Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
251
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Socius. Mie so?

Penalisandus: fragstu noch, siehestu nicht, wie ich anietzo aufziehen muß, in solchen geringen v. elenden Habit, welches weder benestelt oder beschnuret, ja da man nicht ein bändchen daran findet, wann einem auch der Nestelt in den Losen zerspringen were. ohne Lutband, ohne Lanonen, Stißeln vnd Sporen; in summa recht Vornehmtorisch, ich werde nimmehrmehr das Jahr bleiben, denn ich einer solchen vomhemtorey nicht gewöhnet, du weist wie ich zu Stettin auf- getretten bin, in meinen weißen Stiffelln, ond vergälten Sporen, vnd zu Zeiten mit einem Plumaschen vnd Degen, ja wie ich auch keinem Academico nicht vmb ein haar breit gewichen, viel! weniger conjuniren laßen, ich Hab mirr das Pennallweßen nimmermehr so eingebildet, alß ich ietz für mich finde, denn alß ich gedacht eben ein studiosus mit zu sein, do soll ich aller ein soux, Pennall vnd Rabschnabell werden; daß will mihr nicht ein.

Socius: Mein Kerl mit dem Habit hette es gute wege vnd Hab ich mich hierinnen geme accomodiret. wenn man nur nicht aufwarten, einschenken, ja woll bißweilen grobe Schelme hörn oder auch woll gar Nasenstüber vndt Dhrfeigen aushalten dürfte. Wiewoll es einem sehr srembd vorkommet, vnd hatt mich anfangs sehr befrembdet vnd deines Sinnes war, ietzo aber bin ichs woll gewöhnet, vnd kann mitt Ihnen zemlich zue rechte kommen, weil! meine zeit fast auß ist; du wirst alles erst es recht erfahren, wen Sie lustig sein, was Pennale sein, vnd wie sich dießelbe acco- modiren mußen, da stehet der Line bey einer Schleiße lVein vnd schenket ein, der Ander vbergibt die gläßer, der Dritte schneid taback, der Vierdte drehet Papiröhrn dazu, der Line steckt die tabacks- pseiffe an, etliche mußen musicern, etliche runda singen, daß einem die ohren gellen, einer muß aufblaßen, der ander muß tantzen, so werden auch die Ehrentitull nicht gespart; wo findt die pennalle? heran fouxe, Rabschnäbels, wartetauf, schenket ein, ist kein schelm da der meine Laute hole. Bruder laß doch den schelmischen Pennall auf allen fall meinen Rauffdegen holen.

penalisandus: Daß leide ich nimmermehr, vnd solle ich auch nicht eine viertellstunde hier sein, den du weist wie ich mich niemalß habe conjuniren laßen, ja hette ich ehemall so sollen aufziehen, ich hette vermeint alle Steine auf den gaffen hetten mich angesehen vnd verlachet, viel! weniger daß ich wie ein Hausknecht dienen soll, mir heben noch woll etliche ankommende in vnßern gvmnasio aufwarten mußen, vnd ietz soll ich aufwarten.

Socius: Aber wo wiltu hinziehen, da du es beßer findest, ich bin des Dinges woll so vbell gewöhnet, weiß du, man muß sich aber accommodiren.

penalisandus. In Holland will ich ziehen, da weiß man nicht von solchen pennalspoßen, vnd darf daselbst eben so bald in besten Habit aufziehen alß einander, wie ichs den auch woll habe, vnd will mich gleich so halten alß Liner; meinem Vater fehlet auch nichts, vnd wird Lr woll auf mihr was sxendiren.

Socius: So bleib hernach nur von deutschen Universtteten, sonst wirstu vbell anlauffen, den ich gnugsahm erfahren, daß dieselben große händell häben, vnd sich treslich durchschlagen mußen, ehe sie passiren mögen, vnd läßt man Sie gernach doch woll gehen, dörse aus keine Zu­sammenkünften erscheinen vnd werden allenthalben agiret. Vnd warvmb soll einer, der nichts außgestanden hat, hernach heißen andere drillen vnd vexiren, vnd der freyheit mit genießen, darvmb wir andere viell haben erleiden mußen. Lin Jahr gehet leichtlich weg, vielleicht procediret man auch woll mit allen so nicht, wenn man such in die Zeit nur recht schicket, werden sie auch der bescheidenheit voll sein, keinen der gestalt zu tractiren. wie ich den erfahren, so soll daß pennal­wesen wider die Lalßstarrigen erst eingefuhret worden sein, damit die, welche in Schule v. gym- nasiis ihre praeceptoren zur agiren sich unterfangen, gebührender maßen wieder abgestraffet werden, denn waß man bißweilen von einem redlichen praecextore nicht hat leiden wollen, muß man oft von dem schlechtem Kerl, auch woll vom pennal selbsten hören, vnd vergehet einem der kützell ziemlich hier. Du wirst die studios woll beßer respectiren lernen alß zu Stettin, da wir bißweilen vor keinem Academico ja woll kaum für Euerm professore selbsten, sonderlich wen er nicht mitt vnß nach vnsern pfeiffn dantzen v. liebkosen wolt, die hüte nicht bagezogen haben.

Penalisandus: Du sollest mich bald bereden, daß ich hier bleibe; es ist war, ein jahr gehet bald weg, vnd Hab ich dan gleichwoll alßdann wieder macht andere Pennale zu gebrauchen.