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In allen akademischen Kreisen Deutschlands war diese Komödie bekannt und beliebt; nach Stummels eigenem Zeugnis ist sie an vielen Grien gespielt worden?) Von den zahlreichen Ausgaben hat die letzte st 662) einen gröberen, zynischeren Schluß, dessen Herkunft nicht sicher ist?) Stummel verfügt über eine ganz hervorragende, selbst für die damalige Zeit beachtenswerte Beherrschung des lateinischen Ausdruckes;^) die deutliche Anlehnung an die genannten antiken Vorbilder vermag im Verein mit einer Hülle moralischer Sentenzen, mythologischer Anspielungen und vieler gelehrter Zitate nicht die beträchtliche Frische zu unterdrücken, welche von der lebendigen Beobachtung und Wiedergabe eines in den Hauptsachen und Einzelzügen sicherlich selbst und oft beobachteten anekdotischen Stoffes ausgeht, der dabei aber zugleich einen nicht unwichtigen kulturellen Ausschnitt aus bestimmten Lebenskreisen dieser Zeit darbietet. Erst nach 30 Jahren hat sich Ehristoph Stummel entschlossen, noch einmal einen Stoff dramatisch zu gestalten und somit eine Zusage aus der Vorrede der „Studentes" (quem uuue soceo iuäuium vicketm iuAveckl, olim eoktmruo korslbuu vläebickich einzulösen: er schrieb im Winter (376/77 eine 6omoeckiu sucra, den ,,l8uuo Immolauclus", und widmete sie dem Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg in Erinnerung an dessen Frankfurter Studienzeit. Diesmal war Stummel bemüht, ein Werk zu schaffen, das „seinem Alter, feiner Stellung und theologischen Richtung angemessen war"; er behandelte die Opferung des Isaac im strengsten Anschluß an die Bibel und vertiefte diesen
Wilhelm de volders (der Walker) gen. Fullonius, der t53S als Rektor in Elbing in der dort im Jahre vorher gegründeten Lateinschule ein ähnliches Werk zur Aufführung gebracht hat, konnte ich nicht nachprüfen; „da Stummels Lehrer wilke Jodocus aus dieser Gegend Lrmlands stammte, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß er seinen Schützling St. auf jenes vielbewunderte Vorbild aufmerksam machte" (G. Voß, a. a. V.). Wilke schrieb für Stummel auch die Empfehlung an einen Breslauer Syndikus. „In breiter Prosa wird darin auseinandergesetzt, die Poesie habe nach Horaz Nutzen und Vergnügen der Leser zum Ziele oder beides zugleich; auch die neuere Zeit habe eine große Anzahl nicht unbedeutender Talente wie aus dem trojanischen Pferde erstehen laßen, die in profaner wie in religiöser Schausxieldichtung tätig seien; zu ihnen geselle sich Ehr. St., ein ihm eng befreundeter junger Mann und lieber Studiengenosse." Dann folgt eine Inhaltsangabe und Erläuterung der kehrhasten Bestimmung des Stückes, schließlich eine kurze Antik. Bei der Jugend des Dichters, eines würdigen Iöglinges der Hochschule, und bei der unruhigen Lage der Zeit seien einzelne Schwächen der Dichtung nachsichtig zu beurteilen; das Talent und die Begabung des Verfassers aber berechtigten zu den schönsten Hoffnungen. — Die Ermahnungen im Stück sind breit und ermüdend; „jene Entwicklungszeit geistiger und sittlicher Neubildungen bedurfte vielleicht bei der großen Masse der Lernenden eindringlicher Gewissensschärfung" (a. a. O.). Als Anhang folgt dem Drama in breiten, wässerigen Wendungen ein Epilog eines anderen Gönners des Dichters, des Frankfurter Professors der Beredsamkeit und der Theologie Lhristoph Lornerus, der noch einmal von der Nützlichkeit des Stückes und seiner pädagogischen Zwecke handelt.
H Über die Einstellung von Stummels Komödie, von der über 20 verschiedene Abdrucke und Ausgaben bekannt sind, in die Studentenstücke vgl. K. Konrad, Die deutsche Studentenschaft in ihrem Verhältnis zur Bühne und Drama t 9 Z 2 , S. 7^/7.
H Erich Schmidt, Komödien v. Studentenleben aus dem ;7 und ;8. Jahrhundert, >88». — Über Stummel S. 7/zo; dort in den dazu gehörigen Anmerkungen ausführlich über die oben erwähnte zweite Fassung, für die G. voß a. a. V. einen aus England nach den Niederlanden eingewanderten Verfasser erfolgreich zu erweisen sucht.
H vgl. dazu noch Stummel, äuäieiuw Dnriüis, abgedruckt in Echtermeyer-Seyffert Anthologie aus neueren lateinischen Dichtern 182-t 2 . Teil S. 8z/ü.