Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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immerhin ein gewisses Maß eigener schöpferischer Kraft zeigt und im Stil in An­lehnung an Luthers Ausdrucksweise da am wahrsten und ansprechendsten ist, wo des Lebens Not und Gottvertrauen geschildert wird; hier ist sogar der Versuch einer Ab­stufung der Sprache bei den einzelnen Personen nach ihrer Stellung im Leben und in der Handlung zu beobachten.

Zwei Spiele zur Feier des Weihnachtsfestes sind in diesem Zusammenhang zu er­wähnen, weil sie auf märkischem Boden entstanden: das Spandauer Weihnachtsspiel von I 54Y und das Berliner Weihnachtsspiel von s589?) Das erstere stammt von Christoph Lasius (1 50472), der von 154655 in Spandau als Prediger wirkte. Gr scheint das oben besprochene Werk Knausts nicht gekannt zu haben, wenigstens läßt sich eine direkte Einwirkung nicht erweisen. Dem Versbau namentlich hat Lasius viel Sorgfalt zu­gewendet; bei bewegten Szenen, wie z. B. bei dem Kindermorde, wird ein Vers bereits an mehrere Personen verteilt, was in formaler Hinsicht einen bemerkenswerten Fortschritt darstellt; auch hat er den Ausdruck einer gesteigerten Leidenschaft, einen gewissen Rhythmus des Wortes, der etwas vom Wesen der Personen nach außen strahlen läßt, was sichselten in den deutschen Dramen vor den englischen Komödianten findet". An des Lasius Werk unmittelbar angeknüpft hat der mit Sicherheit nicht zu ermittelnde Autor des Berliner Weihnachtsspieles, der zunächst die Hirten der ersten Szene in niederdeutscher Mundart reden läßt. 58 Verse von den 3ß2 Versen des ersten Aktes kommen in 12 Spielen aus

vgl. I Bolte, Märkische Forschungen, Bd. 18, 188-1, S. 109/222 über das Sxandauer Spiel; iäsm im Jahrbuchs des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, Bd. y, 1883,

S. 9-1/104 über das Berliner Spiel. Über das letztere auch noch die Einleitung zu Gottlieb Fried- länders 1839 erschienener Übersetzung, und vorher ein Aufsatz von Fr. wilken im Hist.-Genealogischen Aalender, Berlin, 1820, S. i?9/89, der die Autorschaft Pondos zu geweisen suchte. Ich weise hier außerdem noch 'auf die Berliner Fassung des Puppenspieles vom Doktor Faust hin, die freilich gar keinen berlinischen Einschlag hat (vgl- den Aufsatz von H. Lübke in der Zeit­schrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 31, 1887, S. 105/71 sowie die kurzen darauf beruhenden Mitteilungen E. Friedels in den Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. Berlins, Bd. s, 1888,

S. 50/5.) Unanffindbar blieb für mich eine Komödie aus dem Anfang des ir. Jahrhunderts, deren Titel ich wenigstens zitiere: Komödie, darinnen den gottesvergessenen Doppelsxielern zu ewiger Abscheu und den gewissenhaften Kurzweilern zu denkwürdiger Erinnerung sowohl Würfel als Karten samt deren Farbe» usw. aus der heiligen göttlichen Schrift des Gründlichsten er­klärt mit namhaften Lxempeln aus etlichen ansehnlichen Skribenten bestätigt und daneben der weltlauf in allen drei Ständen im Lehr-, wehr- und Nährstand nach jetzo der Zeit schwebenden Lastern und ihnen entgegengesetzten Tugenden (inmaßen das folgende Alphabeth-Register pünkt­lich berichtet) durch Schimpf und Ernst lustig und lehrhaft mit eingesxrengter und zu Ende gedachter Karten- und Kreide-Auslegung und ein geistlich Lied nach vielen Melodien zu singen richtig begriffen ist.

Auch die beiden folgenden Werke waren mir nicht erreichbar; das an zweiter Stelle ge­nannte ist ja überhaupt bis jetzt nur aus dem Zitate in Gottscheds Nötigem Vorräte (I, 180) bekannt:

Michael Boxhorn, Heliogabalus, ein Teufel neuerer Art, wie selbiger unfern Magdeburg das Herz Zweier Handwerksburschen bestreitet und einen davon jämmerlich umgebracht, der zweite ist ihm aber durch Bekehrung entrissen. Berlin, isi>8 Matth. Reimann, Rektor zur Bernau: (lS2v) Lugenius oder hist. Kom. von einem Jüngling, welcher seinem Vater nach dem Leben gestanden, der Vater aber einen wunderbaren Rat erfunden, wodurch der Sohn plötzlich zur , Buße geschritten.