Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Reich auch ist sie, die Stadt, an dem mancherlei Gut, das man herführt Flink auf dem Flusse von fern, der hier von Schiffen belebt.

Dazu man füge die Bildung des Volkes, das, wohnt's auch im Norden,

Rauheit nicht trägt hier zur Schau, sondern italischen Schliff.

Hohe und prächtige Häuser bewohnt der gebildete Städter.

Nirgends ist hier Verfall, wie man ihn ayderswo sieht.

Hochauf streben zum Himmel die Zinnen der schönen Gebäude,

!vie einst der Fürsten Palast, die die Geschichte uns rühmt.

Franken trojanischen Stammes begründeten einst diese Mauern:

Davon der Name der Stadt, den sie bis heute noch trägt.

Auf einem linsten- und Wendepunkte der Zeiten und Menschen steht im geisügen Leben der Mark und Berlins Leonhard Thurneißer zum Thurn s 153(11.595), der im Wesen und Wissen den Übergang vom Mittelalter zur modernen Zeit, vom Aberglauben zur Wissenschaft darstellt, ein Mann, der zwischen Betrüger und Tharlatan, Gelehrtem und Kaufmann in den Widersprüchen seiner Art und seines Handelns hin und her schwankt und die Mitte hält, so daß eine klare Erkenntnis dieses Eharakters und seiner Grundzüge kaum möglich ist. Leinen ungewöhnlichen Fähigkeiten des Verstandes, der Beobachtungsgabe und der Phantasie einte sich ein Lchatz mannigfachster Kenntnisse, die er sich in einem schon frühzeitig sehr bewegten Leben erworben hatte und deren praktische Verwertung sein oft erreichtes Ziel war. Der weitgereiste, weltgewandte, seiner Zeit und seinen Mitmenschen an Betriebsamkeit und wohl auch intellektuell überlegene Hauptver­treter der medizinischen Theorien und Erkenntnisse des Paracelsus, der sich aber auch sonst auf allen möglichen Gebieten praktischer und geistiger Tätigkeit als ein wahrer Polytropos" erwies, hatte gar viele Angriffe zu ertragen, denen er, im Verein mit den Folgen mancher nicht lauterer Machenschaften, schließlich auch erlegen ist ; je nach Gunst und Ungunst ist das Urteil der Zeitgenossen über ihn kriechend oder lästernd.

Als Lohn eines Goldschmiedes in Basel geboren, lernte er in der väterlichen Werk­statt früh schon mit Metallen und ihren angeblich geheimnisvollen Kräften umgehen; eine Gehilfenstelle bei einem Arzte verschaffte ihm in jungen Zähren eine zunächst wohl noch unverstandene Bekanntschaft und Kenntnis mit den Lchristen des schon genannten Paracelsus. Eine unglückliche erste Ehe stürzte ihn in finanzielle Lchwierigkeiten, denen er nur durch die Flucht nach Basel entgehen konnte: als Goldschmied, Wappenstecher, Bergmann und Loldat durchzog er das westliche Europa; für das Zahr 1333 ist seine Teilnahme an der Lchlacht bei Lievertshausen im Heere des Markgrafen Albrecht Alci- biades von Brandenburg-Kulmbach bezeugt. Zn Tirol hat er dann ein Bergwerk und eine Lchmelzhütte angelegt und hatte mit diesen Unternehmungen solches Glück, daß er die Aufmerksamkeit des Erzherzoges Ferdinand von Österreich auf sich zog. Ltudienreisen für das Bergfach führten ihn bis tief in den Grient, wo er nebenbei auf die Erwerbung medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse bedacht war und sich die Vorbedin­gungen für die seltsamen Kuren aneignete, die dann später seinen Ruhm und Ruf begründen sollten. Bei seiner Rückkehr aber waren die bergmännischen Einrichtungen in Tirol in Verfall geraten; Thurneißer hat in Böhmen und Ungarn auf Kosten und Veranlassung der österreichischen Regierung die Bergwerke geprüft, doch hat er damals auch begonnen, sich dem Ltudium der Medizin, Alchimie und Astrologie im Linne des Paracelsus zuzu-