Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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Fälschung gewesen sind, und mit den Prophezeiungen der heiligen Malachia, Erzbischofs von Irland, über die Päpste, die ja ebenfalls als Fälschungen in die Geschichte ein­geschmuggelt sind;so gehört das Machwerk auch in die Geschichte der römischen Kirche in Deutschland". Eigenartig war die Veranlassung der Schrift von I. Schrammen') aus dem Jahre s887; er beschäftigte sich mit der Weissagung, als man über den Tod Ludwigs II. von Bayern und die Krankheit des damaligen Kronprinzen von Preußen nachErklärungen" suchte. Er entschied sich als Entstehungszeit für die Jahre zwischen l 682 und sSHZ und entschied sich nach der Prüfung von Gieselers und Guhrauers Gründen für Andreas Fromm als Autor, als Zweck der Fälschung erschien ihmein hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft, in der die dem Verfasser so unlieben Fürsten und ihm so unliebe Religion durch die Wiederkehr der entschwundenen Macht der mittelalterlichen Spitzen der Thristenheit, des römischen Kaisers deutscher Nation und des Papstes, verdrängt werden". Dagegen suchte im Jahre darauf, 1888, Ls. pröhleft Entstehungszeit und Entstehungsgrund des Vutieiuiums genau zu fixieren: als Nach­ahmung der Vergilischen Hirtengedichte wurde es > 6H2 nach der Einwanderung der reformierten Schweizerkolonisten in Lehnin gedichtet; daß sich in den Versen mehr An­klänge an Vergil als an andere römische Schriftsteller finden, war schon früher beobachtet worden. Sowie sich die Eklogen des Mantuanischen Sängers anschlossen an die Acker­verteilungen in den Zeiten des Antonius und Gktavianus, so bildeten auch die Land­verteilung an die reformierten Schweizer die unmittelbare Veranlassung zu dieser Nach­ahmung der Antike. Die sich darin dokumentierende hervorragende Bildung sowie der außerdem zutage tretende Hang zum klösterlichen Landleben scheinen nach pröhles Ansicht auf Aitzwitz als Autor hinzudeuten. In verschiedenen Arbeiten hat M. Rüge") die end-) gültige Erkenntnis zum Ausdruck gebracht, daß einen Beweis für die Fälschung durch i Untersuchungen der Sprache zu führen zwecklos ist, und daß sich über den Autor immer nur Vermutungen werden anstellen zu lassen; durch Kombinationen sei das nicht möglich. Nur so viel steht fest: Stimmung und Richtung einer Zeit kommt im Vulieiuium zum Ausdruck, welche versucht habe, Brandenburg-Preußen wieder dem Katholizismus in die Arme zu treiben; durch die angeblichen Worte eines alten Mönches sollte ein kräftiger Stoß gegen Land und Herrscher der Mark geführt werden, weil der Gedanke weit ver­breitet und nicht ganz unbegründet war (vgl, oben), daß es mit Brandenburg und seiner Macht am Ende des s7. Jahrhunderts bergab gehe. Nachdem H. Schneiderft lkchO die schon von Guhrauer s 850 aufgestellte Forderung nach einer philologischen Prüfung der überlieferten (Papier-) Handschriften der Weissagung erfüllt und damit die Angaben

0 Joh. Schrammen, Des seligen Bruders Hermann v. Lehnin Prophezeiung über die Schicksale und das Ende der Hohenzollern, 1887.

2) H. Prahle, Die Lehninische Weissagung, 1888; über den Nachweis des Zusammen­hanges mit Vergil vgl. Anm. 6-1, S. 70/i- Line Schrift von Gskar Hermens, Kloster Lehnin und seine Weissagung, 1888, ist völlig wert- und zwecklos.

3) N. Rüge, Die Lehniner Weissagung über die Geschicke Preußens und Deutschlands, 1888. lll. Rüge, Bemerkungen zu dem Vutieilliuin Ksninenss, Programm des Berliner Gymnasiums zum Grauen Kloster, 188I.

H H. Schneider, Über die Handschriften des Vatieinium I.sninviise, Programm des Berliner Gymnasiums zum Grauen Kloster, isgo. ,

Brandenburgische Landeskunde. Bd. IV. 16