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finden, können sie wieder Wurzel schlagen; und dies geschieht in den natürlichen Regenweihern anderer Tillandsien. So schlägt die Wasserpflanze förmliche Brücken von einer Tillandsie zur andern; und es ist klar, daß sie selbst ihre Rechnung dabei findet; nimmermehr könnte sie ohne die hilfreichen Blatttrichter des fremden Gewächses in solcher Gegend wohnen. Von der etwaigen Leistung eines Gegendienstes haben wir dagegen keine Ahnung; jedesfalls wird aber die Utrienlaria ihrem Wohlthäter keinen Schaden durch ihr Verweilen zufügen.*
Werfen wir einen Rückblick auf die bisher betrachteten Lebensbeziehnngen zwischen pflanzlichen Wesen verschiedener Artung, so werden wir sie im einzelnen, ihrer Wesenheit nach, teils als unmittelbare Ernührungs-, teils als bloße Woh- nnngsgemeinschaften bezeichnen können, und die ersteren Fälle nach Anzahl und Verbreitung, aber auch ihrer Bedeutsamkeit nach, weitaus vorherrschend finden. Denn Flechtenpilz und Flechtenakge, Wnrzelpilz und Banmwnrzel stehen nicht bloß in ständiger Beziehung, sondern sie sind auch völlig miteinander verwachsen; und ihr gegenseitiges Zusammenhalten beruht auf Austausch und Ergänzung ihres leiblichen Stoffwechsels: sie bilden einen wahren Doppelleib. Ihre Trennung kann nur durch gewaltsames Eingreifen erfolgen; und es ist dann, als ob ein einheitliches Wesen in seine einzelnen Glieder zerlegt würde. Weniger innig sind die den geschilderten gegenüberstehenden Lebensgemeinschaften zwischen zweierlei Tieren; sie haben mehr das Wesen gegenseitigen Einverständnisses.
In den meisten Fällen könnte man sie als Erwerbs- gemeinschaften bezeichnen. Hierhin gehört das allbekannte Freundschaftsverhältnis zwischen Ameisen und Blattläusen. Es ist bekannt, daß die Blattläuse eine eigentümliche, süße, klebrige, honigartige Ausscheidung von sich geben, und daß die Ameisen aller Arten fast auf nichts so lüstern sind wie auf diese, llm sich den geschützten Genuß nun möglichst jederzeit verschaffen zu können, begnügen sich die Ameisen nicht damit, die Blattläuse an ihren gewohnten Standorten aufzusuchen; sondern sie bauen bedeckte Gänge bis zu ihnen hin, oder schleppen sie sogar, wo dies nicht angeht, samt den von ihnen besetzten Pflanzenteilen in ihre Behausungen. Infolgedessen müssen sie sich auch um die Verpflegung ihrer Schützlinge kümmern; und das thun sie, indem sie sie jederzeit mit frischem Laub zum Aussaugen versorgen. Dies ist ein Vorteil für die Blattläuse, den auch sie wohl zu schätzen wissen; denn da sie, als geborene „Bourgeois," stets mir ganz junges, frisches Gemüse ihrer Beachtung für wert halten, und deshalb stets die gerade in Entwicklung begriffenen Knospen mit ihrem Besuche beehren, so müssen sie sonst, ohne Ameisenhilfe, doch wenigstens von Zeit zu Zeit ihren behäbigen Leib in Bewegung setzen, um ihn an einen frisch gedeckten Tisch zu bringen. Diese gewaltige Lei-
* Zu den Lebensgemeinschaften ohne Gegendienst von der einen Seite, zugleich aber ohne Schädigung von der anderen, kann man auch eine den Forstwirten sehr bekannte Erscheinung unserer Nadelwälder rechnen: den sogenannten Donnerbusch oder Hexenbesen. Hier vereinigt sich ein mikroskopischer Pilz, Tecüäium klatiirnm, mit der Edeltanne; aber eben, ohne dieser, wie es sonst die Art solcher Pilze ist, ernstlichen Schaden zu bringen. Wohl aber wirkt er in ganz eigentümlicher Weise umgestaltend ans die Tanne ein. An der Stelle, wo er in die jungen Zweigknospen eingedrungen ist, und ihr Gewebe durchwuchert, macht sich alsbald eine völlige Veränderung der Wachstumserscheinungen geltend. Wir kennen Ähnliches auch an unserer gemeinsten Wolfsmilchart ;Lnpüorbia ovxarissiach: nur verliert diese dann die Fähigkeit, Blüten und Früchte zu entwickeln. Das befallene Zweigende der Tanne aber hört auf, in seiner ursprünglichen Richtung weiter zu wachsen; es erhebt sich kerzengerade, wie der Hauptstamm, bildet selbst wirtelige Äste wie dieser, und bietet überhaupt das Bild eines aus dem großen hervorsprossenden, kleinen Tannenbaumes, welcher viele Jahre alt werden kann, und sich einzig dadurch von den pilzfreien Teilen der Mutterpflanze unterscheidet, daß er seine Immergrüne verliert, und nade labwerfend wird. Im Winter steht er also mit kahlen Ästen aus dem grün gebliebenen Zweige, dem er entsprossen ist; aber im Frühjahr benadelt er sich wieder: gleich der Lärche, die sonst bei uns das einzige Beispiel eines wintcrkahlen Nadelbaumes darstellt.
