Heft 
(2021) 111
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Fontanes Kriegsbücher  Parr 145 wodurch wir uns von allem andern bis dahin erschienenen unterschei­den; denn nur darin liegt unsre Berechtigung, überhaupt noch zu kom­men und uns einerseits neben das dem ersten Bedürfnis, andererseits neben das der militärischen Gelehrsamkeit Dienende zu stellen. Unser Zweck muss also dahin gehen, durch ein bloßes Aufschlagen des Buches, durch ein bloßes Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses den Leser erkennen zu lassen: ah, da liegt´s. Diese Gruppierung des Stoffs im Ganzen wie im Ein­zelnen, bei Aufbau des Buches überhaupt wie bei Schilderung jeder ein­zelnen Schlacht, hat nur das F´sche Buch; durch Übersicht und Klarheit unterscheidet es sich von allen andern 70er Kriegsbüchern, durch le­bensvolle Darstellung und Fülle der Details von dem großen General­stabswerke. 20 Nimmt man das damit bereits rudimentär entwickelte, von»militärischer Gelehrsamkeit« bis»lebensvolle[r] Darstellung« reichende Spektrum der Kriegspublizistik in der Zeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg genau­er in den Blick, dann lassen sich in zunächst lediglich heuristischer Absicht vier Gruppen von Texten ausmachen, die in den 1870er Jahren das Feld der den Deutsch-Französischen Krieg thematisierenden Schriften konstituie­ren, 21 auf das auch die zeitgenössischen Besprechungen rekurrieren. (1) Eine erste Gruppe bilden solche Texte, die von Experten unter Nut­zung militärischen Spezialwissens und militärischer Spezialdiskurse für ein Fachpublikum geschrieben wurden und die man als militärwissen­schaftliche und damit spezialdiskursive Schriften bezeichnen kann. Sie sind primär denotativ angelegt, vermeiden bis auf Vorworte und Wid­mungen Konnotationen und Mehrdeutigkeiten. Einfache narrative Ele­mente sind vorhanden, treten aber der Tendenz nach in den Hintergrund, ebenso Personalisierungen des Kriegsgeschehens. Zu dieser Gruppe gehö­ren die offiziellen Heeresberichte wie auch nachträgliche Analysen des Kriegsgeschehens durch militärwissenschaftliche Experten. Diese erste Gruppe von Schriften ließe sich bei allen Einschränkungen, die dann im Detail doch wieder zu machen sind als spezialdiskursiv-analytisch-doku­mentarisch bezeichnen. Sie werden teilweise noch während des Krieges verfasst oder doch zumindest begonnen, meist dann aber erst im Nachhin­ein fertiggestellt. Für diese Gruppe ist an erster Stelle das sogenannte ›Ge­neralstabswerk‹ zu nennen, die offizielle kriegsgeschichtliche Darstellung des Deutsch-Französischen Krieges durch den»Großen Generalstab«, das in Teilen(und diese wiederum in Heften) bei Mittler in Berlin erschien. 22 (2) Davon zu unterscheiden sind als zweite Gruppe die zwar ebenfalls offiziellen, aber von staatlich-politischen Stellen(durchaus unter punktu­ellem Einbezug der militärischen Experten) verfassten Schriften, welche zum Teil die offiziellen Heeresberichte zur Grundlage haben, diese aber be­reits politisch-ideologisch rahmen bzw. weiterbearbeiten. Man kann hier