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Mt > 9 Jahren schrieb zur selben Zeit, 1ö45, Christoph Stummelft in demselben Frankfurt a. d. G. seine „Lomooäia äs uitu stuäiosorum", „Stuäeutes", die vier Jahre später mit einer Widmung an den Rat dieser Stadt gedruckt wurden. Er wollte damit, wie es in der Dedikation heißt, Eltern und Söhnen heilsame Lehren geben: die Eltern sollten mit dem Gelds nicht knausern, wenn es sich um die Bildung der Rinder handle; die Söhne aber sollten das Geld nicht verschwenden und sich namentlich auf der Universität vor schlechter Gesellschaft hüten.
Einfluß und Nachahmung des plautu- und Terenzh ist in Fabel und Szenenführung deutlich erkennbar; außerdem eine starke Abhängigkeit und Anlehnung an Stoff und Technik des Acolastus von Wilhelm Gnapheus aus dem Jahre 1522, der aus dem Haag stammte. Drei Greise, deren Söhne die „hohen Schulen" besuchen wollen, tauschen ihre gegenseitigen Bedenken aus; philargyrus sträubt sich, seinen fleißigen Sohn philo- mathes, obgleich er der solideste und talentvollste ist, der Rosten und sittlichen Gefahren wegen, ziehen zu lassen. Er läßt sich schließlich durch seine Freunde zur Einwilligung bestimmen, und die drei jungen Leute, philomathes, der liederliche Acolastus und der ausschweifende Acrates reisen, mit den nötigen Warnungen und Ermahnungen versehen, ab. Wir sehen, wie sie dann eine Stube mieten, begleiten andere Studenten nach dem Rolleg auf einem Spaziergangs und hören, wie sie über die Harmonie der Sphären disputieren; wir sind Zeuge, wie die drei Füchse sofort einen alten Burschen Tolar finden, der sich ihrer annimmt und zu einem Professor führt, dem sie den redlichsten Fleiß versprechen. Die guten Vorsätze sind aber bald vergessen, als sie durch Tolax und dessen Freunde von einem großen „vomweroo" hören, und, um so etwas kennen zu lernen, lassen sie sich, statt ins Rolleg zu gehen, zu einem picknick verleiten, das der Vater eines hübschen Mädchens, Deleasthisa, veranstaltet. Acolastus verliebt sich sofort in dieses Mädchen; er will um ihre Gunst werben, und
helfen Bitten nichts, nun, dann
biet' ich Geschenke ihr an. Der Götter Gunst sogar
gewinnen sie, wie nicht auch eines Weib's Gemüt!
Er belauscht die Schöne, wie sie sich selbst ihre Liebe zu ihm gesteht, und wagt darauf sofort den Antrag, den sie mit Entrüstung zurückweist, schließlich aber doch am anderen Tage, als ihre Eltern verreist sind, einem Gelage beiwohnen will, wobei sie dann sogar selbst die Wirtin macht. So sorgsam diese Motivierung ist, so fehlt doch eine ökonomische
ft Lhristoph Stummel (t 525 — 88 ) stammte aus einer ehrbaren, wohlhabenden Kaufmannsfamilie, als Frankfurter Student Schüler des Sabinus, lebte auch längere Zeit in Wittenberg; von tSSS bis an seinen Tod Prediger an der Marienkirche zu Stettin. — vgl. über ihn und die mannigfachen, sein Leben erfüllenden, aber nicht hierher gehörenden theologischen Streitigkeiten den Aufsatz von Rasmus in: Jahresberichte und Mitteilungen des Hist.-Stat. ver. zu Frankfurt a. d. G. t 867 , S. ys/t 03 , sowie die beiden Abhandlungen (mit einem Neudruck der Studentes) von G. voß in den Gsterprogrammen des Aachener Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums >899 und 1902; dort noch weitere Literaturangaben.
2) vgl. darüber h. W. Mangold, Studien zu den ältesten Bühnenverdeutschungen des Terenz, Halle t 9 l? (hermäa, Bd. X); Terenz als moralischer Dichter und als Sprachmuster ist das Ergebnis für das ;s. Jahrhundert.