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schnittes ist das aus dem brandenburgischen Staate hervorgegangene Königreich Preußen bereits eine Großmacht geworden und die Provinz Brandenburg ein abgerundeter, festgefügter Bestandteil dieses Königreichs, das berufen ist, dem neuerrichteten Deutschen Reiche den ersten Kaiser zu geben.
Die nun folgende Zeit friedlicher und ersprießlicher Entwicklung seit der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches bis zur Gegenwart bildet für die heutige Generation den Abschluß jenes tausendjährigen Zeitraums der Landesentwicklung Brandenburgs, die in den nachstehenden Abschnitten eingehender betrachtet werden soll.
1. Die Gründung der Mark und die Kolonisation des Wendenlandes zur Askanierzeit.
Als die germanischen Stämme der norddeutschen Tiefebene im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. Geb. ihre langjährigen Siedelungen verlassen hatten und über Elbe und Weser, über Rhein und Donau nach dem Südwesten und dem Süden Europas gezogen waren, wanderten von Osten her slawische Völker- scharen i n die verlassenen Gebiete ein, unterwarfen sich die noch hier und dort zu rückgebliebenen Überreste der früheren germanischen Bevölkerung oder vereinigten sich mit diesen und dehnten ihre Sitze über das norddeutsche Flachland allmählich nach Westen bis zur Weser und nach Südwesten bis zur Elbe und Saale, ja bis zum Fichtelgebirge hin aus. Durch ihre Raubzüge in die westlich gelegenen germanischen Gaue wurden die Slawen bald unbequeme Nachbarn der Franken, und schon Kaiser Karl der Große sah sich veranlaßt, zwei Heereszüge in das slawische Gebiet bis zur Elbe hin zu unternehmen und die Grenzen seines Reiches durch Wallanlagen (Limes sorabicus) und befestigte Warten, wie Eres- ford (Erfurt), Hala (Halle), Magadaburg (Magdeburg), Hobuoki (Höhbeck bei Lenzen) und Esseveldoburg (Itzehoe), zu schützen. Auch seine Nachfolger mußten wiederholt slawische Einfälle in die Grenzgebiete zurückweisen, und gegen das Ende des 9. Jahrhunderts begann man bereits den plan zu fassen, den Slawen das ehemals deutsche Land östlich der Weser, Elbe und Saale wieder zu entreißen.
Die ersten energischen Versuche zur Wiedereroberung der von den Slawen besetzten Landstriche längs der Elbe machten die sächsischen Kaiser, die den lästigen Feind im eigenen Lande bekämpften. Schon die siegreichen Kriegszüge Kaiser Heinrichs I . gegen die Sorben (921) und gegen die Wilzen (927), die Eroberung der Hauptfesten Brandenburg (928) im Hevellergau und Liubusua (932) im Lande der Daleminzier und der blutige Sieg über die Retarier und andere abotritische Stämme bei Lunkini (Lenzen 929) ermöglichten es den Deutschen, ihr Machtgebiet weiter nach Nordosten und Osten hin auszudehnen und die erweiterte Grenze durch Militärstationen und Ansiedlungen zu schützen. Noch größere Erfolge hatte Kaiser Otto I. zu verzeichnen, der mit Unterstützung der Markgrafen Gero und Hermann Billung wohlvorbereitete Kriegszüge in die slawischen Gebiete längs der oberen und unteren Elbe unternahm und die eroberten Landstriche, nachdem sie durch Burgen und be-