Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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von Sabel?) und Lellost überholt und ergänzt hatte, tauchte I 896 noch einmal ein völlig kritikloser, tendenziöser Versuch auf, die Weissagung alsnoch vor > 250 entstanden" zu erweisen?) Das letzte Wort sprach hier, soviel ich sehe, l8st7 Fr. Kampers?) der nach einer Antik der handschriftlichen Überlieferung und einer erneuten Behandlung des Textes sowie der mannigfachen Meinungen über die Autorenfrage den Hinweis auf die Hirten­gedichte des vergil brachte (die Worte vsteros mißrate ooloni stehen wörtlich in der 9 . Ekloge) und schließlich das berüchtigte Gedicht einstellte in die Grundideen der mittel­alterlichen, apokryphen Prophetien; der apokalyptische Tharakter solcher Weissagungen knüpfte immer an die Ideengänge von der Urhoffnung eines Messias und eines einigen Reiches an, in diesem besonderen lehninischen Falle aber tragen die Verse deutlich die inneren Kennzeichen einer Prägung am Ende des 17. Jahrhunderts.

Mit solchen Feststellungen ist auch für die Zwecke dieser Darstellung der Gegen­stand erschöpft, für die ein Verfolgen seiner Wandlung und Wirkung schon deswegen wichtig war, weil die lehninische Weissagung durch viele Jahrzehnte die einzigepoetische" Leistung der Mark darstellte, die sich einer Bekanntschaft in weiten Kreisen erfreute.

Für die Entwicklung des Dramas in der Mark, von der auch Scherers Wort von den äußeren Schwierigkeiten gilt, die sich für das 16. Jahrhundert seinem Studium ent­gegen stellen, sind einheitliche Linien weder für die Tatsachen noch für deren Erkenntnis festzulegen; von einem lückenlosen Materiale ist keine Rede und nur um etliche Persönlich­keiten ist hier der Stoff zu gruppieren. Ein Symptom tritt allerdings hier allmählich zutage: die bevorzugte Stellung Berlins, dessen politisches Übergewicht über das Land sich nun in geistigen Dingen durchzusetzen beginnt.Es war nicht nur ein befestigter Grt zur Sicherung der Umgegend, nicht nur eine Niederlassung dürftiger Ackerbürger, son­dern ein von genialem Blicke eines spekulativen Staatsmannes gewählter Punkt, be­stimmt im Austausch der Güter des westlichen und südlichen Deutschlands mit dem nörd­lichen und dem slawischen Gsten eine bedeutende Rolle zu spielen."^ Damit waren die Bedingungen eines gewissen Aufschwunges immerhin gegeben, wenn der Stadt auch noch etwas vom Fischerdorf anhaftete, und um die Mitte des (6. Jahrhunderts von einer wirklich höheren Kultur mit künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen nur erst wenig zu spüren war. fZZI hatte ein Buchdrucker das Monopol für Berlin erhalten; Kurfürst Joachim II- zog zwar Maler, Musiker, Dichter und Architekten in das Land, doch die schwankende Persönlichkeit des Herrschers, dem in persönlichen wie staatlichen Angelegen­heiten jede Kraft der Zügelung mangelte, hat nach kurzer Zeit wieder den Niedergang beschleunigt.

In solcher Umgebung machte auf seinem Lebenswege der kaum 20 jährige Ham­burger Goldschmiedssohn Heinrich Knaus?) in Berlin halt, um im Frühjahr 15-1-0 das

9 Vgl. Anm. H, 5. 237.

9 Sello, Das Kloster Lehnin, Z88l.

9 Johannes Pont, Schrammen-Lehnin. Untersuchung, ob Schrammen die Lehmnische Weissagung unwiderleglich als Fälschung nachgewiesen hat, ^8gs.

9 Fr. Kampers, Die Lehninische Weissagung über das Haus hohenzollern, t8I7.

9 Fr. holtze, Geschichte der Stadt Berlin, lyos (Tübinger Studien, Bd. l, Heft 3). ,

9 h. Michel, h. Rnaust, l9»3; dort ausführlich über die Brandenburgische Zeit Knausts.