Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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den Anspruch auf Dank begründete, Sabinus aber als Erstes und wichtigstes Anerken­nung von und in der Welt um sich her cheischte, so ist der größte Teil seiner Verse und Gedichte mit Dingen seiner Person angefüllt; für die üii minornm gentium hatte er manches ratende, lobende Wort in weiser Berechnung und Erkenntnis übrig, daß auf solchen wegen sein Name an den ausschlaggebenden Stellen nie in Vergessenheit geraten würde. Auch die häufige Briefform seiner Poesien erklärt sich daraus; freilich hat Ranke ihren geringen geschichtlichen wert bewiesen/) was um so merkwürdiger ist, als dem Sabinus eine nicht unwesentliche staatsmännische Befähigung und Betätigung eigen war: mit unermüdlicher Energie hat er als Gesandter die Nkitbelehnung Kurbrandenburgs mit Preußen seitens der polnischen Krone durchführen helfen. In den großen Fragen seiner Zeit vertrat er den Standpunkt, daß der Zwiespalt der Fürsten und Stämme Deutschlands beendigt werden müsse, weil Wissenschaften und Künste nur im Frieden gedeihen könnten; vor einem religiösen Indifferentismus schützte ihn trotz enger und nützlicher Beziehungen zu katholischen Würdenträgern ja schon sein Freundschasts- und Verwandtschastsverhältnis mit Nkelanchthon, da er 1536 dessen erst vierzehnjährige Tochter Anna geheiratet hatte, eine Ehe, die Ursprung und Quelle mißlicher Verhält­nisse wurde, die Luther schon zwei Jahre später in einem Briefe an Justus Jonas eine Tragödie nannte, und die Nlelanchthon Veranlassung gab, vom Wankelmuts seines Schwiegersohnes zu reden,meines Eidams, der mir genug Bedrübnis macht, daran ich zu flicken habe". Anna Melanchthon war ernst und schweigsam, Sabinus launisch, prachtliebend, oft verschwenderisch; der Hausbau in Frankfurt a. d. Oder häufte Schulden auf, die das Leben für die Frau unerträglich machten; freilich war sie auch wenig im­stande, ihre Aufgaben als Gattin und Nkutter auzufüllen, und ihre mürrische Ver­drossenheit konnte die zweifelhafte Neigung des Nkannes nicht erhöhen. Ein mitarg­listiger Schlauheit" verfolgter Scheidungsplan wurde durch einen raschen Tod der Frau sie starb s5HH in Königsberg, noch nicht 25 Jahre alt vereitelt; von der zweiten Ehe des Sabinus mit der Königsbergerin Anna Eromerus ist nichts weiter als dieser Name bekannt.

Des Sabinus Tätigkeit als Philologe ist ohne, besondere Bedeutung; eine Ausgabe von TicerosOrator" ist wertlos und die Erklärungen derMetamorphosen" des Vvid sind nur dadurch bemerkenswert, daß sie einen ersten Versuch darstellen, in den Geist des antiken Kunstwerkes einzudringen, auf plan und Schönheiten des Dichters aufmerksam zu machen, zugleich aber auch Ratschläge geben, den römischen Dichter für die eigene Pro­duktion auszunutzen, wobei Sabinus Beobachtungen und Erfahrungen seiner Praxis initteilen konnte, allerdings auch dem bewunderten Vorbilde Anspielungen auf die Zeit des Erklärers zuschrieb.

Eine unvollständige und daher etwas dürftige Schrift über die Grundlagen und Absicht der Dichtkunst, eine Art Abriß einer Poetik:I)s earminikn« all votorum imitatiouem artitlcios« oompononäis praeeepta doua et utilla" behandelt die einschlägigen Fragen mit Geschmack und Einsicht, ohne daß aber Sabinus darin mehr

i) von geschichtlichen Persönlichkeiten behandelt Sabinus Karl V. und Episoden aus der brandenburgischen Geschichte; der Nachdruck wird in diesen Werken ans die sorgfältig stilisierten - Reden gelegt, die nach dem vorbilde der antiken Geschichtschreiber eingeflochten sind.