Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Zeugnisse dieses fortifikatorischen Sinnes, also in einem Gebiete, das unter Albrecht dem Bären zuerst planmäßig besiedelt worden ist, während die Kirchen in den anderen Teilen Brandenburgs nicht mehr so klar die Verteidigungsabsicht hervortreten lassen, die hier wohl nicht so nötig war.

Das Schiff dieser alten Dorskirchen ist viereckig, fast quadratisch, mit einem gleich breiten oder etwas eingezogenen Turm, einem quadratischen Chorbau, der bisweilen mit einer halbrunden Nische abgeschlossen war. Mit Ausnahme des plumpen Kugelgewölbes der Apsis waren die Räume mit Balkendecken geschlossen. Die Fenster sind durchgehends klein und schmal, weniger aus Gründen der Verteidigung als aus solchen der Wärme- Haltung; denn in dem rauhen Winterklima waren die Heizungslosen Kirchen nur zu be­nutzen, wenn die Kälte in jeder weise zurückgehalten wurde. Ein überaus hohes,

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Abb. Typen märkischer Dorfkirchen.

(von links nach rechts: Holzhausen, Auhz, Preddöhl, Gantikow, Borne, Techow.)

stellenweise wohl mit Schindeln und Stroh gedecktes Dach nahm die Mauern in seinen Schutz. Dieser vollständige Grundriß ist jedoch nur vereinzelt anzutreffen. Bei der weitaus größten Zahl unserer älteren Kirchen tritt je nach der Art der Einflüsse eine Ab­schwächung durch Fortlassen der Apsis auf (Abb. (7).

Die Klosterkirchen von Zinna und Alt-Landsberg, die um 1220 erbaut wurden, sind noch vollständige Granitbauten, was in Anbetracht ihrer Größe und Bedeutung um so mehr auffällt, als die Ziegeltechnik schon 50 Jahre vorher ganz bedeutende Werke in dem damaligen Brandenburg geschaffen hatte (Zerichow, Sandow, Fischbeck, Redekin, St. Nikolai in Brandenburg, Pechüle, Bardenitz (Abb. (8). Da sich die. Ziegelbauten über die ganze westliche Provinz verteilen, so ist die Tatsache, ein halbes Jahrhundert später, noch vollendete Granitkirchen zu finden, befremdend und wohl nur dadurch zu er­klären, daß sich gerade zur Zeit der Erbauung tüchtige Steinmetzen in der Nähe befunden