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trockene Aneinanderreihungen von Fakten und Taten, und ein plan, christliche „I'usti" nach dern Muster des Gvid zu schreiben, blieb unausgesührt. Seine Liebesgedichte, die wohl alle seiner Gattin, der schon genannten Anna Melanchthon gelten, tragen dagegen den Stempel des Erlebten und deutliche Spuren individuellen Lebens und Erlebens: der Dichter erzählt von seiner Liebe unter Vermeidung jeglicher gelehrten Beimischung, wenn er auch die mythologischen Motive der Anakreontik nicht entbehren kann.
Eine bei aller Korrektheit elegante Sprache ist ihm eigen, eine klare, lebendige Ausdrucksweise sowie eine einfache und natürliche Darstellung. Schon seine Iugendwerke weisen eine hervorragende Beherrschung des lateinischen Ausdruckes auf, deren anmutige Form weitschweifige Wendungen, übertreibende Gedanken, allzu reichliche geschichtliche Reminiszenzen kaum trüben können. Mit bewunderungswerter Leichtigkeit und Gewandtheit hat er Anschauungen und Empfindungen seiner Zeit und seiner Person in antike Metra und Sprachsormen zu kleiden gewußt; die Glätte der Form und die Anmut des Rhythmus übertreffen meist den inneren Gehalt, weil seine ganze dichterisch Fähigkeit und Tätigkeit mehr dem Fleiße entspringt, als ein notwendiges Ergebnis eines angeborenen Talentes ist, verwandte er diese reichliche Sorgfalt auf die äußere Form; damit hängt auch der objektivierende Tharakter seiner Dichtung zusammen, wie dies z. B. in seiner Schilderung der Reise über die Alpen hervortritt, wenn er unter Erwähnung der Martinswand den schaurigen Abergang nach Trient beschreibt. Wenn daneben öfters ein mit reger Phantasie gepaartes wahres und lebendiges Gefühl sich zeigt, so ist darauf die Art seiner Vorbilder, Eobanus lhessus und Tamerarius, nicht ohne Einfluß geblieben.
Die künstlerische Art des Sabinus mögen zwei Proben in einer Verdeutschung von Amdohr zeigen; die erste ist ein Spruch an den brandenburgischen Kurfürsten Albrecht Achilles, die zweite das berühmte Lob Frankfurts a. d. Vder, als I die Universität von Tottbus dorthin wieder zurückverlegt ward.
Als dem Albrecht Achilles die schreckende Kunde geworden,
Daß fünf Fürsten sich rasch gegen ihn rüsten zum Krieg
Und gemahnt er ward, mit seinen geringeren Scharen
Nicht zu zieh'n in den Kampf, sprach er: „Ich hasse die Furcht;
Desto größeren Ruhm will jetzt vom Feind ich erwerben,
Um so größer das Heer, das er entgegen mir schickt." was der geängstigte Haufe, der Freund ihm gemeldet,
Dieses schreckende Wort hatte zum Kampf ihn gesporntl
* H
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Hier einst löschte den Durst Lobanus, der Hesse, auch Hutten (wer war mutig wie er?) stärkte hier Seele und Leib.
Seen verschönen den Vrt und grünlich schimmernde Teiche,
Die in unendlicher Zahl Fische enthalten im Grund.
Hier sanft gleitet, gewunden im Bogen, die liebliche Vder,
Schmücket das Ufer ihr doch Bacchus hier prächtig mit Wein;
Drüben erhebt sich ein schatt'ger Wald an dem andern Ufer,
Grünend auf bergigen Höh'n, die um das Ganze sich zieh'n.
Hier in der Stille des Waldes der vöglein Weisen zu lauschen,
Scheucht aus dem Herzen die Sorg', daß es bald freier sich hebt. - Hier auch flechten die Nymphen des Tales die blumigen Kränze, während der Satyrn Schar schäkernd die Auen durchschwärmt.