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Deutschland.
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ihrer zum Mitleben des Weltlebens erwachten Menschenwelt. Wahl kann auf den untersten Stufen des Lebens nicht selten ein Einzelwesen sogar in Stucke geteilt werden, die Stücke aber können als neue Einzelwesen fortleben, ohne Schaden genommen zu haben; während schon in einer Flechte die doch verschiedenartigen Bestandteile, die Algenzellen und Pilzfüden, nicht voneinander gelöst werden können, ohne daß ihre Lebensbedingungen damit aufgehoben sind. Aber solange das erstere möglich sein soll, müssen auch alle Einzelbestandteile ans derselben Stufe der Entwicklung, des Lebens und damit des Bewußtseins verbleiben. Die Arbeitsteilung aber hat aus der einfachen Zelle, die nicht Tier, nicht Pflanze war, zuerst eine lockere Lebensgemeinschaft vieler Zellen, dann aus dem vielzelligen Wesen ein verschieden zeitiges gemacht, dessen Teile schon unauflöslich verkettet waren. Die verschiedenen Zellen ergänzten einander, hörten aber eben darum auf, Einzelwesen zu sein. Auch die vielzelligen Einzelwesen wurden bald untereinander verschieden, indem sie sich trennten. Tiere und Pflanzen, gesondert in ihren Lebensleistungen, sind die spätere Stufe. Und je höher noch bisher die Entwicklung gegangen ist, immer that sie es auf der Grundlage neuer Sonderung. Mit dem Aufhören der Sonderung, der Arbeitsteilung, würde auch ein Stillstand der Entwicklung eintreten müssen. Denn das Höhere kann kein Höheres werden, wenn es sich nicht von dem Niederen scheidet, indem es höhere Leistungen übernimmt und die niederen dem Niederen zumeist; selbst aber dadurch von dem Niederen abhängig wird. Und darum führt die Naturforschung den folgerechten Denker unerbittlich zu dem Schlüsse, daß es weiter so fvrtgehen muß, und auf diesem Wege auch die Entwicklung des Menschengeschlechtes liegt. Nicht in einer allgemeinen Verschmelzung, sondern in der Weiterausbildung jeder Sonderart — aber auch in ihrer gegenseitigen Ergänzung — liegt seine Zukunft.
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Ewige Notwendigkeit beherrscht den Gang der Welt. Nichts steht dem Zufall anheim; alles der Verkettung von Ursache und Wirkung. Und jede Ursache ist selbst die Wirkung einer früheren. Wo immer jemals menschliche Erkenntnis einen Zusammenhang anfgedeckt hat, da hat sie dieses eine unabweislich gelehrt. Das gilt im großen wie im kleinen. Auch der Menschheit ruht nur ein Los im Zeitenschoße; aber welches es ist, wer will es ergründen!
Der ansteckende Wnhnsinn.
Nach Don Juan Eugenio Hartzenbusch.
Von
K. Grog.
war im Jahre 1603. Eines Nachmittags begleiteten ein Priester und ein Arzt eine Beata oder barmher- zige Schwester durch die Hauptstraße der Stadt. Den Fuß auf die erste Treppenstufe eines Palastes setzend, sprach der Priester mit heiterer Miene: „Wer uns gesehen, denkt gewiß, unser Besuch gelte einem schwer Erkrankten."
„So ist es aber auch in der That," erwiderte die Beata ernst und eifrig; „Hochwürden wollen doch ja nicht denken, daß die Krankheit meines Bruders nicht gefährlich wäre!"
„Aber, verehrte Schwester," mischte sich der Mediziner ins Gespräch, „bis jetzt haben Sie uns gar keine Symptome mitgeteilt, die auf eine gefährliche Krankheit schließen lassen; unterlassen Sie doch nun das Wehklagen und geben Sie mir klare und wahre Thatsachen, denn ohne solche vermag der Arzt nichts."
„Eben darum habe ich ja die Herren hierher geführt," entgegnete Schwester Magdalena; „hier im Hause kann ich Ihnen die Sache ruhig darlegen; denn meine Schwester, auch
meine Schwägerin und die beiden Nichten sind ausgegangen, und wir sind ganz unter uns und ungestört."
Inzwischen war unser Kleeblatt in einem Vorsaale des Hauses angekommen, und die Beata fragte die Magd leise, ob der Herr Bruder noch in seinem Zimmer sei.
