102 Arbeitsdirektor
zeitig berücksichtigt werden, so wenig wird dieses Wirken im Hintergrund von den Arbeitnehmern im allgemeinen bemerkt. Entsprechende Untersuchungen haben ergeben: zwar verspüren die Beschäftigten die Wirkungen einer humanen oder einer weniger humanen Menschenführung im Unternehmen; sie bemerken aber nicht das Wirken des Zuständigen selbst. Sie können nicht direkt erkennen, was sich denn für sie dadurch geändert hat, daß das Personalwesen nicht mehr vom Techniker oder vom Kaufmann„mitgemacht“, sondern von einem eigenverantwortlichen Direktor mit„Kabinettsrang“ als neuer eigener„Kernbereich“ versehen wird! Auch nicht, wenn oder daß dieser Personalchef neuer Prägung— im Montanmitbestimmungssektor— besonders vom Vertrauen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat abhängt. Sie nehmen die Arbeit des Arbeitsdirektors in den Auswirkungen wahr, nicht im Vollzug. Wie denn auch? Sie können ihm ja bei seiner Tätigkeit bei seinen Besprechungen mit seinen Abteilungs- und Büroleitern, bei seinen Betriebsbegehungen, bei seinen Beratungen mit dem Aufsichtsrat, mit den übrigen Direktoren oder mit Gewerkschaften und Behörden nicht über die Schultern sehen.
Historisch ist ein Mißtrauen gewachsen, daß die Arbeitnehmer, die vielfach„abhängig Beschäftigten“ von denen„da oben“, von allen Vorgesetzten trennt. Und der Vorstand ist da oben. Selten direkt erfahrbar oder auch nur sichtbar. Bemerkbar in mehr oder weniger angenehmen oder bestenfalls gleichgültigen Anweisungen, gefiltert durch Beteiligungseinflüsse der Betriebsvertretungen, und nicht immer sonderlich freundlich portraitiert durch eben diese Vertreter oder durch Gewerkschaftsbeauftragte, die sich ihrerseits nicht selten immer wieder mit eben diesen Vorstandsmenschen herumschlagen müssen. Auch und gerade mit dem Personalchef, dem Arbeitsdirektor und seinen Gehilfen. 45% der jeweils in den Untersuchungen Befragten hatten gar keine, 24% eine ungefähre Vorstellung von der Funktion und den Wirkungsmöglichkeiten des Arbeitsdirektors. Die kritische Distanz bleibt; sie besteht auch zu„ihrem Mann im Vorstand“.
Ältere Arbeitnehmer betrachten die qualifizierte Mitbestimmung, zu der die„Figur des Arbeitsdirektors“ ja gehört, als eine— wenigstens partielle— Erfüllung alter Träume. Die Jüngeren stehen dieser Einrichtung sachlich interessiert gegenüber: was bringt sie mir denn!? Die meisten stehen der Mitbestimmung insgesamt positiv mit der Erwartung gegenüber, daß sie ihre konkrete Lage verbessern kann. Eine wichtige Aufgabe ist hier noch zu erfüllen: realistische Vorstellungen zu vermitteln, die gleich weit entfernt von idealistisch überspannten Illusionen wie von ideologischer Feindseligkeit sind.