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Schlesien, Bayern, Österreich und Ungarn vor. Diese Gemeinsamkeiten können nach Z. Volte ich a. G.) nicht durch direkte Benutzung erklärt werden, sondern führen auf eine ältere gemeinschaftliche Quelle zurück, welche man wohl zunächst in der mündlichen Überlieferung zu suchen haben wird; der Dialekt ist eine Zutat des Dichters zu dem ihm von irgendwoher zugekommenen Texte. Das Spie! des Lasius und das des magdeburgischen Pfarrers Ambrosius Pape haben in verschiedener Weise dem Berliner Spiel als Quelle gedient: 275 Verse sind aus Lasius und 20 aus Pape entlehnt. Der Anschluß an Lasius geht im ersten Akte bis in kleine Einzelheiten, wenn auch manche Auslassungen und Erweiterungen zu beobachten sind. Selbständiger wird der Verfasser im zweiten Akte seines Spieles, wo die drei Könige nicht zu Verodes kommen; denn diese Figur fällt fort, da sie vor einem fürstlichen Publikum, vor dem ja das Stück in einer Liebhaberaufführung auch tatsächlich gespielt wurde, nicht auf die Bühne zu bringen war. Die Entwicklung dieser Gestalt hatte sich ja in der Weise vollzogen, daß sie im Laufe der Zeit zu einem höchst bedenklichen Vertreter des monarchischen Prinzipes geworden und mit allen Widerwärtigkeiten ausgestattet war. Die so bei diesem Spiele zu beobachtende Mosaikarbeit hat öfters eine schiefe Gedankenfolge bewirkt; außerdem hat der Teufel dem unschuldigeren Kuckuck weichen müssen, ein in nsnrn äetpknnornin, das auch mit dem Zwecke des Stückes in Zusammenhang steht. Dieser Tharakter des Gelegenheitsstückes erklärt wohl auch manche Ungeschicklichkeiten — über das Plagiat dachte man damals sowieso nicht so schwerwiegend — der wenig sorgfältig behandelten Versform. Die Einmischung der Mundart ist ein öfter zu beobachtendes belebendes Mittel, und das häufige Vorkommen des protestantischen Kirchenliedes teilte das Berliner Spiel mit den meisten anderen Produkten dieser Gattung. Stark lyrische Bilder und Betrachtungen werden hier geboten, ohne daß es im wesentlichen gelungen wäre, dieselben in dramatischen Fluß zu bringen; irgendeinen besonderen Typus weist weder das Spandauer noch das Berliner Weihnachtsspiel auf und gehören nur durch den Grt ihrer Entstehung in diese großen Zusammenhänge.
Nur kurz erwähne ich den aus Bernau gebürtigen Georg Rollenhagenh s l 542 bis süOst), dessen Hauptwirksamkeit als Prediger, Schulmann und Dichter sich in Magdeburg abgespielt hat. Der Eifer des Pädagogen ließ ihn zum dramatischen Dichter werden, wobei er wenig umfangreiche Stücke anderer Verfasser so umarbeitete, daß vollständig neue Werke daraus wurden. Die Entfaltung prunkvoll-reicher Szenen ist ihm der Hauptzweck im Abraham, im Tobias, im Reichen Mann und armen Lazarus; in der Motivierung der Tharaktere und Ereignisse schließt er sich eng an die biblischen Berichte an. Rollenhagens „Froschmeusler" enthält im Gegensätze zur antik-griechischen
9 Vgl. über G. R. den Aufsatz W. Seelmanns in ADB., Bd. 29, 2 . S7/95; gut charakterisiert wird er durch einen kurzen Vers, der unter seinem Bilde in einem seiner Druckwerke steht:
Mas vor ein lustig Geist in diesem Mann gewesen,
Aannstu wohl Zweifels frey von seiner Stirne lesen.
Im fall du aber deß wilt mehr versichert seyn,
So gucke nur beherzt in seine Schriften ein,
Doch darfstu nicht an ihm die Schertz Begier bestreiten,
Dieweil sie Tugend, Kunst und Redlichkeit begleiten.
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