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Kontrahierung das wichtigste Kunstprinzip seines Stiles; darauf ist sein schon genannter Trewer Eckart aufgebaut, auf dem Gegensätze der Herrlichkeit des Himmels und des Grausens der Hölle; in lauter Wahrheit läßt es sich bis in die Gegenüberstellungen seiner Personen und Tharaktere verfolgen, und im Kxseulum numäl handelt es sich um die gegensätzliche Darstellung der Vertreter der protestantischen und der katholischen Religion. Aus seiner Weltanschauung aber ergab sich für Ringwaldt ein zweites Moment seines Schaffens: das Streben nach möglichster Volkstümlichkeit, die sich in der äußeren Form traditioneller kurzer Reimpaare, in der Verwendung sprichwörtlicher Wendungen und in dem Bemühen nach möglichster Verdeutlichung der szenischen Vorgänge dartut; dazu gehört wohl auch die Tatsache, daß sein Kpoeulum miincki mit zu den frühesten Zeugnissen für die Verwendung des Dialektes im Drama gehört; seine konsequente Durchführung der Mundart, die noch dazu als vereinzeltes Beispiel im 16. Jahrhundert ein Zunker spricht, ist in einer Zeit bemerkenswert, wo so manche andere, auch in märkischer Dichtung, sich mit einer flüchtigen Andeutung des Heimatdialektes begnügten. So bildet Ringwaldt eine in sich abgeschlossene Persönlichkeit mit ganz bestimmt ausgeprägten seelischen wie geistigen Richtungen, der unter den Dramendichtern Brandenburgs einen nicht unwesentlichen Platz einnimmt.
Vom Leben Bartholomäus Arügersh ist nur bekannt, daß er in Sperenberg bei Zossen geboren ward und um s 580 Stadtschreiber, eine Zeitlang auch Vrganist zu Trebbin in der Mark war; s 57 st und 15-87 sind seine drei erhaltenen Werke — zwei Dramen und ein Schwankbuch — gedruckt worden. Aus ihnen läßt sich erkennen und schließen, daß er in wenig günstigen äußeren Verhältnissen lebte, vielleicht auch manch hartes häusliches Schicksal erlitt, daß er strenger Lutheraner war und keine eigentlich gelehrte Bildung sein eigen nannte. Ein Versuch, in eine bessere Stellung zu kommen und damit vielleicht manche Daseinsenge zu überwinden, mißlang wohl : Krüger widmete seine beiden Dramen dem Rate der Städte Schneeberg und Zoachimsthal im Erzgebirge, ohne daß sich auch nur die Spur einer Wirkung solch beliebten Mittels erkennen läßt. Damit verschwindet Krüger wieder im Dunkel der Masse: selbst dem glücklichen Spürsinne Johannes Voltes ist es nicht gelungen, außer einigen allgemeinen Zeugnissen für die Mißlichkeit der Trebbiner städtischen Posten und Zustände, den Schleier über diesem Leben zu lüften, was um so bedauerlicher bleibt, als Krüger nach Mitteln und Gegenständen seiner Kunst unzweifelhaft den Gipfel dramatischen Schaffens in der Mark in dem reichlichen Jahrhundert zwischen der Reformation und dem großen Kriege darstellt.
Krügers realistisches Stück, das Spiel von den bäuerischen Richtern und dem Landsknecht, schildert Vorgänge und Zustände aus der Zeit des Dichters; er entnahm den Stoff einer Anekdote des Bayern Georg Lauterbeck — nicht, wie er auf dem Titel angibt, Sleidanus' — neu aufgelegtem Regentenbuche, und hat es trefflich verstanden, die einzelnen Motive der kurzen Erzählung in Handlung umzusetzen. Bäuerische Richter verdammen einen Landsknecht zum Tode, weil er im Besitze einer beträchtlichen Geldsumme ist; alle Bitten und Beschwörungen können die harten Richter nicht erweichen, da ruft in
*) vgl. die Ausgaben der Werke Krügers von Tittmann l 8 S 8 , Raehse >882, Bolte < 88 H. — Dazu die ausführliche Würdigung Krügers durch Dtto pniower in Brandenburgia, Bd. s, z 897/9, S. 290/207.