Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
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Samariae" von Heinrich Kunn aus Templin nicht Vorgelegen hat. Die Handschrift befindet sich in der Königlichen Bibliothek zu Dresden (vgl. Schnorrs Verzeichnis der dortigen Handschriften, Bd. 2 , S. 505, Nr. 22 -p und bietet das Drama, das nach einer Notiz auf dem Titelblatte bereits ;s88 entstanden ist, in einer Abschrift aus dem Jahre ^SOH; das Stück selbst behandelt die aus dem 2. Buche der Könige, Kap. 6/7 bekannte Geschichte und weist in der vorliegenden Handschrift etliche Regiestriche auf; nach den allerdings sehr geringen mitgeteilten Proben zu urteilen, kann das Werk kaum Ansprüche aus irgendwelche dichterische Wertung machen.

Das andere Drama dagegen wird in der Königlichen Bibliothek zu Berlin aufbewahrt (Ms. germ. qu. H57); es liegt in einer lateinischen Fassung vor, die folgenden Titel führt: Drama / super / OriKmidus I'opuli Ko/maui / bciL sst / Geusas et Daviuias / OoujuZio. / In- . elvtae rc:i publicae / Osclanensis / AaAniüoo st Tlmplissimo / Kenatui / D. 6. / a / .lob. Rauen das Stück umfaßt sieben Akte nebst einem Epiloge, eine dieser lateinischen Fassung vorgeheftete deutsche Übertragung bricht nach der i. Szene des s. Aktes ab. Das Drama ward Z6H8 in Danzig gespielt; vgl. I. Balte, Das Danziger Theater, lSIS, S. 82 ; der Autor war der erste Bibliothekar der neuen kurfürstlichen Bibliothek zu Berlin (ff ;67Z). Das Stück, dessen ungeschickte Technik in endlosen Monologen ebenso wie in der ganzen Szenenführung deutlich zutage tritt, hat folgende handelnde Personen: Aeneas, Achates, Latinus, Lavinia, Amata (deren Mutter), Ascanius, Jlioneus, Turnus, Lancellarius, Seretarius, Lomites, Lupido, Polemander, Palladius, Juno, Alecto. Als Probe der Sprache, welche die deutsche Übertragung bietet, veröffentliche ich hier zum ersten Male die Schlußszene des Aktes sowie aus dem 2 . Akte ein durch knappen Dialog und formelhafte Wendungen beachtenswertes Gespräch zwischen Lavinia und Turnus.

Akt Szene H (Schluß des Aktes).

Amata: Meine Tochter, wo ein Funcken Deiner Liebe bey Dirr glimmet, wo Dirr meine sreude vnd Leben angenehm ist, so wende Dein Sinn.

Lavinia: Hochgeehrte Fr. Mutter, mein Leben werdet Ihr bevor, ja meine Seele tödten, ehe ich in solches joch mein Hertz vnd Jugendt gebe, hänget ja Erde, waßer, Luft vnd Himmell zur Kegenliebe verknüpfet, ist alle srey vnd liebet sich von natur. wie solt ich den das vergeben, so nicht in meiner gewalt Turnus ist warhastig nicht vorsehen, Turnus ist wieder Gott.

Amata: Meine Tochter, ich bezeuge vnd beschwöre dich eben durch denselben Gott, so deines trotzenß vnd halßstarrigkeit Näher sein wirdt, Du solt mich dieße wordt nimmer hören laßen.

Lavinia: Ach Allerliebste Fr. Mutter, wie qwälet Ihr doch mich, vnd waß habt Ihr für sreude an meinem schmertz vnd Jammer. Des Vätern Befehl, der Götter willen schwebet auf mein Hertz, vnd ob ich den auch der Natur vnd mihr selbst gewalt vnd leid zu Loren Gehorsamb

anthun wollte-den so viell solt Ihr auch von Mihr erhalten können-so ist doch die

Gewalt deßen, der auß dem Himmel sieht viell zu hoch über mich, den kan ich nicht bezwingen.

Amata: So wünsche ich denn deßelben Gottes Zorn vnd höchste Straffe, welchen Du ja Deine Mutter mit diesen Vngehorsamb geschmehet hast. Du solt mihr hinführo zu meinem gesicht nimmer kommen, du mein leid vnd Pein. So sollen dich die höllischen Furien nimmermehr zu einiger Ruhe kommen laßen, kein tag soll dir erscheinen, kein nacht einsallen da du nicht empfindest die Rache ober dirr, biß dich endlich dein letztes vnd, als allererst ein ansang des künftigen ewigen elendes vbereile.

Lavinia: Den Fluch, liebste Fr. Mut., habe ich nicht verschuldet, so wird ihn auch der Himmell gar nicht erhören, den meine Vnschuld steht für ihm, ich wünsche viellmehr, daß dieße Wort mit Lwrer großen Freude vnd gluckseligkeit Luch gerewen mögen. Ich werde Euch ewiglich - lieben, wie groß auch Ewer Zorn anietzo ist, vnd wie schwer mich Ewer haß noch ferner vber- sallen möchte. Meine Seele soll nimmer aufhören, sondern Luch warhastig lieben.

Amata: Ja woll vnd schöne Liebe gegen mich. Darumb wünsch ich auch, daß alle Furien vnd höllische Götter dir den Dank dafür geben sollen.