Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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schaffene Menschengeschlecht ans der Erde wiedergewinnendwollten, was sie im Himmel verloren, als einen Kampf, in dem sich teuflische Kräfte mit himmlischen zu messen

wagen.

Dieses Stück, in dem Krüger oft zu dem Aushilfsmittel der Erzählung greifen muß und dessen eigentliche Handlung naturgemäß nur sprungweise vorwärts rücken kann,wandelt wirklich mit betdächt'ger Schnelle Vom Himmel durch die Welt zur Hölle"; die literarhistorische Bedeutung des Schauspieles liegt in dem wirklichen Kunst­gefühl des Dichters und in der Kraft, mit der von ihm der schwierige Stoff bewältigt worden ist. Zu Gott und Ehristus auf ihren himmelsthronen tritt in stolzer Vermessen­heit Lucifer:er wil sich setzen oben an, laß sehn, was Got draus machen kan!"; aber nach vergeblichem Kampfe stürzen die treugebliebenen Engel den Überwundenen samt seiner Schar auf Gottes Geheiß in den Abgrund, wo dann im Rate der Verdammten der plan entworfen wird, wie das neue Reich des Bösen durch heranziehen der Menschen zu erweitern und zu befestigen sei: Satan und der Tod werden zu den ersten Eltern ge­sandt, und das Werk gelingt.' Für die so und nunmehr gefallenen Menschen bittet Ehristus um Gnade, und die Erlösung wird beschlossen; Ehristus übernimmt das Süh­nungsamt. Die Kunde davon dringt bis in die Hölle, aber ein wilder Hexensabbat über­tönt dort die Angst der Verdammten. Der zweite Akt spielt auf der Erde; Engel ver­künden den Hirten auf dem Felde die Geburt'des Herrn, und die Könige aus dem Morgenlande kommen zu herodes in den Gefilden der Tiefe findet die frohe Bot­schaft natürlich keinen Glauben zunächst, die Knechte des herodes eilen zum Kinder­morde nach Bethlehem (als selbstverständlich wird vorausgesetzt, daß das Ehristkind leben bleibt); die Taufe des Heilands und die Berufung der Jünger füllen den Rest des Aktes. Im Anfang der dritten Handlung ist das Werk der Erlösung bereits vollbracht; Ehristi Sterben erfüllt die Geister der Hölle mit Jubel und Freude, doch der Auferstandene naht und sprengt die Pforten mit der Siegesfahne ... die erlösten Menschen steigen in Gnade und Seligkeit mit ihm zu des Paradieses Türen hinauf. Noch einmal kehrt Ehristus auf die Erde zurück und bestellt Petrum zu seinem Nachfolger, dann fährt er gen Himmel, um nun als Sieger zu sitzen zur Rechten des Vaters ... die Ehöre der himmlischen Heerscharen empfangen ihn. Zn einer dieser Szenen findet Krüger Worte von großer Plastik und Kraft, es ist aus echter dichterischer Anschauung und Gestaltung geboren, wenn er Ehristus bei seinem Erscheinen am Eingänge der Hölle also sprechen läßt:

Tu auf die pfort, du fürst der Hellen I nun wil ich dir und dein gesellen hinnemen alle macht und gwalt. du, tot, gib her dein stachel bald, nun wil ich deiner auch nicht schonen, dir, wie du mir tetst, wider Ionen, mit süßen wil ich dich hie treten, all gleubign von dein gwalt erretten, du solt forthin nun sein ein schein des tots bei all den christen mein; welch an mich gleuben, das ich sei Gotts son, die seind von dir ganz frei.

ir engel, tut nach meim geheiß, bindet die schein, mit allem sleiß mit einer ketten stark und groß, damit sie nicht bald kommen los. ir auserwelten, tragt kein scheuch, komt her, ich Hab erlöset euch mit meiner Marter, angst und not, an euch kein teil mer hat der tot.

folgt alle nach, ich wil euch füren zur himmelpsort, de rechten türen.