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Persönlichkeit alles; durch sie vor allem steht er als Künstler im Kirchenliede — von weltlicher Lyrik gar nicht zu reden — seiner Zeit ohne Zweifel an der Spitze. Lein Werk ruht auf dem religiösen Denken und Empfinden seines protestantischen Jahrhunderts und auf den Ausdrucksmitteln, die seine Zeit schuf, die er, ohne es zu wissen und zu wollen, in ihren Kräften und Kutteln verkörperte.
Neben Gerhardt stehen etliche Geistliche und Lehrer, die sich als Liederdichter bewährt. Dahin gehört z. B. Martin Heinsius^) (I 6> I—67), der Lohn eines angesehenen Bürgers zu Spandau; seine Familie wurzelte in der Neustadt Brandenburg, der anschein- lich erst sein Vater den Rücken gekehrt hatte, Großvater und Urahn waren Bäcker gewesen. Wie es scheint, hat er zu Wittenberg studiert; vom Herbst s6-s0 an war er in Frankfurt a. d. G. „mit gutem Nutz und Affektion der studierenden Jugend" Professor der Philosophie. Dann folgten etliche Jahre segensreicher Tätigkeit als Stiftspfarrer in Brandenburg, wo er tiefe Spuren seiner Wirksamkeit hinterließ und einen rühmenswerten Eifer bei der Lösung der Aufgabe entwickelte, in den letzten Jahren des Großen Krieges, nach Zähren tiefer materieller und sittlicher Verwahrlosung „das Verfallene wieder aufzubauen, das Verlorene wiederzufinden, das Zerstreute zu sammeln". Im Geiste dieser Zeit hat er dann von s6-s6 bis an seinen Tod in Frankfurt von neuem gewirkt; im Geiste dieser Zeit schrieb er für diese Zeit eine Reihe von theologischen Schriften und erwarb sich nicht unbedeutende Verdienste um die Frankfurter Geschichtsschreibung und hatte vorher schon als Erster in der Mark Konfirmandenregister angelegt. Der nach kaum einjähriger Ehe erfolgte Tod seiner Frau war Veranlassung zu dem bei Gebauer (a. a. G.; siehe unten) mitgeteilten, achtzehnstrophigen Liedes, durch das der Geist „wunderbarer Innigkeit und tiefer Frömmigkeit weht trotz etlicher rein persönlicher Elemente und sprachlicher Härten":
Ach nimm mich auf mit allen Gnaden Wie meiner Liebsten auch geschach.
Getrew ist, der Mich hat geladen,
Der wird woll fodern meine sach, vnd mich zu seinem lob und preiß Verhelfen in das paradeiß.
Von Joh. Heinzelmann (gest. I687H) sind etliche geistliche Lieder nur handschriftlich überliefert, der in den Jahren seiner Wirksamkeit an der Berliner Nikolaikirche im engen Verkehr mit p. Gerhardt stand und gerade in dieser Zeit seine Poesien schuf. Der Einfluß Martin Vpitz' ist in diesen deutlich spürbar; seine Umformungen der Psalmen kennzeichnen Heinzelmann als Reimer; triviale Prosa steht hier nur allzu oft neben nüchternem Flickwerk, so daß auch die geistliche Liederdichtung märkisch-brandenburgischen Charakters sich dem großen Entwicklungsgänge deutscher Dichtkunst und Dichtung einfügt.
st I. ks. Gebauer, M. in Jahrb. für Brandenburgische Airchengeschichte, Jahrg. 6, td08, S. ZZ/wZ.
st G. Kawerau, Der Berliner Rirchenliederdichter I. ks. in Sahrb. für Brandenburgische Kirchengeschichte, ISN, 5. t/lZ; dort weitere Angaben über die brandenburgischen Kirchen- liedervichter.