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Poesie verklärt und zum Teil überhaupt erst ermöglicht, lautet — als ein Beispiel für 2trübes Art — folgendermaßen:
Der, auf dem Gipfel bedeckt mit weinumrankten Geländen,
Zeuget und reicht uns dar, aus lehmigem Erdreich entsprossen,
' Süßen wein, wie die Rebe ihn beut auf den fruchtbaren Fluren
Der vangionen, gepflanzt an den Fluten des schäumenden Rheinstroms.
Wenn auch der unsre geringer erscheint an Geschmack wohl als jener,
Und in der dunkelen Färbung kaum es jenem zuvortut,
Ferner im Duft auch, wenn ich nicht irre, das Naß aus dem Rheinland Nicht zu erreichen vermag, so ist mir bei mäßigem Durste Dennoch des Weines zu trinken vergönnt, daß nimmer zu viel ich Schreibe Gedicht', von den einen gelobt, verdammt von den andern.
Denn es trägt den Poeten der wein, einem Rosse vergleichbar,
LH' er es merket, davon, Wein mindert den Durst, er verscheuchet Sorgen, es mehret der wein wie des Körpers Kraft, so die Freundschaft.
Freilich, zu reichlicher Weinesgenuß mag schaden dem Geiste;
Doch, wenn mit mäßigem Trunk er geschöpft, über Lippen und Gaumen Fließt, macht er jeden, der trägeren Sinns, bald hell und gewitzigt.
Doch was red' ich von mir? Einem tüchtigen Becher gereiften Safts schenk', gleich meinem Weibchen, ich gern meine Liebe als Dichter:
Aber sobald es sich trifft, daß jemand mir wein auf den Tisch setzt,
Pfleg' ich mir gütlich zu tun, jedoch verlang' ich es niemals, wenn mir nur mäß'ge Gerichte auf blinkender Schüssel erscheinen, wie sie mein Weib zu bereiten mir pflegt an glüh'ndem Kamine:
Kohl, zwiefältig gekocht, und Satten geronnener Milch, auch
Wurst und Fisch und Radieschen und Fleisch von grunzendem Schweine.
Mohrrüben, Rettig und Fischlake dann und rundliche Erbsen.
Drauf auch brauen wir uns wohl ein leicht verdaulich Getränke.
Das da die Kraft' uns heimlich verzehrt und rüst'ge Gewandtheit; —
Daher Ubelbefinden alsdann und Schwinden der Glieder,
Daher jeglicher Seuche Gestalt, vielfältige Krankheit, —
Niemals möcht' ich jedoch kostbarere Gaben, dieweil ja „Selten gewöhnliche Kost verschmäht ein knurrender Magen".
Als „Fürst aller lateinisch-märkischen Poeten" aber galt Zeitgenossen und Nachfahren der aus Brandenburg a. d. Havel gebürtige Georg Schüler (s508/60)/) eines angesehenen Bürgers Sohn, der s528 den Namen Sabinus annahm, um dadurch gleichsam sich selbst „als Freund des Vvid" unter die klassischen Vorbilder einzuordnen und als gleichwertig ihnen anzureihen. Den Wittenberger Studenten hatte Melanchthon, zu dessen jugend-
Don der zahlreichen Literatur über G. S. nenne ich nur als wirklich wertvoll und fördernd: H e ff t er, Erinnerung an G.S., , 845 ;M. Toppen,Die GründungderUniversitätKönigsbergi.pr., >k»4 (S. 242/5Z, G. S. als Dichter); Th. Muther, Aus dem Universitäts- und Gelehrtenleben der Reformationszeit, ,866 (S. 229/67 Anna Sabinus; vorher in Neue preußische provinzialblätter, 2. Folge, Bd. 2, ,859, S. 2,2/37); Amdohr, Zwei Elegien des G. S. in der Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Kgl. Friedrich-Gymnasiums in Frankfurt a. d. G., ,894, S. ,28/5z; G. Llemen, Zu G. S. (über den ersten Druck seiner Werke) in Forschungen zur brandenburgisch-xreußischen Geschichte, Bd. 2,, >908, S. 2,s/6. — Außerdem noch die Verse des Lotichius auf G. S. in Dpera, Leipzig , 586 , S. 78 , , 63 , , 7 ,.