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in Distichen die Anfänge des Hohenzollernschen Fürstenhauses; die erste Hälfte, welche die Stammsage dieses Herrschergeschlechteschehandelt, ist nicht ohne künstlerische Bedeutung. Sehr ansprechend ist die Erzählung von dem Krstammvater, von Ferfridus, der, aus Italien vom j)apst vertrieben, zu Heinrich IV. flieht und in Deutschland sich eine neue Heimat sucht. Voll Schwung und Kraft ist die Schilderung einer Schlacht bei Mölsen, und in einer genrehaften Szene erhebt sich Schosser zu einer für seine Zeit beträchtlichen dichterischen Höhe: Ferfridus schläft auf seiner neugewonnenen Burg Hohenzollern in kummervollen Gedanken an die verlassene Heimat, da erscheint ihm im Traume Askanius und verheißt ihm ein neues Vaterland und eine ruhmreiche Zukunft ... er sieht, wie Kloses einst, ein gelobtes Land ... es ist die Mark . . . Ferfridus erwacht und fleht zu Gott, daß der Traum Wahrheit werde. An anderen Stellen des Gedichtes ist nach Art und Sitte dieser Kunst antiker Flitterkram angebracht, so wenn z. B. Ferfridus bei seinem Eintritt in Deutschland von einem Flußgotte begrüßt wird, auch läßt gegen Ende des Gedichtes die darstellende Kraft, wohl auch das Interesse des Autors wesentlich nach, aber in einzelnen Teilen gehört dies Werk zu dem besten, was auf märkischem Boden in lateinischem Gewände gedichtet worden ist; die der Buchausgabe vorgedruckte Epistel Melanchthons enthält nur eine einfache empfehlende Inhaltsangabe des Ganzen.
In diesen Zusammenhang gehört als einer der letzten Ausläufer Georg Strubeh mit seinem (6^2 erschienenen „Lpos momorabile", das einen ausgeprägt lokalen Tharakter trägt. Strube ((640/(702) war von (663 über ein Menschenalter Rektor der Domschule in Havelberg; Johannes Rist, der „nordische Apoll", hatte ihn in seiner Eigenschaft als „Kaiserlichen Hof- und (Dfalzgraf" zum pootu Inuroutus gekrönt: „er — Strube — hat solche herrliche und sinnreiche Gedichte sowohl in lateinischer wie in deutscher Sprache geschrieben, daß ich dieselben nicht nur mit einer besonderen Lust, sondern auch mit höchster Verwunderung habe angesehen und mehr denn einmal durchgelesen". Auch mir ist es nicht gelungen, die bisher nicht nachweisbaren Drucke von etlichen wichtigeren Werken Strubes aufzutreiben; leider gehört dazu das von Küster in der Bibl. hist. Brandend. (S. 1-87) erwähnte (Dreisgedicht auf des Großen Kurfürsten Sieg bei Fehrbellin, das er (675 unter dem Titel Wtoi-iu triumpbo Vritt.
>ViIbeImo veröffentlichte; auch seine Autobiographie Llemoriuls in kortunio kortunu« Perpetuum vom Jahre 1663 mußte mir unbekannt bleiben. Sein „denkwürdiges Epos" enthält ein Verzeichnis der Bischöfe von Havelberg und aller derer, „die zu dieser Zeit, Gott und dem Vaterlande mit allgemeinem Ruhme dienend, des ehrwürdigen Kapitels Sitze innehaben". Vieles in diesem umfangreichen Opus trägt einen ausgeprägt idyllischen Tharakter, ist das Zeugnis eines beschaulichen Geistes, der nicht imstande war, die von den Vätern überkommene Kunst in den Dienst wirklicher dichterischer Aufgaben zu stellen. Die Stelle von dem, was ihm die reinen Freuden der
h Vgl. über ihn: Dtto Frick, Das Hof-Pfalz-Grafen Diplom Johann Rists an < 8 . Strube; Gymnasialprogramm, Burg 1866 . — Außerdem die verschiedenen Ausführungen über Strube von Johannes Dräseke: in Th. Beckers Geschichte des Bistums havelberg, Berlin, 1870 , S. 103 / 14 , G- Strube und sein Lpos mernorabile; der Aufsatz über G. Strube im Brandenburgischen Provinzialblatt (Landsberg a. d. w.) 1880, Nr. zo/z; I. Rist als Kaiserlicher Hof- und Pfalzgraf, Gymnasialprogramm Wandsbeck, 18Z0, S. 10/22. — Der letzteren Arbeit ist die oben mitgeteilte Probe aus dem Hauptwerke Strubes entnommen.
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