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Kreise Luckau, angelegt. Der große unwiderstehliche Strom deutscher Einwanderer dringt aber erst vom 12. Jahrhundert an vor und bürgert höhere Wirtschaftsformen ein, z. B. den Weinbau in Guben und Luckau. Eine große Wenge von Städten blüht jetzt auf. Ähnlich wie die Altstadt Brandenburg lehnt sich Spremberg an eine altslawische Siedlung an. Gleich Berlin und Frankfurt zeichnet sich Guben frühzeitig durch reichen Kämmereibesitz an Wäldern und Dörfern aus und gehört mit Ealau, Buckau und Lübben zu den Zmmediatstädten. Kleinere Städte wie Finsterwalde und Sonnenwalde unterstehen, darin den märkischen Orten putlitz und Königswalde vergleichbar, lange Zeit adligen Stadtherren, dort geboten die v. Dieskau, hier zuerst die Lulenburgs, später die Grafen zu Solms. Lieberose, vormals mit slawischem Namen Lubraz genannt, geht ebenso wie Sonnenburg und Freienwalde a. M. käuflich von einer Hand in die andere, bis sich hier
die v. Schulenburg festsetzen.
So wiederholen sich in überraschender Weise manche Züge der brandenburgischen Geschichte auf niederlausitzer Boden, und auch die furchtbaren Drangsale während des Dreißigjährigen Krieges, die die Pfarrer Magnus und Heinsius zu Forst eindrucksvoll geschildert haben/) erinnern an ähnliche Leiden der Märker. Doch ermangelt die Landschaft auch nicht ihrer besonderen Eigenart. Da sie nur in lockerer Personalunion mit Sachsen gestanden hatte, war die innere Verwaltung gänzlich den Ständen überlassen geblieben. Staatlicher Domanialbesitz bildete sich nicht, sondern Wälder und Landgüter gelangten in den fast ausschließlichen Besitz der Vasallen, die nicht allein Bauern-, sondern auch Schulzengüter auskauften. Große Standesherrschaften von halb-fürstlichem Charakter entstanden, — so sei an Schloß Drehna und die v. Minkwitz, ferner an die Grafen von Brühl in der Herrschaft Forst-Pförten, die Grafen Lynar zu Lübbenau und die früher Zohanniter-, jetzt Königliche Standesherrschaft Friedland erinnert. Sodann sind die Städte mit verhältnismäßig kleiner Gemarkung, aber von großer industrieller Bedeutung, wie z. B. Forst und Sorau, bemerkenswert.
Alle diese Städte und Standesherrschaften mußten jetzt, ähnlich wie es manche Niederlausitzer Gebietsteile: Cottbus und das Schenkenländchen Teupitz schon seit Jahrhunderten getan, sich der preußischen Verwaltung einfügen. Die gesamte Niederlausitz wurde zusammen mit der Neumark, den Landen Lebus, Beeskow-Storkow und Sternberg der neugebildeten Regierung zu Frankfurt unterstellt, die an die Stelle der alten Cüstriner Kriegs- und Domänenkammer (vgl. S. 208) trat. Die Berliner Kammer erhielt als Sitz fortan Potsdam und nannte sich vorerst noch „Kurmärkische Regierun g", weil ihr drei Hauptteile der alten „Churmark", nämlich prignitz, Ucker- und Mittelmark (freilich ohne Lebus) verblieben. Ferner wurden zu dem Potsdamer Bezirk die Ämter Belzig, Züterbog, Dahme und die Herrschaft Baruth geschlagen. So spielte eine gewisse bureaukratische Willkür bei der Bildung dieser beiden Bezirke mit. Berlin gehörte keinem der zwei Gebiete an: hier war der Polizeipräsident nicht nur Orts-, sondern gleichzeitig Landespolizeibehörde. Dagegen wurde die neue Kreiseinteilung mit möglichster Schonung althistorischer Zusammenhänge vor-
tz Lhronik des Johann Magnus und Sigismund heinsius mitgeteilt von Scheltz in v. Ledeburs Neuem Allgem. Archiv III (18Z6), S. 22gf.