Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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lichen Hausgenossen Sabinus gehörte, aus Mvib als Muster und Vorbild aufmerksam gemacht:') von da an beseelte ihn der bis zum s)arorysmus gesteigerte Wunsch, es an Glätte des Versbaues und Feinheit der Sprache diesem gleichzutun. So war auch ihm die dichterische Tätigkeit ein anmutiges, oft geistreiches Spiel, und wenn man sich nicht scheute, allen Ernstes zu sagen und immer zu wiederholen, daß Mvid des Sabinus Ge­dichte seinen eigenen vorgezogen haben würde, dann ist die Selbstverherrlichung und Selbstüberschätzung des Neulateiners erklärlich, die einen nicht unbeträchtlichen Inhalt seiner Verse ausmachen; Ticero, von dem er sich auch von Amts wegen später beschäftigen mußte, konnte ihm als freilich harmloser Lobredner eigenen Verdienstes zum Vor­bilde dienen:

Alein zwar ist dies Haus, doch weil es Sabinus bewohnte, hat es Kalliope sich selber zum Sitze erwählt"

lautete die übersetzte selbstverfaßte Inschrist an seinem Hause in Frankfurt a. d. Gder, die sein Leben und seine Wirkung lange überdauert hat.

Sabinus war ein Mensch beträchtlicher Fähigkeiten und merkwürdiger geistiger wie seelischer Kontraste. Daß er seine poetischen Gaben verwertete, um Nutzen und Lohn, um der Großen Gunst zu erwerben", ist ein allzu menschlicher, offen eingestandener Zweck seiner Kunst, den er mit den allermeisten dichtenden Kollegen und Nichtkollegen gemeinsam hatte?) Die Fürsten dieser Zeit liebten und verlangten es, vonDichtern" gepriesen zu werden, und weil die willige Erfüllung solcher Wünsche die Forderung und

h Vgl. darüber die Verse des Sabinus:

^räuu eousesuäi kurnussi oulruiuu montis,

1s <lu.ee Xusouis uiolls sseutus itsr.

ürxo sjuoä uunuwsrut ins Isutonu terra postis,

Uotugus priuoipibus yuoä visu muss, pluost: lüö äsbsrs tibi katsor, sswpsrc;us kutsdor,

Ouin insu vital is Spiritus osss rsxst.

Aus den biographischen Einzelheiten führe ich hier noch an, daß S. in Alelanchthons Begleitung die Reichstage von Speyer (i52g) und Augsburg (1550) besuchte, daß er 1552 Rektor der Universität Frankfurt a. d. D. wurde und von 154-1 bis 1555 dieselbe Stellung an der neugeschaffenen Hochschule in Königsberg i. Pr. bekleidete; bis an seinen Tod >5S0 war er wieder in Frankfurt. >555 sandte ihn Kardinal Albrecht von Brandenburg nach Italien, von wo er mit dem Titel eines Pfalzgrafen vom Lateran zurückkehrte; dieses Lavieren zwischen den Anhängern beider Bekenntnisse gibt seinem Leben, Fühlen und Denken die charakteristische, schwankende, oft kraftlose Note.

h Als Probe dieser zahllosen Verse diene eine Paraphrase über Kurfürst Albrecht Achilles, in welcher das Wort: viel Feind, viel Ehr' in einer Weise behandelt wird, die eine entfernte . Ähnlichkeit mit Schillers Distichen Deutsche Ehre hat, welche das gegenseitige Verhältnis von Ludwig dem Bayern und Friedrich von Österreich behandeln:

Osrtior Albertus eom ükurvüio rsääitus esset,

^ers sidi dsllum quin^us pururs äuoss,

^tgus mousrstur, ns tot soutsnäsrst impur Nostibus, iutrspiäus zussit ubssss lustum.

,(fuiu, reksruiu tunto plus luuclis ab üostikus', inguit,

Illorum guauto sopiu inasor srit!"

^uxi» sollieiti guum euusum turbu kuvoris ^ttulit:üuso ilii ealeur urmu kuit."