Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Akt 2, Szene 2 (Bruchstück).

Lavinia: Nein, Klaget doch nicht ober meine härtigkeit, sondern ober Lwere thörichte Passion.

Turnus: So weißett mihr ein mittell, dießer thörichten Passion, wie Ihr sie nennet, abzukommen.

Lavinia: Wer sich mit Tugend wapnet, der vberwindet alle tust vnd begierde.

Turnus: wie kan die tagend vberhand nehmen, da sie die liebe alleweit in Triumph gesühret hatt.

Lavinia: Wer nicht kan, was Lr will soll wollen, was Lr kan.

Turnus: Aber die Liebe ist gleich wie die noth, beiderseits hat kein Gesetz.

Lavinia: Weit davon ist gutt vorm Schuß.

Turnus: Man fliehet vorgebenß für dem was man im hertzen mit sich traget.

Lavinia: Eine newe begierde, wird die Andere leicht stillen.

Turnus: Ja, wen Ich eine andere Seele vnd andre Hertz hette.

Lavinia: Gebet Luch zufrieden, mein Turne, die Zeit, gleich wie alles, also verzehret sie auch die Liebe.

Turnus: Aber die grausame Liebe verzehret zuvor die Seele.

Lavinia: Da sehet Ihr den, daß Ewer Krankheit incurabel vnd gar keine Mittell oder Artzney leidet.

Turnus: Sie hat warlich kein ander mittell vnd Artzney ohn Luch oder den Tod.

Lavinia: Ho wen die verliebten vom Todt oder sterben sagen; ist solches viellmehr ein gebrauch der bübischen Zungen, alß ein gewißer Vorsatz des Gemuthes, derohalben sparet Ewer blut biß zur andern vnd gefehrlicher occasion. Lr wird mihr verzeihen, daß ich meinem abscheidt von Ihm nehmen muß. Ich wünsche Ihm sonst alles gutes vnd möchte wünschen, daß Lr dießes Erlebnisses (?) auch gutt vnd ledig werde, alß Ihr solches vmbsonst kegen mich traget. Ich empfinde nichts deßen in meinem Gemüthe, darauff Ihr einigermaßen zu vertrawen hettet. hiermit Adie.

Turnus: Ldeleß Lavinia, schönstes bildl wie solcher abscheid Lavinia noch ein wordt.

Die Übersetzung weist eine nicht unwesentliche Abweichung von dem lateinischen Texte auf; am Ende des 3. Aktes ist eine größere Szene eingeschoben, die mit dem Gange der eigentlichen Handlung nicht das geringste zu tun hat, die völlig selbständig Vorgänge aus dem Schülerleben schildert und an Frische wie Natürlichkeit des Tones und der Lharakteristik dem Drama von Äneas und Lavinia weit überlegen ist. Sinn und Zweck dieses Einschiebsels wird sich wohl kaum mehr seststellen lassen; es unterscheidet sich von dem deutschen Texte des Stückes schon dadurch, daß es von anderer Hand und mit anderer Tinte durchkorrigiert ist und eine Reihe von dialektischen Färbungen ausweist. Ls lohnt sich, auch diesen Teil des Dramas mit geringfügigen Kürzungen hier abzudrucken (vgl. Job. Bolte, Lin Zwischenspiel Joh. Raues; in Altpr. Monatsschrift, Bd. 28, S. 25/37), weil er ein bisher wenig beachteter Beitrag zu jener Gattung von Stücken ist, welche in Lhr. StummelsStudentes", (vgl. oben) einen charakteristischen Typus gefunden haben.

Senex xlebejus: Ick hebbe nu meynem Söhn von jugendt vp tur schule geholten; vnd hebbe veel vp em gewenget. Nu will he mit gewalt sortt, vn kon em durchut nich länger Hollen, ick wolle em ock will gern thin laten, ewerst ick wet nich ew eh hoch genug gestaudirt ist, det wet ick fast woll, det he sake Heft von de Latheder gepreddiget, ok oft dexutirt vnd perereiret, so Heft he ock to huß grote bucker, da he in lest, ich werre woll endlich dran muten, den ick kent ock noch woll thun, wil mi der lieve Gott noch so temlick in meine Narung gesegnet Heft, vnd Heft mi dißen vergangene Marie himmelsfahrt marck ock woll bi an sechtig gullen gekost da ick em hebbe mutten bucker vorkoxen, kant ich noch woll to woll dun als min Naber, dir sin Söhn ock Heft geschick vp de studien. wil he nu lust na Wittenberg Heft, wil ick vp den marck gähn, vn hören ew nich wagen dahen gan.

lAlius VVittsudsrALM veuiens et peunlem uliguem olksucksus.

Daß komt mier hier lieden spanisch vor.