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Humanität und Rationalität in Personalpolitik und Personalführung : Beiträge zum 60. Geburtstag von Ernst Zander / hrsg. von Helmut Glaubrecht und Dieter Wagner
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Arbeitsdirektor 95

5... oder ständiger Auftrag?

Besonders bei den Sozialdemokraten, aber auch in den Gewerkschaften gehört die Frage zu den am erbittertsten umstrittenen, nach welchen Kriterien für die Menschen und für die Gesellschaft am zuträglichsten wirtschaftliche Entschei­dungen besser in privaten oder in öffentlichen, respektive staatlichen Händen aufgehoben werden sollen.

Zur Orientierung ist da die GodesbergerLeerformel der Sozialdemokraten Wettbewerb so weit wie möglich Planung soweit wie nötig! so übel nicht. Sie bedeutet eine politische Vermutung für die unternehmerische Freiheit, für diekapitalistische Risikobereitschaft, für private Initiative. Natürlich gibt es Bedürfnisse, die auf diese Weise nicht befriedigt werden können. Notwendige Investitionen, die sich erst in Generationen oder inMark und Pfennig gar nicht auszahlen oder die erst die Voraussetzungen für das Tätigwerden privater Investoren darstellen, können von Privaten nicht erwartet oder verlangt werden. So sind Vermessung der Landschaft, der Verkehrswege und Siedlungen nebst Erstellung von sog. Grundkartenwerken, Vorhaltung einer Verkehrsinfrastruk­tur, die Sicherstellung der Landesverteidigung und der Schutz der Bürger vor Gewalttaten und Übergriffen Sache größerer Einheiten: hier müssen Gemeinde oder Staat heran! Nach allgemeiner und wohl sinnvoller Auffassung sollte auch die schulische Grundausbildung der Kinder öffentliche Sache sein, an der Priva­te teilhaben können. Doch schon die Ausstattung der Schulen mit Möbeln, Lehr­und Lernmitteln muß darum nicht ebenfalls staatlich veranstaltet werden. Die Herstellung von Waffen, Gerät, Bekleidung oder Unterkunft für Polizei und Streitkräfte kann im privaten Wettbewerb sichergestellt werden. Der günstige Anbieter, das leistungsfähigere Unternehmen bekomme den Zuschlag.

Die duale Ausbildung der jungen Leute durch staatliche Schulen und durch die (privaten) Unternehmen hat sich bewährt; leistungsfähigere und modernere Strukturen lassen sich auf dieser Basis durchaus organisieren. Die Konkurrenz öffentlich-rechtlicher(nicht staatlicher) Medien mit privaten sichert(einigerma­ßen) die Unterrichtung, Unterhaltung undErbauung der Bürger.

An allem läßt sich etwas aussetzen. Überall gibt es Mängel, Schäden und Gefah­ren. Dabei ist leider erwiesen, daß die kommunalen und staatlichen Instanzen etwa unserer natürlichen Umwelt nicht weniger Schäden zufügen als diege­winnsüchtigen privaten Einheiten. Unbedenklicher als dievolkseigenen oder staatlichen Unternehmen in den sog. sozialistischen Ländern gehen private(und immerhin staatlich kontrollierte) Unternehmen ganz und gar nicht mit der Ge­sundheit ihrer Bürger, mit Luft oder Wasser um.

Unwürdige Abhängigkeiten, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, fehlen­den oder ganz und gar mangelhaften Einfluß derGewaltsunterworfenen auf die Entscheidungen derMächtigen finde ich allenthalben in der Welt. Volks­