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Humanität und Rationalität in Personalpolitik und Personalführung : Beiträge zum 60. Geburtstag von Ernst Zander / hrsg. von Helmut Glaubrecht und Dieter Wagner
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zeitig berücksichtigt werden, so wenig wird dieses Wirken im Hintergrund von den Arbeitnehmern im allgemeinen bemerkt. Entsprechende Untersuchungen haben ergeben: zwar verspüren die Beschäftigten die Wirkungen einer humanen oder einer weniger humanen Menschenführung im Unternehmen; sie bemerken aber nicht das Wirken des Zuständigen selbst. Sie können nicht direkt erkennen, was sich denn für sie dadurch geändert hat, daß das Personalwesen nicht mehr vom Techniker oder vom Kaufmannmitgemacht, sondern von einem eigen­verantwortlichen Direktor mitKabinettsrang als neuer eigenerKernbereich versehen wird! Auch nicht, wenn oder daß dieser Personalchef neuer Prägung im Montanmitbestimmungssektor besonders vom Vertrauen der Arbeitneh­mervertreter im Aufsichtsrat abhängt. Sie nehmen die Arbeit des Arbeitsdirek­tors in den Auswirkungen wahr, nicht im Vollzug. Wie denn auch? Sie können ihm ja bei seiner Tätigkeit bei seinen Besprechungen mit seinen Abteilungs- und Büroleitern, bei seinen Betriebsbegehungen, bei seinen Beratungen mit dem Auf­sichtsrat, mit den übrigen Direktoren oder mit Gewerkschaften und Behörden nicht über die Schultern sehen.

Historisch ist ein Mißtrauen gewachsen, daß die Arbeitnehmer, die vielfachab­hängig Beschäftigten von denenda oben, von allen Vorgesetzten trennt. Und der Vorstand ist da oben. Selten direkt erfahrbar oder auch nur sichtbar. Be­merkbar in mehr oder weniger angenehmen oder bestenfalls gleichgültigen An­weisungen, gefiltert durch Beteiligungseinflüsse der Betriebsvertretungen, und nicht immer sonderlich freundlich portraitiert durch eben diese Vertreter oder durch Gewerkschaftsbeauftragte, die sich ihrerseits nicht selten immer wieder mit eben diesen Vorstandsmenschen herumschlagen müssen. Auch und gerade mit dem Personalchef, dem Arbeitsdirektor und seinen Gehilfen. 45% der je­weils in den Untersuchungen Befragten hatten gar keine, 24% eine ungefähre Vorstellung von der Funktion und den Wirkungsmöglichkeiten des Arbeitsdi­rektors. Die kritische Distanz bleibt; sie besteht auch zuihrem Mann im Vor­stand.

Ältere Arbeitnehmer betrachten die qualifizierte Mitbestimmung, zu der dieFi­gur des Arbeitsdirektors ja gehört, als eine wenigstens partielle Erfüllung alter Träume. Die Jüngeren stehen dieser Einrichtung sachlich interessiert gegen­über: was bringt sie mir denn!? Die meisten stehen der Mitbestimmung insge­samt positiv mit der Erwartung gegenüber, daß sie ihre konkrete Lage verbes­sern kann. Eine wichtige Aufgabe ist hier noch zu erfüllen: realistische Vorstel­lungen zu vermitteln, die gleich weit entfernt von idealistisch überspannten Illu­sionen wie von ideologischer Feindseligkeit sind.