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Letztlich zu recht vnd spielet mit.
Laß sehn wers doch am besten weiß.
Ich wil anwenden allen vleiß,
Das ich die erste Schantz bekomb,
Mich dünkt ich weiß ein wenig drumb.
Ja, Krüger vergißt hier nicht einmal die technischen Einzelheiten des Spieles und die dabei — auch noch heute in solcher Horm und Weise! — üblichen Gespräche anzuführen:
Ich nem es (das Geld) selber lieber an,
Als das ichs sol eim andern lan.
Nun hebet ab, wer gibt die Kart? . . .
Ich darsf es nicht, das meist wir wardt . . .
Ich Hab das weniggt, ich bin Anecht.
Solch im besten Sinne realistisches Detail spricht für das künstlerische Empfindlings- und Gestaltungsvermögen Krügers; dahin gehören z. B. der Totenschmaus beim Schulzen und das sich daran anschließende Kartenspiel, bei dem er „technische Einzelheiten" ansührt und die dabei typische — auch heute noch übliche — Unterhaltung nicht vergißt.
Bei aller trefflichen Genremalerei aber ist es Krüger gelungen, den Einzelfall der überlieferten Historie in Beziehungen zu'setzen mit den allgemeinen Zuständen und treibenden Kräften dieser seiner Zeit: die gedrückte Lage des kleinen Bürger- und Bauerntums wird deutlich, das unter dem Treiben der Landsknechte seufzt und bei der Obrigkeit vergebens einen Schutz sucht, sie aber doch eingeschüchtert fürchtet und ihre Tyrannei zu erdulden hat . . . die Psyche einer Periode, die noch unbewußt und unsichtbar, aber unaufhaltsam einer großen und allgemeinen Katastrophe entgegentrieb — dem Dreißigjährigen Kriege —, ist der latente Grundton, auf den die ernsten und heiteren Vorgänge dieses Stückes gestimmt sind.
Hatte Krüger hier nach Technik und Vorwurf selbständig erfinden müssen, so fand er eine feste Tradition vor für sein geistliches Drama, für „Eine schöne und lustige nerve Action Von dem Anfang vnd Ende der N)elt", dem das Wort aus dem 25 . Kapitel des Matthäusevangelium als Wlotto vorangesetzt ist: Darum wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird, und das Karl Gödecke für eines der großartigsten Mysterien des (6. Jahrhunderts erklärt hat, „mit wahrhaft bewunderungswürdigen Szenen und in genialer Auffassung des vergänglichen Menschengeschlechtes der ewigen Weltordnung gegenüber". Das Stück umfaßt die ganze Historie Ehristi und spielt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; es bietet „ein Bild von der Entwicklung der Menschheit, vom Standpunkte des christlichen Religionsgedankens aus". Krüger war sich des für seine Zeit in technischer und stofflicher Hinsicht gleich großen Wagnisses bewußt, ein Wunderwerk darzustellen, „welches die ganze Welt nicht alle zu begreifen, noch Menschenzunge auszusprechen vermöge", und daß es eine schwere Aufgabe sei, das, was bisher in „sonderlichen Actionen" gemacht worden sei, im Zusammenhänge darzustellen. Ein einheitlicher plan und Gedanke ergab sich ihm aus der dualistischen Weise, wie er die christliche Heilsökonomie ansah als eine Maßregel Gottes zur Abwehr des Strebens der gefallenen Engel, die durch die Herrschaft über das neu er-