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und grübelt über seinen dummen Handel nach. Mit einemmal fällt ihm ein: willst doch mal sehen, ob die Soldaten auch 'rauskommen werden, wenn du den Tornister anredest.
Tr klopft an und spricht dann so. Richtig, sie kommen alle anmarschiert und stellen sich zu seinem Befehl in Parade vor ihm auf. Me er das sieht, macht er zu dem Spruch von dem Invaliden noch zwei Reihen zu und sagt: „Jaget dem Kerl nach, nehmt ihm das Tischtuch ab!" Die Soldaten taten das auf der Stelle. Sie machten sich hinter dem Invaliden her, nahmen ihm das Tischtuch weg und brachten es Hans. Der ließ die Soldaten allesamt wieder in den Tornister marschieren und ging mit seinem Tornister und Tischtuch weiter, sich noch mehr zu versuchen.
Vor der Stadt begegnet ihm ein abgedankter Soldat mit einem dreitütigen Hut auf dem Kopf. „Guten Tag," sagt Hans. „Schönen Dank," sagt der Alte. „Mo soll die Reise hingehen?" „Ich habe Hunger, ich suche mir was zu essen." „MH, wenn es weiter nichts ist, dem Abel kann ich abhelfen, habe ein gutes Magenpflaster bei mir. Tischtuch, decke dich!" Das Tischtuch breitete sich auseinander, beide setzten sich heran und aßen und tranken nach Herzenslust. Als sie satt sind, bedankt sich der Alte und bewundert Hansen sein schönes Tischtuch. „Hör mal, Bruder, willst du mir nicht das Tischtuch verkaufen? Oder willst du mit mir tauschen? Ich will dir meinen dreitütigen Hut dafür geben." „Ja, das sollte mir wohl noch fehlen, mit deinem alten murkligen Hut zu tauschen, der ist ja doch zu nichts nutz." Da sagt der Soldat: „Hans, setz dich mal ein bißchen näher an die Erde." Hans tat das, und da dreht der Alte seinen Hut auf dem Kopf rundum, und auf einmal fliegen aus allen drei Tüten lauter Kanonenkugeln heraus. Hans kriegte keinen schlechten Schreck, als er das Knallen und Knattern von dem Kanonieren hört. Gut war, daß er an der Erde saß, sonst hätten die Kugeln ihn getroffen. Hans bewundert den Hut, und als ihm der Soldat noch einmal den Tausch anbot, besann er sich nicht lange, nahm den Hut und gab sein Tischtuch dafür. Als der Alte aber ein paar hundert Schritt fort war, sagt Hans zu seinem Tornister: „Zehntausend Mann raus, zu Fuß und zu Pferd, in voller Montur, mit vollem Gewehr, jaget dem Kerl nach, nehmt ihm das Tischtuch ab l" Sogleich marschierten die Soldaten raus aus dem Tornister und nahmen dem Alten das Tischtuch wieder weg und brachten es Hansen. So hatte sich Hans drei sehr nützliche Stücke für die Wirtschaft angeschafft. Tr reiste noch ein bißchen im Lande umher, zu essen und zu trinken hatte er ja, und bang brauchte ihm auch nicht zu sein, daß ihn Räuber oder Spitzbuben anfielen. Als das Jahr zu Tnde ging, machte er sich auf den Weg nach Hause. Seine Brüder, Michel und Märten, waren schon da. Die hatten weiter nichts gelernt als klug reden. Me Hans in die Stube trat, lachten sie ihn aus, sie dachten, er wäre noch so dumm wie vorm Jahr.
Sie kamen aber auf andere Gedanken, als Hans ihnen auf freiem Felde seine Kunststücke vormachte. „Was nützen dir nun das Tischtuch, der Tornister und der Hut?" fragten sie Hans. „Was das für dumme Reden sind! Ich gehe damit zum König, mache , ihm die Kunststücke vor und halte um seine einzige Tochter an. Tr wird mir die Prinzessin wohl geben, und dann werde ich König, wenn mein Schwiegervater tot ist." Seine Brüder lachten ihn tüchtig aus, heimlich aber grübelten sie, wie sie die Wunderstücke an sich brächten. Als Hans einst nicht zu Hause war, legten sie in seine Kammer ein anderes Tischtuch, einen anderen Tornister und Hut, die aber gerade so aussahsn wie die alten.
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