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gehört, ragt er, der fast Unbekannte und Unerkannte, unter den Dichtern der Mark in diesen Jahrzehnten hoch empor; daß aus diesen seinen Werken hervorgeht, wie er ähnliche Schöpfungen seiner Zeit gekannt, in sich ausgenommen, weiter gebildet und gefördert hat, läßt eben einen Rückschluß auf seine eigene Person nicht zu.
Das alte Wort Iki-isig. non curckut, das dem Friesenstamme in seiner meer- umbrausten Heimat die Lust am Liede abspricht, gilt, in dem Sinne verstanden, daß das Land kein Nährboden ist für das Singen und Sagen phantasiebegabter Dichter, in gewissem Sinne sicherlich von der Mark, wenn auch die alle deutschen Stämme, ihre. Fähigkeiten und Anlagen in sich vermischende und aufnehmende Reichshauptstadt — allerdings vorzugsweise im letzten Jahrhundert — manchen bedeutenden Dichter kürzere oder längere Zeit in ihren Mauern gesehen hat. Für den hier behandelten Zeitraum aber gibt es eine Ausnahme von der Regel: Brandenburg steht nicht zurück hinter den übrigen Gauen Deutschlands, sobald es sich um die märkischen Dichter evangelischer Kirchenlieder handelt.
Warmherzige Frömmigkeit ist hier von Anfang an die eigentliche Quelle des Schaffens gewesen; bedeutende dichterische oder künstlerische Anlagen sind freilich nicht oder nur selten zu finden. So steht es z. B. mit Michael Schirmer (f606-—73)/) der als Konrektor am Grauen Kloster zu Berlin mit 3 s Jahren zum kaiserlichen Poeten gekrönt wurde und noch heute im schönsten aller evangelischen pfingstlieder: „G heiliger Geist, kehr bei uns ein" lebendig ist. Anklänge und Entlehnungen an und aus dem schlesischen Dichter Johann Heermann sind bei ihm zu beobachten; nahe Beziehungen zu den gleichzeitigen Berliner und märkischen geistlichen Dichtern,h mit denen ihn das gleiche Amt oder die Gemeinsamkeit der. Interessen zusammenbrachten, lassen ihn unter diesen doch an einer bevorzugten Stelle stehen. In seinen Liedern lebt eine für die damalige Zeit doppelt wohltuende kirchliche Objektivität; Wahrheit und Tiefe der Empfindung wird in reiner, fließender Sprache zum Ausdruck und zur Darstellung gebracht: er singt aus dem Gefühlsleben der Gemeinde heraus für dieselbe; ihm war das Dichten kein Machwerk irgendwelcher Gelehrsamkeit, sondern ein innerliches Bedürfnis und lebendiger
9 S- F. Bachmann, m. Schirmer; Berlin (859.. — Im allgemeinen gehören hierher noch folgende Veröffentlichungen: I. F. Bachmann, Gesch. d. Berl. Gesangbücher, ;85S; A. Uöpp, Die Strophenform im ev. Gesangbuche der prov. Brandenburg (behandelt mehr das Technisch-Formelle der Lieder), Jahrb. f. Brandenburg. Kirchengesch., Jahrg. q, 1907, S. ;/7H.
2) Ich nenne der Vollständigkeit wegen hier nur folgende Namen (siehe Anm. S. 27 t) Berliner geistlicher Liederdichter:
Nie. Llerdus, t5SS/;s57, itt Wusterhausen-Ruppin geb., Prediger an St. Marien, Berlin; Georg. Lilius, t597/tS6s, in Dresden geb., Diakon St. Nikolai, Berlin;
- Joh. Lrüger, lS98/;6S2;
Lhrist. Runge, l6;9/8l;
Burchard Miesenmeyer, ungewandter Bearbeiter älterer Kirchenlieder;
Joh. Bercow aus Brandenburg, tsoo/s;, Lehrer und Prediger, Berlin;
Gotthilf Greuer aus Beskow, ;sZ2/l7n wirkte in Frankfurt a. V.;
Petrus vher aus Berlin, (t6(4?)/l70t, wirkte in Stralsund-
Joachim Pauli aus Milsnack, um bis nach ;.668, Prediger bei-Berlin. " :