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Deutschland.
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Unter der Thingbuche beim Freibauern saß jung und alt, arm und reich; — sie hörten der alten Mechthild, des Freibauern Urahne zu, wie sie Märchen erzählte, Märchen von den Niftelmünnchen und den Riesen aus Jötnnheim, die ans himmelhohen Bergen wohnen, und von den Zwergen in den Thälern der Flüsse, den „Elfen."
Und als es um Mitternacht gerade war und eine leise Dämmerung über das Thal fiel, als oben im höchsten Norden, weit jenseits des Polarkreises, die Sonne die Erde küßte, da hörte ich das schönste Märchen von allen, die sie überhaupt uns gesagt, — es lautete also:
„Als der liebe Gott die Welt geschaffen hatte und alles, was darinnen war, und zuletzt auch den Menschen, und als er sah, daß alles gut und herrlich war, da überkam ihn plötzlich ein Gefühl, das er bis dahin selbst noch nicht gekannt hatte, — das war: die Liebe zu seiner Schöpfung und den Geschöpfen. Und da er bis dahin in sich selbst nur die Schaffenskraft gefühlt hatte, so hatte er auch nur diese dem Menschen milgegeben. Aber er sah, daß sie allein im Ringen und Streben, im Kampfe ums Dasein wohl eine gefährliche Gabe werden könne, die männermordenden Zwist herbeiführen möchte. Da schuf er noch ein neues Wesen, dem Manne zwar ähnlich, aber viel, viel schöner. Und er schmückte es folgendermaßen: als Farbe gab er ihm das Weiß des nordischen Schnees, in das Auge das hellstrahlende Blau des nordischen Himmels und den Glanz der Sterne, das Gold der Mitternachtssonne als Locke und auf die Wange das Rot des leuchtenden Nordlichts, wie es purpurn flammt am magischen Pol und hell und leise vergeht im feinsten Strahl im weiten All; das zarteste Hell der erblühenden Jungfrau, das tiefe Pnrpurrot dem liebenden Weibe. Zn all diesem äußeren Reichtum aber gab er ihm dann noch das allerherrlichste, was er selbst eben erst gewonnen: die Liebe. — — Und dieses wnnderherrliche Geschöpf nannte er dann eben „Weib" und sprach zu ihm: Gehe hin und herrsche über alles, was ich geschaffen, denn du bist — meiner Schöpfung und meines Reiches Krone."
Und als Urahne geendet, schoß gerade ein Strahl der droben im Norden neu sich erhebenden Sonne zur Höhe und grüßte das Thal, — ein Sinnbild, daß die Liebe nicht aufhört; — ich aber blickte sinnend ihm nach und sagte im Geist znm fernen Lieb mit leisem Gruß: Du, aller Schöpfung Krone, — sieh' deiner Unterthanen treuesten; o laß dich lieben von ihm treu und wahr bis an das Ende aller Tage!
Leüensgemeinsrhsften.
Von
0n. Theodor Jaensch. (Fortsetzung.)
(k^^^ür die beteiligten Bäume hat Frank den erforderlichen Beweis in letzterer Hinsicht auch durch den Versuch ge- ' führt. Er pflanzte keimenden Bnchensamen in Blumentöpfe, die mit Modererde aus Waldboden gefüllt waren. In einem Teil dieser Töpfe war aber die Modererde durch geeignete Behandlung mit heißem Dampf von allen darin enthaltenen lebenden Pilzkeimen oder -Fäden befreit worden. Es zeigte sich dann, daß in den unverändert gelassenen Töpfen alle Buchensämlinge ohne Ausnahme prächtig gediehen; in den dampfgereinigten dagegen fingen sie teilweise bald zu kränkeln an, und gingen mit der Zeit bis auf wenige zu Grunde; und auch diese wenigen blieben im Gedeihen gegen die der andern Abteilung merklich zurück. Die mikroskopische Untersuchung ergab, daß die einen völlig verpilzte, die anderen, kränkelnden, unverpilzte Wurzeln hatten; und zwar, was das Schlagendste war, trotzdem diese letzteren in Ermangelung der Pilzhülle ihre natürlichen Wur
zelhaare ausgebildet hatten. Das Gleiche konnte Frank beobachten, wenn er solche Pflanzen in pilzfreier Nährlösung, ohne Erde, zog; auch dann entwickelten sich Wurzelhaare. Wenn nun die Pfleglinge trotzdem in beiden letzteren Fällen schlechter gediehen als mit Hilfe des Pilzes, so war nicht mehr daran zu zweifeln, daß auch hier vereinte Kraft mehr vermocht hatte als die Arbeit des Einzelnen.*
