Heft 
(1889) 32
Seite
532
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Seite 532.

Deutschland.

^ 32.

Theresia (in die Glut starrend). Mein armer Stock! Rebekka (wie oben,. Kostbare Flamme!

Albertus. An dieser Flamme lichterlohem Brennen Wirst endlich, Widerspenstige, Dn erkennet!,

Daß Du dem Meister zu gehorchen hast. (Geht vom Herd an den Tisch.. ^ ^

Rebekka (ans den Herd starrend). Die Kohle bröckelt und die Asche stiebt.

Albertus (zu Theresia). Komm an mein Herze, blonder Gast! Theresia (vom Herd an den Tisch eilend, um ihn zu umarmeu). Da bin ich schon! . . . Ich bin in Dich verliebt Und halte gern an Deinem Herzen Rast! (Sehen sich zu Tisch.)

Rebekka (aufspringend, für sich). Kann ich nicht fort, will ich ihn selber haben.

Albertus (zu Rebekka). Du magst nun fasten oder Dich er­laben,

Auch noch ein Weilchen schmollen, unterdessen Ich hier mit diesem sanft'ren Weibe Mir kosend meine Zeit vertreibe.

Vielleicht kommt Dir der Appetit beim Essen.

Drum rat' ich Dir, Gesellschaft uns zn leisten. Rebekka. Meinthalben. Aber sage mir, was heißt denn Ein Hexenmeister sein von so viel Graden,

Ein großer Mann voll Macht und Zauberei,

Bloß um in dieser alten Bücherei,

Dem Zufluchtsort der Mäuse, Mücken, Maden,

Der ernsten Forschung sonst allein geweiht,

Um diese liebe Schlafenszeit

Ein heitres Paar zum leckern Mahl zu laden?

Seit wann ist dazu denn Magie im Brauch?

Ein jeder Handlnngslehrling trifft das auch.

Albertus. Verzeih! Von so gewandter Tenfelinne,

Wie Dn, versprach ich mir für meinen Geist Sehr viel und fast noch mehr für meine Sinne. Rebekka (sich an ihn schmiegend». Du bist sehr artig! Theresia (zu Rebekka). Und Dn bist sehr dreist!

Rebekka (zu Albertus). Was kann ich arme Tenfelin Dich lehren,

Der Du gerecht in allen Sätteln bist!

Wür' ich, wie Du, ein großer Alchymist,

Das Unterste zu oberst würd' ich kehren.

Und wollt' ich wissen, wie's die Teufel treiben, Doch an Walpurgis nicht zn Hanse bleiben!

(Steht auf.) Ist Dir ums Unerhörte wirklich ernst,

Ei nun, so fahr' dorthin, wo Dn was lernst!

Wer solchen Hexenfang weiß zn bereiten,

Versteht auch einen Besenstiel zn reiten.

Albertus. Das kann ich wohl, und besser als Tn denkst. Theresia. Frisch denn zur Ansfahrt, die Dn lenkst!

Schaff' jeder von uns beiden einen frischen Stock oder Besen, nimm Dir selber einen

Und durch die Luft geht's hurtig mit sechs Beinen.

Albertus. Das heißt auf deutsch: Ihr möchtet gern ent­wischen.

Rebekka. Warum?

Albertus. Läßt Du erst Deinen Besen traben,

Da möcht' ich leicht das bloße Nachsehn haben. Rebekka. Wo denkst Dn hin! Mir ist es bloß nms Rasen.

Albertus. Nun denn, dann geh' ich ans den Vorschlag ein. (Zu Theresia.) Willst mit?

Theresia. Durch dick und dünn.

Reb e k k a. Auf grünem Rasen

Wird heut' getanzt!

Albertus. Wir tanzen. Doch zn drei'n. (Nimmt

die Flasche vom Sans.)

Veit diesem Safte, den ich selbst bereitet,

Fliegt man ganz federleicht empor und reitet Dann wie der Wind, wohin es nnr gefällt.

Mich selbst gelüstet's, jene Tenfelsauen Mit all dem bauten Zanberspnk zn schallen.

Rebekka. Entkorke rasch!

Theresia (abwehrend). Daß sie nur nicht zerschellt! Albertas (zu Rebekka sehr ernsthaft». Doch glaube nicht, ich sei gar leicht geprellt.

Läßt Du mich los, so sinkest Tn im Blauen Unendlich fort, weit ans dem Kreis der Welt,

Wo farblos sich die Ätherwolken stauen,

Und wirst in der Unendlichkeit des Falles Auflösen Dich ins grenzenlose Nichts.

Rebekka. Nnr fort! Am Blocksberg findet sich das alles! Theresia. Wär' ich Dir nicht zn lästigen Gewichts,

Möcht' ich um Deinen Hals geschlungen fliegen. Rebekka. Weg da! Ich maß das beste Plätzchen kriegen. Albertas. Heran, Ihr zwei! (Zu Rebekka.) Du scheinst ja jetzt ganz zahm?

Rebekka. Man lernt sich eben kennen und vertragen. Theresia. Sie knufft mich, Herr!

Rebekka (zu Albertus». Sie hat nach mir geschlagen!

Theresia (zu Rebekka». Du lügst wahrhaftig ohne Scham! Rebekka' (zu Theresia). Dn bist zn dumm, am mich zu

kränken!

Albertus (entkorkt die Flasche). Still jetzt mit Euren Launen und Gezünken! (Schwingt die Flasche und beträufelt sich und die Hepeu.)

Und emsig dieser Flasche Tust gesogen!

Fest angeschiniegt! Empor! . . . Das heißt geflogen!

Die drei fliegen in der bezeichnen» Stellung zum Schornstein hinaus. Alle Lichter erlöschen. Die Bühne muß so finster gemacht werde», daß man schlechterdings nichts darauf erkennen kann. Der Wind bläst. Die Äolsharfen klingelt leise und schaurig.

(Tchlus; ivljg.)

Der l. Mai ISS0.

Von

A. KscherrbtrrH.

I. Zlir Geschichte des Nvrmalarbeitstages.

((A^er sogenannteNormalarbeitstag" ist in der Ge> schichte der sozialen Entwickelung eine verhältnismäßig junge Erscheinung) auch er ist, wie so außerordentlich viele Knltnrforderungen und Fortschritte in letzter Linie ein Kind der großen Revolution, denn seine Spuren lassen sich bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts znrückverfolgen. Aber in seiner eigentlichen Bedeutung gehört er der jüngsten Zeit an und ist es nötig, sowohl seines begrifflichen Wertes, wie seiner verschiedenartigen Deutung und Bedeutung vorerst noch kurz zu gedenken.

Zunächst muß man den Normalarbeitstag für Erwachsene und den für jugendliche Personen bezw. Kinder, und sodann den Normalarbeitstag als solchen selbst vom Normalwerk­tag trennen. Um mit dem letzteren Unterschiede zu beginnen, so liegt derselbe zwar bei näherem Nachdenken auf der Hand, wird aber trotzdem in den populären Debatten nnr zn häufig und gern völlig außer acht gelassen. Es ist klar, daß eine normale Arbeitszeit noch lange nicht identisch sein muß oder auch nur kann, wie namentlich die Sozialdemokratie geschickt spiegelfechtet, mit einer normalen Arbeitsleistung, geschweige denn mit dem Werte einesnormalen Produktes" eines Arbeitstages. Und in diesem Unterschiede liegt zugleich bei selbst nur oberflächlichem Nachdenken der unumstößliche Beweis für die Unmöglichkeit des BegriffesNormalarbeitstag" als