Hankels Ablage Kleine 137 liert werden. 17 Beides weist auf die Schaffung oder Erweiterung einer Absteige für mehr auf Verborgenheit als auf Komfort bedachte Gäste hin – Liebespaare, die uns an Botho und Lene denken lassen. Die Analogie dieser Zeichnung mit Fontanes treffender Feststellung »mehr durch Anbau als Umbau in ein Gasthaus verwandelt«, ließ mich schon früh vermuten, dass sich der Dichter ein recht genaues Bild vom HankelKrug gemacht haben musste. Das aber konnte er sich mangels eigener Anschauung nur machen, indem er jemanden befragte, der den alten Krug noch genau gekannt hatte, ihm wohl auch Dokumente wie jenen Situationsplan, vielleicht sogar ein Bild von der einstigen Krugwirtschaft zeigte, das später verloren ging: jemanden aus der Familie Hankel selbst, August Hankel oder dessen Sohn und späteren Erben Ernst. Den hat übrigens auch Wolfgang Rost noch gegen Ende der 1920er Jahre mehrmals aufgesucht und sich danach für die gern gegebenen Auskünfte bedankt. 18 In ihrem Kern ähnelte die Krugwirtschaft dem Krug Brieselang, von dem uns die zweibändige, vorzüglich illustrierte Auswahl Fontanescher Wanderungen durch die Mark Brandenburg des Aufbau-Verlages von 1987 eine hübsche Bleistiftskizze vermittelt. 19 Wie es scheint, hatte König Friedrich II. im Zuge seiner Binnenkolonisation Typenhäuser entwerfen lassen, nach denen vielerorts in Preußen solche Zweckbauten errichtet wurden. Nur gab es in Brieselang diese Anbauten nicht, wenigstens nicht so. Auf der Grundlage der zwei kärglichen Vorlagen und Fontanes Beschreibung ließ ich 1998 vom Archäologen und Grafiker Bernd Fischer eine Ansicht zeichnen, wie der alte Hankelkrug ausgesehen haben könnte. Zu unsrer freudigen Überraschung vermittelten uns nun zwei Chronisten vom Berliner Segler-Club, Jutta Boergers und Goetz Gaertner, eine nicht genau datierte Fotografie des Hankel-Kruges, die durch ein Geschenk österreichischer Segelsportfreunde in ihre Hände gelangt war. Mit freundlicher Genehmigung des Vereinsarchivs geben wir diese uns bisher unbekannte Abbildung hier wieder. Sie stimmt in ihren Details mit der oben genannten Bauzeichnung überein und zeigt, wie nahe Bernd Fischer mit seiner Skizze der Wirklichkeit von einst gekommen ist. Wir sehen darauf den Hankel-Krug mit einigen Sommergästen im Wirtshausgarten von Osten, von der Seeseite her, mittags im Sommersonnenschein liegen.Links das Gasthaus mit kleinem Windfang. Rechts unmittelbar anschließend, hinter einer Staumauer und einer isolierenden Erdaufschüttung, der Eiskeller, wichtiger Kühlraum für das nicht unterkellerte Gasthaus. Neben diesem das Fachwerkhäuschen mit der Kutscherstube und dem ebenfalls ummauerten Hofraum daneben. Rechts überragt die Abdachung eines der zwei Waschplätze die Hofmauer. Daraus ergibt sich: die Fotografie kann frühestens 1876 oder nur wenig später entstanden sein, als der im Frühjahr 1876 beantragte Einbau schon erfolgt war. Das letzte, hier nur halb erfasste stattliche Gebäude zum Hankelweg hin ist die Scheune.
Heft
(2020) 109
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