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Szene beginnt, sobald durch das Abgehen sämtlicher Personen der Wechsel des Schauplatzes angedeutet werden soll oder worden ist. Außerdem aber verwendet er das „Motiv der Bewegung"; es geschieht ein Gang auf der Bühne, den die handelnden Personen ausführen, um die Geschehnisse vorwärts zu bringen, womit Anaust sich noch im Banne der alten Tradition befindet. Auch hat er die primitive Stoffverteilung seiner Vorgänger noch nicht überwinden können; seine Hauptpersonen sind ganz stereotyp behandelt, wogegen wenigstens der Versuch gemacht ist, die Nebenpersonen etwas zu individualisieren; er mischt komische Elemente in die ernste Handlung, ohne daß man da aber, wie man gern gewollt hat, Spuren Berliner Humors entdecken kann; die erwähnte Teufelsszene ist reichlich matt und ohne Ausnutzung der hier vorhandenen grotesken Möglichkeiten in Sinn und Handlung. In einer wesentlich mitteldeutschen Sprache rollte sich das Stück ab, nur einige Namen weisen eine niederdeutsche Färbung auf.
Im Anfang oder gegen Mitte süHZ siedelte Anaust nach Stendal als Rektor des dortigen Gymnasiums über; in dieser politisch wie ökonomisch gleich bedeutsamen Stadt herrschte ein reger Sinn für künstlerische und wissenschaftliche Bestrebungen, und es ist kein Aufall, daß dort die erste Druckerei in der Mark errichtet wurde. Vorher hatte Anaust in Berlin noch einen „Mohammedtraktat" geschrieben, der mit der Tendenz gesättigt war, gegen die Türken einzunehmen, indem er die Schlechtigkeit ihrer Religion und die Verruchtheit des Stifters in hellste Beleuchtung rückt. In Stendal hat Anaust nur Übersetzungen von Schriften Luthers und Melanchthons ins Lateinische bezüglich ins Deutsche veröffentlicht, um dann bald aus der Mark zu verschwinden und in Erfurt eine bleibende Stätte seines Lebens zu finden.
In denselben Jahren wie Anaust wirkte in Berlin als Rektor der Nikolaischule sin den Jahren s538—47) Gregorius Wagner,H der im letzten Jahre seiner Amtsführung als deutscher Dichter mit einer Übersetzung von Reuchlins vielgelesener Soeniea pro- Azmmnsmntu hervortrat, die er zur Hochzeit eines ihm verwandten Ratsherrn zu Frankfurt a. d. G. dort aufführte und unter dem Titel: „Ein hübsche Deutsche Tomedi, die da leret das Vntrew seinen eigen Herren schlecht" ebenda erschien. Die lateinische Vorlage ist in freier Weise, in recht flüssigem, aber trockenem Ausdruck wiedergegeben; die rasche, aus wenigen Worten bestehende Wechselrede freilich vermag er nicht nachzuahmen, vielmehr muß jede Person ein volles Verspaar hintereinander sprechen. Fremdartige Personennamen des Griginals sowie dessen Einteilung in Akte und Szenen behält Wagner bei; statt der Thorlieder wird eine breit ausholende „Lehre" vorgetragen. Noch ist die Verstechnik reichlich unbeholfen; die an sich sorgfältigen Reime entbehren des Aunstmittels der Reimbrechung. Außerdem sind von Gregorius Wagner hundert Verse vom zötlichen Hosenteufel erhalten, die f355 sein Frankfurter Amtskollege Andreas Musculus als Einleitung seiner gleichnamigen Schrift wider die Pluderhosen abdrucken ließ, und die einen beträchtlichen zelotischen Geist atmen, ohne daß sie dichterisch oder künstlerisch von irgendwelcher Bedeutung wären.
AOB., Bd. 40, S. soi/2 — G. tv. geboren um 1S12 zu Rössel i. Pr., isso nach Frankfurt; dort nach seinem Berliner Rektorate Professor; gestorben 1559 als Pastor an der Katharinen- kirche in Vanzig.