Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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verdienen könnten". Als Symbol erscheint in diesem Augenblicke der Mordteufel und gibt den Ausschlag; gleich nach der Tat wird er zur Stimme -es Gewissens und zum Vertreter der Rache: er ist Zuschauer des Schmauses und bewirkt, daß einer der un­gerechten Richter beim Diebstahl ertappt wird; er und Satan holen den Mönch dann mit in die Hölle. Das Kunstmittel der Steigerung, das Erregen der Spannung durch eine stufenmäßige Anwendung desselben Motives" verwendet Krüger in geschickter, wohl- berechneter Weise. Seine Tharakterisierungsfähigkeit und -Möglichkeit ist nicht gering, da er es verstand, aus lebendiger Anschauung heraus ein gestaltetes Bild der Wirklich­keit zu geben und in der kurzen dritten Szene des ersten Aktes den Inhaber des Dorf­kruges und seine Frau scharf und knapp als Individuen zu zeichnen. Ihr materiell und geistig beschränktes, und gedrücktes Wesen, die Furcht vor der Obrigkeit, die Bauern­schlauheit, mit der sie sich schließlich über das dem unschuldigen Landsknechte wider­fahrene Unrecht trösten, indem sie schmunzelnd gestehen, daß das ihm abgenommene Geld zum Teil ja bei ihnen wiederverschlemmt" werden würde: das alles sind porträt- ähnliche Züge und Ansätze zur Schilderung komplizierterer Seelenregungen. Auch ist die Mehrzahl seiner Gestalten durchaus nicht nur auf einen Zug gestellt, er kann die Wesenheit dieser handelnden Menschen differenzieren und vermag als Dramatiker von Geburts und Blutes wegen durch Charaktereigenschaften äußere Vorgänge in Be­wegung umzusetzen; er hat Verständnis für das Kunstmittel des Kontrastes und baut auf dem an sich billigen Effekte der Namensnennung eine komische Wirkung auf die Bauern heißen nämlich: Taubennest, Kacheloffen, Fressebier, Spülebake, Sauerkohl, Haberstroh. Daneben ist Krüger für seine Zeit ein Meister des grausigen Humores, der seinen Gipfel erreicht in der kurzen, in ihrer Art grandiosen Szene von michelangelesker Wucht der Anschauung und Durchführung, als nach der Hinrichtung Fressebiers Mord­teufel und Satan ihn vom Galgen schleppen und der eine dem anderen die Leiche zuwirft. Da schwelgt Krüger in grotesken, fast übermenschlichen Zügen; neben der Größe solcher Konzeptionen stehen liebevoll ausgeführte, kleine, vertrauliche Züge um etliche Bei­spiele herauszugreifen:

Wann ich zuuor aus trinck das Glaß,

Darnach so sing ich desto baß.

oder:

Auch seht doch, ist das Gold so fein,

Wie gibt es so ein Hellen schein.

Der Totenschmaus bei dem Schulzen hebt also an:

Nv kommet all mit mir hinein,

Ihr sollet meine Feste sein .. .

Darzu ich mich nicht nötign laß,

Ich bin alzeit gern Key dem fraß.

Hierher gehört auch die Schilderung des sich an dieses Essen anschließenden Spieles:

so jhr mich ja mit haben wolt,

Ihr eins vnd dreißig spielen solt.

Rein anders weiß ich sonsten nit.