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stnng ersparen ihnen die Ameisen, indem sie ihnen geradezu Kellnerdienste thnn, und ihnen so ein völliges Schlaraffenleben verschaffen, welches sich, von der Fortpflanzung abgesehen, fast allein in Nahrungsauf- und Gewichtszunahme teilt. Den Honig, der sie selbst nur zu belästigen scheint, geben sie sehr gerne als Trinkgeld für die geschäftige Bedienung dahin, und zeigen sich stets willig, wenn ihre Beschützer und Freunde erscheinen, um sie mit ihren Fühlern zu streicheln. So geht die Lüsternheit der einen mit dem Bequemlichkeitsbedürfnis der anderen Hand in Hand, und beide befindeil sich wohl dabei.
Ein Freundschaftsverhältnis ähnlicher Art, wenn auch lockerer, sozusagen nur „auf Zeit," ist von Saussure in Mechiko, und zwar zwischen einem kleinen Vogel und den dortigen Büffeln beobachtet worden. Dem ersteren hat es den Namen des Schildwachvogels, oder des „Kommandeurs," eingetragen. Unter „Büffel" ist hierbei der amerikanische Bison zu verstehen, der bekanntlich von den Eingewanderten allgemein als Büffel bezeichnet wird, obgleich dieser Name eigentlich und ursprünglich nur einem süd europäischen Wiederkäuer zukommt. In den betreffenden Gegenden haben diese falschen Büffel stark von einer Mückenart zu leiden, die Saussure als «nmrinAoniQ» bezeichnet, und die ihnen derartig zusetzt, daß die gequälten Tiere sich oftmals, um ihren Peinigern zu entgehen, völlig in den Schlamm einwühlen, und nur, um zu atmen, die Nasenlöcher Hervorstehen lassen. Aber auch vor diesen beweisen die blutgierigen Zweiflügler keine Pietät; sie sind unverschämt genug, hineinzukriechcn, und die armen Tiere fast zur Verzweiflung zu bringen. In dieser bedrängten Lage erscheint der Schildwachvogel als ein Retter in der Not. Er setzt sich selber dem Büffel auf die Nase, und lauert hier in unbeweglicher Haltung auf die ankommendeu Mücken, um sie als willkommene Leckerbissen in Empfang zu nehmen und zu verzehren; worin er von dem Büffel wohlweislich nicht im mindesten gestört wird. So etwas braucht sich eigentlich kein Büffel gefallen zu lassen; aber „der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe," drückt er ein Auge zu, und dient dem kleinen Gesellen ergebungsvoll als lebendiger Köder; er weiß seine Dienste viel zu sehr zu schützen, um ihn etwa wegzujagen. Übrigens beobachten wir Ähnliches an unserem Star, sowie an den sogenannten Kuhvögeln Nordamerikas; beide tummeln sich gemütlich in Scharen auf dem weidenden Rindvieh, um das Ungeziefer abzulesen, das ihnen zur Nahrung dient.
Ein ganz eigentümliches Verhältnis aber, eine Art Schutz- nnd Trutzgemeinschaft, die man in jedem größeren See- Aquarium beobachten kann, besteht zwischen dem Einsiedlerkrebs („St. Bernhardskrebs") und einer kleinen Art Seerose. Unter Seerosen versteht man bekanntlich gewisse, mehr oder minder prächtig gefärbte, äußerlich in ihrer Erscheinung oft großen Blumen nicht unähnliche Tiere, welche auf dem Meeresgründe, an Klippen oder dergleichen, mit einer fleischigen Sohle festsitzen; aber auch mit Hilfe derselben weiterkriechen können; also, wenn auch nur in beschränktem Maße, selbständiger Ortsver- ünderung fähig sind. Die ihnen nahe verwandten Korallen haben solche vollständig eingebüßt, und Mörteln sich durch Kalkausscheidung zeitlebens fest, wo sie einmal Platz genominen haben. Ihr Leib sowohl wie der der Seerosen ist gallertartig, gleich dem der Quallen; auch diese sind freilich wieder Verwandte von ihnen und zu derselben Tiergruppe gehörig. Das Wesentliche am Körperbau aller drei Abteilungen ist, daß das ganze Tier eine Art von lebendigem hohlem Sack darstellt; wenigstens hat es die Form eines solchen, oder wohl auch die eines Bechers; und stellt in anderer Betrachtung wieder im Grunde genommen einen einzigen, großen Magen vor. Hohltiere, Blindsacktiere, Bechertiere, Magentiere, das sind daher einige der Namen, welche man der Tierklasse beilegt, die sie bilden. Die einzige Öffnung, die dieser sackartige Mngeuleib hat, befindet sich nun bei den Seerosen oben in der Mitte, und dient zugleich als Mund und als Auswurfsöffnung. In dieser doppelten Eigenschaft ist sie umgeben
Deutschland.