Der junge stutzerhafte Nikita, Knecht beim reichen Bauer Peter Ignatitsch, ist ein Don Inan des Dorfes, der gleichzeitig mit der zweiten Frau seines Brotherrn nnd mit einer armen Waise Liebesverhältnisse unterhält. Sein frommer Vater Akim will ! ihn überreden, die verführte Waise zu heiraten; seine schlaue Mutter aber lenkt sein Geschick ganz anders. Auf ihr Nn- ^ stiften wird der Bauer vergiftet, sein Geld den rechten Erben , entzogen nnd Nikita wird der Mann der Witwe. Als Herr im Hause mißhandelt er das Weib, wird der Geliebte von deren Stieftochter nnd giebt sich endlich, da diese ein Kind zur Welt gebracht hat, dazu her, es in bestialischer Weise zu töten und i es dann im Keller zu verscharren. Aber von diesem Augenblick ! an läßt ihm sein Gewissen — oder sein Aberglaube? — keine Ruhe und am Hochzeitstage reißt es ihn fort, daß er vor allen