Heft 
(2021) 111
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34 Fontane Blätter 111 Dossier: Fontanes Der Krieg gegen Frankreich Blondköpfe(Zwillinge) und zwischen ihnen, die ältere Schwester, dunkel­braun, beinahe häßlich, mit aufgeworfenen Lippen, aber mit großen dun­keltiefen Räthselaugen«, deren Geschichte Fontane nicht vergessen kann: »Eine Woche oder mehr nach dem furchtbaren Tage von Beaumont, an dem sie alles verloren hatten, was sie auf Erden besaßen: Haus, Eltern, Hab und Gut, hatte man sie halb verhungert und nur noch in Loden gekleidet, in ei­nem Nachbardorfe gefunden, wohin sie sich, die Nächte im Freien schla­fend, durchgefragt und durchgebettelt hatten. Der Geistliche jenes Dorfes nahm sich ihrer an, und nun waren sie hier. Wie mir das Furchtbare des Krieges wieder anschaulich wurde!« 14 Wenn wir also nach dem Studium seiner Kriegsbücher unsere Frage, ob Theodor Fontane seinem eigenen Anspruch gerecht geworden und an die­ser Klippe einer bloßen»Verherrlichung des Militairischen« nicht geschei­tert ist, mit Einschränkungen bejahen können, stellt sich eine zweite Frage: Läßt sich von jener hier und dort aufleuchtenden kritischen Offenheit des Autors auch schon etwas in der äußeren Gestaltung seiner in dem Verlag der Geheimen Königlichen Ober-Hofbuchdruckerei(R. v. Decker) publizier­ten Bücher entdecken? Warten wir es ab. Zunächst einmal kann die folgende Darstellung vor allem zeigen, in welch vielfältigen Variationen die Kriegsbücher Theodor Fontanes tatsäch­lich auf den zeitgenössischen Markt gelangt sind. Wobei auch dieser Befund von Fragen begleitet wird: Läßt sich vielleicht schon an der äußeren Gestal­tung dieser Bände eine gewisse Kundenprognose und Rezeptions-Lenkung ablesen? Und lassen sich damit einhergehend auch die soziale Differenzie­rung der Leser sowie die verschiedenen Benutzerbedürfnisse erschließen? Die Widmungen und Besitzervermerke in den untersuchten Büchern, die natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus dieser großen Bandbreite geben können, und die, sofern nichts anderes angegeben wurde, aus Privat­besitz stammen, sind allerdings schon recht aufschlußreich: Fontane wid­mete seiner Ehefrau Emilie ein Exemplar des Schleswig-Holsteinschen Krieges. Widmung für Emilie Fontane in einem Exemplar des Schleswig­Holsteinschen Krieges