Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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gebeutet: von 1846 bis 1849, erschienen allein 37 Schriften und Aufsätze, welche sich mit dem Vnileinlum in diesem Sinne beschäftigten.

Die Weissagung zerfällt in zwei Teile: Vers I bis 75 find ,,1'ropüotioo ex svsntn", während die Verse von 76 bis 100 Zukunftsphantasien enthalten. Bald nach ihrem Bekanntwerden tauchte die Frage nach dem Verfasser auf; schon s?-s6 wies der Prediger Joh. Tasp. Weiß aus Zürich, der bei der evangelisch-reformierten Gemeinde in Lehnin amtierte, in einer 346 Seiten langen Schrift das Gedicht alseine Brut neuerer Zeiten" nach ... er und Allster (1,759) bezeichnten als Autor den Aammergerichtsrat Wartin Friedrich Seidel, der schon 1693 Anmerkungen zum VntleinluL geschrieben hatte. Die Ausführungen von Weiß wurden von Gottsched rezensiert;^) hier findet sich die erste Spur einer bestimmten Datierung, und zwar zwischen die Jahre 1683 und 1688. Den Anstoß zu einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dieser Materie gab im Jahre 1821 der Staatskanzler Hardenberg, indem er den Leiter der Berliner Königlichen Bibliothek, Fr. Wilken, veranlaßte, sich eingehend darüber zu äußern;^) dieser kam zu dem Urteil:Alle Gründe der Wahrscheinlichkeit sprechen dafür, daß Martin Friedrich Seidel der Verfasser ist." Ihm widersprach dann Wilhelm Giesebrecht/) der die Lesarten der fünf Berliner Handschriften mitteilte, und die Weissagungfür das Pamphlet eines Bürgerlichen hielt, den die scheinbare Abhängigkeit Friedrichs III. von Österreich und die auffällige Begünstigung der Reformierten verstimmte, wozu vielleicht auch noch eine persönliche Zurücksetzung beitrug". Gr sah in dem schon genannten Christian Heinrich Deinen den Verfasser, weil sich in dessen Gedichten eine ähnliche Geschicklichkeit und Leichtigkeit des Ausdruckes zeigten, wie sich auch das Vatieininm aufwies. Auf Grund einer weitausholenden kritischen Untersuchung wollte dann s8H0 I. T. L. Gieselerh den Abt von Huysburg bei Halberstadt, Nikolaus von Zitzwitz, als Autor fesistellen und erkannte richtig, daß sich der Standpunkt des katholischen Verfassers aus den kirchlichen Verhält­nissen der Mark um das Jahr s693 am ehesten erklären ließ. Wieder zu einem anderen Ergebnis kam s850 Gtto Wolfs,°) nach dessen gründlichen, umfassenden und scharfsinnigen Untersuchen Velven nicht der Urheber der Weissagung sein konnte, weil sich bei ihm nicht

9 Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und Künste, Bd. III, Stück 2, August 17-is, S. t12/22.

9 In w. A. Schmidts Allg. Zeitschr. s. Geschichte, Bd. 6, 18-16, S. 176/91: Über das sog. Vutieiiüum Osnin6U86.verfaßt 1821 auf Veranlassung des Staatskanzlers v. Hardenberg. Die Veröffentlichung dieser Arbeit wird im gegenwärtigen Augenblicke, wo eine gewisse Partei (vgl. oben S. 5-1») die vergebliche Weissagung aufs Neue mißbraucht und zur Beunruhigung der Gemüter zu benutzen sucht, keiner Rechtfertigung bedürfen."

9 vgl. Anm. 1, S. 228. hierher gehört auch noch eine anonyme, knappe Zusammenfassung im aufklärenden, tendenziösen Sinne in Deutsche Blätter, Monatliche Zeitschr. für das deutsche Volk, 18-15, S. S0'5.

9 I. L. L. Gieseler, Die Lehninische Weissagung, 18-19. hier sei auch Guhrauers gründliche Kritik und streng objektive Prüfung des Gegenstandes erwähnt, der die Weissagung alsein Produkt des Fanatismus, blinden Pfaffengeistes und des Rachegesühles einer Partei oder eines einzelnen" bezeichnete; nach ihm war der Autor derTypus der Macht der österreichischen Jesuiten", Friedrich Wolfs, 16-12/1708, eine am Hofe Kaiser Leopolds II. ausschlaggebende Per­sönlichkeit, der in seiner Hauptstellung Rektor des Jesuitenkollegiums in Breslau war.

9 Gtto Wolfs, Die berühmte Lehninische Weissagung, 1850.