„Ja," flüsterte die Magd, „er ist noch dort und ebenso still wie immer."
In diesem Augenblick vernahm man aus dem Nebenzimmer ein lautes Lachen.
„Hören Sie," sprach die Beata, „dieses Lachen ist es, das mich weinen und wehklagen macht. Seitdem mein Bruder in Sevilla im Gefängnisse gesessen, schließt er sich in jenes Zimmer ein, aus dem dann von Zeit zu Zeit ein schreckliches Lachen ertönt, das jeden, der es hört, erschüttert. Wenn wir ihn anreden, so giebt er meistens verkehrte oder konfuse Antworten. Ich kann nicht anders denken, als der Kummer, unschuldig eingesperrt gewesen zu sein, weil er königliche Gelder unterschlagen haben sollte, und die hilflose Lage seiner Familie, die während seiner Einkerkerung darbte, haben seinen Verstand verwirrt."
„Unmöglich ist das nicht!" erwiderte der Arzt.
„Ich habe noch einen andern Beweis für meine Annahme," fuhr Magdalena fort. „Meine Mutter selig hat oft gesagt, daß die Tollheiten ihres Sohnes den Leuten noch einmal vielen Stofs zur Unterhaltung geben würden."
„Die Ahnungen sind Eingebungen des Himmels," erklärte der Priester. „Übrigens kann das Lachen Ihres Bruders auch in irgend einer inneren Zufriedenheit seinen Grund haben, und ich hoffe immer noch, daß diese Erscheinung bei ihm eine gute Wendung nimmt."
„Die kann keine gute Wendung nehmen," antwortete Magdalena; „denn nie stand es übler um ihn, als gerade jetzt. Früher schrieb er noch Komödien, die überall gute Aufnahme fanden; jetzt aber sagen die Schauspieler, er habe den guten Geschmack verloren und er vermöge nicht mehr ein Gassenlied zu dichten. Diese Einnahmequelle fließt nicht mehr, und seine Familie darbt. Daraus sehen Sie, meine Herren, daß bei meinem unglücklichen Bruder gar kein Grund vorliegt, der ihn innerlich zufrieden machen könnte. Auffallend ist auch, daß er, seitdem ihn die Lachsucht befallen, über jede Kleinigkeit lachen muß; dabei hat er fort und fort eine Menge dummer Einfälle, deren man sonst nie bei ihm bemerkte. Kurze Zeit nach seiner Haftentlassung zog er hierher nach Valladolid, und er bekam mit einem Bauern Lündereigeschüste abzumachen. In der Liste, welche der Bauer bei sich führte, stand ein Grundstück im Kreise Sancho Pulza verzeichnet. Kaum hatte mein Bruder diesen Namen vernommen, so begann er wie wahnsinnig zu lachen und sagte: «Fürwahr ein prächtiger Name, er muß nur etwas abgeündert werden.» Der Bauer wollte aber von einer Abänderung nichts wissen, mein Bruder bestand darauf, und so zankten sich beide eine halbe Stunde herum, bis endlich der Bauer ganz erbost davonlief. Einige Tage nach diesem Streite ging ich mit dem Bruder außerhalb der Stadt spazieren. Wir sahen, wie ein Knabe nach einem Windmühlenflügel griff und von demselben erfaßt wurde; der Flügel schleuderte den Knaben weithin an den Boden, wo er besinnungslos liegen blieb. Ich war dermaßen erschrocken, daß ich mich nicht von der Stelle rühren konnte, um dem Verunglückten aufzuhelfen; mein Bruder aber lief hin, hob ihn auf und brachte ihn wieder zu sich, wobei er immerfort lachte und rief: «Welch ein glücklicher Zufall! Nein, da möchte ich mich doch gleich krank lachen!» Diese Beispiele, meine Herren, beweisen doch zweifellos, daß der Geist meines armen Bruders umnachtet ist!"
„Was Sie bislang mitgeteilt haben," bemerkte der Arzt, „beweist immer noch nicht, daß unser Freund den Verstand verloren hat."
„Nicht? Dann hören Sie weiter, Herr Doktor. Sie sind, wenn ich recht belehrt bin, ein Verwandter des berühmten Juanelo Turriano, desselben, der das Kunstwerk erbaut hat, um das Wasser des Tajo in die Stadt zu leiten."