Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Die Geschichte / von Gustav Albrecht ...
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen

5^2

Mittelpunkt der Selloschen Sckmlen in der Lindenstraße aus über die Stadt und ihre Amgebungen ausgedehnt. Von der Renaissance an hatten die Gärten der Landes­herren und der begüterten privaten vornehmlich dem architektonischen Schmuck ge­dient, wie der dreieckige Joachims II. zu Potsdam, der Lustgarten seines Nachfolgers in Berlin, auch noch die Meinhardschen Anlagen unter dem Großen Kurfürsten; oder aber den wissenschaftlichen Interessen wie der Wundergarten Thurneißers am Grauen Kloster und der Botanische. Nun führten die englischen Theorien und Muster nicht bloß eine neue Schönheit, sondern ein neues wirtschaftliches Leben in die Gartenkunst ein. Noch früher als Giserbeck den Neuen Garten für den König, richtete sich Kamecks auf Proetzel bei Brandenburg 1777 den seinen nach diesen Grundsätzen ein. Und ein großer Kreis seiner Standesgenossen machte sich Namen durch die gleiche, mit der Grundstimmung der Epoche so tief harmonierende Tätigkeit, die dann zu Anfang des folgenden Jahrhunderts in den Bestrebungen des Fürsten pückler sich fortsetzte, um seine Mitte in den Leistungen persius' und Lennes einen glänzenden Gipfel erstieg. An die Stelle bevormundeter Arbeit der Untertanen trat im modernen Staat auch für den Gartenbau die bessere Arbeitsteilung zwischen Regierung und Bürgern. Im Jahre 1822 schloß der Verein zur Beförderung des Gartenbaus die Interessen der märkischen Gärtner an die der übrigen Provinzen. Das Jahr darauf beschenkte sie der Staat mit der Geltower Landesbaümschule und der Schöneberger Gärtnerlehranstalt, die später nach Potsdam, kürzlich nach Dahlem verlegt wurde.

Die neuere Handelsgärtnerei ist vielleicht nicht völlig ebenmäßig mit den Mög­lichkeiten des Verkehrs gewachsen. Die Berliner, die bereits vor der Gründung des Reiches Palmen nach Paris und Blumenzwiebeln nach Holland verschickte, ist, es war schon davon die Rede, letzthin teilweise von der wachsenden Stadt verschlungen wor­den. Was die agrarische vermag, zeigen für die verschiedenen Fälle der einzelnen und der kollektiven Unternehmung Tatsachen, wie der Export von Maiglöckchenblüh- keimen aus Kohlow bei Frankfurt nach England, Rußland und Amerikas und die von der Landwirtschaftskammer angeregte Gründung der Tafeltrauben­genossenschaften zu Luckau lh05 und Gransee lß07. Der Obstbau, der statt der Hochstämme neuerdings die mittleren von etwa f,25 m höhe bevorzugt, sieht in derVer- mehrung der großen Baumpflanzungen eine dringende Zukunftsaufgabe. Auch die Verbesserung der Mbstverwertung, namentlich in genossenschaftlichen Betriebsanlagen, eröffnet dem Fortschritt ein weites Feld. Dem Deutschen pomologenverein, der älter ist als das Reich, werden die modernen Prinzipien des Sortiments und die Anbah­nung wenigstens eines einheitlich-en Düngungssysiems verdankt. Der rein privaten Initiative gegenüber ist die Bedeutung der staatlich unterstützten Baumschulen sehr- klein geworden; man wirft ihnen mangelhafte Anpassung an die geschäftlichen An­forderungen der Zucht vor. In der Gemüsezucht hat natürlich der Feldbau den Hauptgewinn aus der modernen Bedarfsentwicklung. Der gartenmäßige Anbau hat sich in größerem Umfange nur sozusagen zufällig für einzelne Spezialitäten behauptet oder auch neu ausgebildet. Für das letzte ist neben der Rhabarberkultur bei Frank-

') Meitzen VII, Z2A.