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und Leben zu füllen vermögen, daß wir so gar keine Anhaltspunkte haben, warum gerade er zu solch tiefer Erfassung dieses Zeitproblemes und zu solcher beträchtlicher Beherrschung des rein Theatermäßigen gekommen ist.
Krügers drittes Werk, „Hans TIawertts werckliche Historien", stehen wieder ganz auf dem irdischen Boden seiner engsten Heimat?) Diese Sammlung der Schelmenstreiche eines Landsmannes des Autors ist ein Volksbuch von unbestrittenem deutschen Ursprünge; Krüger knüpfte an eine historische Persönlichkeit an, die er leben und sterben sah und deren Schelmenstreiche er in 35 Erzählungen berichtet: ein Typus also, wie es Eulenspiegel und auch Faust ursprünglich waren, nur daß diese eben über das Niveau schwankartiger Anekdotenfiguren von vornherein hinausragen. Artiger hat von Elauert nur Tatsächliches berichtet, was dieser auf den Wanderungen und Wandlungen seines Lebens als Schlosser, Kriegsknecht, Viehhändler, Ackerbürger erlebt hat. Elauert ist der ideale Vertreter des bürgerlichen Mutterwitzes, seine Streiche haben in ihrer humorvollen Art der Durchführung und des Ausdruckes, in der Schlagfertigkeit ihres Urhebers etwas harmloses. Und das alles erzählt Krüger schlicht und anschaulich in klarer, natürlicher, frischer Sprache von Anmut, Gewandtheit und Einfachheit, und bedient sich dabei einer vortrefflichen Prosa; den einzelnen Geschichten ist nach der Sitte der Zeit eine gereimte Moral angehängt, die freilich für unser Gefühl und unseren Geschmack die Wirkung seines Humors nur beeinträchtigt. Elauert ist durchaus kein Narr von gewöhnlichem Schlage; die Menge des Volkes wie andererseits der brandenburgische Kurfürst Joachim II. sah ihn gern; er will auch durch seine Streiche niemandem weh tun oder schaden . . . hinter all dem Neckischen, was er tut, steckt — oft verborgen und nicht sofort erkennbar — ein leises erzieherisches Usoment, wodurch auch Krügers Sammlung ein anderes Gesicht bekommt, als es ein gewöhnliches Schwankbuch aufzuweisen hat.
So scheinen in Bartholomäus Krüger zwei grundverschiedene Anschauungen und Absichten vereinigt gewesen zu sein; einerseits stand er fest auf dem Boden der Wirklichkeit in den Dingen der Welt um sich her, andererseits suchte er sich durch die Kraft seiner Dichtergabe darüber zu erheben; er rang mit den religiösen Problemen seiner Zeit und Gegenwart mit dem heißen Wunsche, sie um seiner selbst und um der Gesamtheit willen zu lösen und war gleichzeitig imstande, „die komischen Elemente der Volksgestalten" um sich her zu prägen und zu formen. Er wird als geistig bedeutende Persönlichkeit unter der Enge und Beschränktheit seiner amtlichen, menschlichen und häuslichen Umgebung gelitten haben, gewiß war ihm der Abstand seiner Kunst und Stellung eine Last und ein Schmerz; durch die Dreiheit seiner Werke, von denen jedes einem anderen Typus an-
i) vgl. die Schilderung seiner Person:
Lr war kein Narr, wie er sich macht,
All Dinge er bei sich wohl bedacht LH dann er's hätte sürgenomen,
Deß möcht zum guten Ende kommen .,.
Dazu stimmt sein Porträt: die derben Züge des märkischen Bauern verraten Entschlossenheit, in seinem Blicke und in den Linien der niedrigen Stirn drückt sich psifsige Verschlagenheit aus; das Bild in den Mitt. d. Berl. Geschichtsvereines ;888, S. 62 , in einem Aussatze von I. Balte, P. <Ll. und Job. Schönbrunn: Lin Beitrag zur Gesch. d. Berl. Witzes; außerdem noch in G. Schwebe!: Aus Alt-Berlin, ;8g;, S. so;.