Im Anschluß an die geschilderten Verhältnisse möchte ich noch eines merkwürdigen Falles von Lebensgemeinschaft zweier Pflanzen gedenken, über welchen bereits Darwin in seinem berühmten Werke «Iimsativorou.? Illuuts» berichtet, und auf den auch De Vary kurz hingewiesen hat. Er betrifft die Kameradschaft von Tillandsia, einer auf dürren Felsgehüngen Brasiliens wachsenden, zu den Ananasgewüchsen (Bromelia- ceen) gehörenden Blütenpflanze, mit einem völlig ausgeprägten Wassergewächse, das eben dort wuchert. Sein Name ist Iltrieuluriu uslurubitoliu. Wir haben von derselben Gattung auch eine einheimische Art, den bekannten, in Torfsümpfen und dergleichen gedeihenden Wasserschlauch; ein höchst merkwürdiges Gewächs, in welchem man schon lange einen Tierfresser vermutete; als welcher er sich denn mich neuerdings unzweifelhaft erwiesen hat. Er enthält an seinen zerschlitzten, im Wasser selbst schwimmenden Blättern in Masse förmliche Fanggruben und Mordkerker, in denen sich kleine Wassertiere, besonders Krebschen, fangen, worauf sie dann nicht mehr entrinnen können, und verdaut werden. Auch die brasilische Art, von der die Rede ist, steht im Verdachte ähnlichen Tier- fünger- und Fleischfressertums. Das Verhältnis zwischen der Tillandsie und dem Wasserschlauch ist nun folgendes. Die Tillandsie bildet trichterförmige Blattwirtelrosen, welche geschlossen sind, daher den Regen auffangen, ihn anch längere Zeit bewahren, und fast dauernd gefüllt sind. In diesen Wasseransammlungen lebt der Wasserschlauch, und desgleichen seine wahrscheinliche tierische Beute. Der Wasserschlauch aber bildet, ähnlich unseren Erdbeerstöcken und manchen anderen Vertretern unserer heimischen Pflanzenwelt, lange, fadenförmige Ausläufer, die sich weit von dem Wohnorte ihrer Mutterpflanze durch Fortwachsen entfernen. Wie nun die Erdbeerstockauslüufer oft erst weit von ihrer Ursprnngsstelle an geeignetem Orte wieder Wurzel schlagen, und so zur Vermehrung beitragen, indem sie dort eine neue Erdbeerpflanze entwickeln, so kriechen auch die des brasilischen Wasserschlauches, sich verlängernd, über den Erdboden hin; aber erst wenn sie eine neue Wasseransammlung
* Ein mit der geschilderten Wurzelverpilzung wahrscheinlich verwandter, jedoch noch nicht ganz aufgeklärter Fall ist neuerdings bei vielen unserer hü lsenfrüchtigen Pflanzen zur genaueren Untersuchung gelangt. An den Wurzeln sehr vieler Schmetterlingsblütler, angebauter sowohl wie wildwachsender, kannte man schon seit längerer Zeit eigentümliche Anschwellungen, Knöllchen, die für die Ernährungsverhältnisse der Pflanze von Wichtigkeit zu sein schienen. Die mikroskopische Untersuchung zeigte, daß sie in großer Menge von eigentümlichen, sehr kleinen, stäbchenartigen Körperchen, und daneben von Pilzfäden durchsetzt waren. Die Stäbchen erwiesen sich als eiweißhaltig, und man bezeichnete sie deshalb als Eiweißstäbchen, oder anch, ihrer Ähnlichkeit mit gewissen Bakterien halber, als „Bakteroiden," Scheinbakterien (Scheinstäblinge). Es war nun merkwürdig, daß gerade solche Pflänzlinge, die derartige stäbchenerfüllte Wurzelknöllchen trugen, bei angestellter Vergleichung augenscheinlich besseres Gedeihen zeigten als die, welche ihrer entbehrten; und daß es von der Bvdenbeschaffenheit abzuhangen schien, ob die Knöllchen sich überhaupt bildeten, oder nicht- In künstlich hergestelltem, keimfrei gemachtem Boden blieb ihre Entwicklung ans. Dies führte zu der Vermutung, daß man es auch hier am Ende mit selbständigen Wesen, mit wirklichen Stäblingen oder Bakterien zu thun habe; und thatsächlich ist es neuerdings sogar gelungen, sie für sich auf geeignetem Nährboden zu züchten und zur Vermehrung,, zu bringen. Auch ist der Beweis bereits geführt, daß man durch Überimpfung ihrer auf knöllchenlose Wurzeln, in sonst keimfrei gehaltenem Boden, die Bildung der Knöllchen Hervorrufen kann. Immerhin sind die Forschungen über diesen Gegenstand noch nicht völlig abgeschlossen; es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß auch hier ein ausgeprägtes Genossenschaftsverhäituis vorliegt, indem die knöllchenbewohnenden Pilze die Wirtspflanze zur thätigeren Stickstoffaufnahme befähigen, und zugleich einen Eiweißvvrrat darstellen, der ihr auch später zu gute kommt.