Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
274
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Gerechtigkeit des Daseinskampfes eine Auslese aus der Nation, die auch in den hier in Frage kommenden künstlerischen Dingen zu Recht besteht.

An Preußens erste Königin, an Sophie Lharlotte, die Gemahlin Friedrichs I., die die Residenzstadt zu einem Mittelpunkte geistigen wie geselligen Lebens machte, deren geistige Bedeutung und Ligenart zu schildern leider nicht in den Rahmen dieser Darstellung gehört/) richtete Ioh. v. Besser (vgl. unten) ein oft angeführtes Gedicht, in welchem folgende, die literarische Lage der Zeit gut charakterisierende Verse Vorkommen:

Noch hat die deutsche Poesie »

vor dir, durchlauchtigste Sophie Sich nimmer dürfen sehen lassen;

Noch hat ihr Lied sich nicht gewagt.

Was man in allen Sprachen sagt, vor dir in einen Reim zu fassen.

Dies würd' auch heute noch geschehn,

Allein, nachdem sie wohl gesehn,

Daß das, was ihr scheint zu gebrechen.

Auch andern Sprachen noch gebricht,

So denkt sie: warum soll ich nicht Auch einmal unvollkommen sprechen?

Dies unterfängt sie sich nun heut.

Du fragst: Hat sie mehr Lieblichkeit,

Als sie bisher gehabt, zu singen?

Neinl sie kennt ihren rauhen Ton,

Und weiß, daß unser Helikon Nicht kann vor deinen Vhren klingen.

Allein, was sie verwegen macht,

Ist, daß sie aller Sprachen Pracht Für dich doch mangelhaft gefunden.

Sie sieht, daß keiner möglich ist,

Ls auszusprechen, wie du bist,

Drum hat sie sich's auch unterwunden.

SolcheRauheit deutscher Poesie" galt für Berlin nicht allein; aber hier hatte nicht einmal die Person des Großen Kurfürsten und die Bedeutung seiner Taten eine ihrer würdige dichterische Schilderung und Verherrlichung gefunden. Das dürftige Mittelmaß bedarf hier nur weniger Beispiele; der Typus hierfür ist Nikolaus Peucker, der seit l64l in Berlin lebte und als Aammergerichtsadvokat und Stadtrichter zu Tölln an der Spree l674s starb; seineWohlklingende, lustige paucke"^) ist eine bunte Sammlung seiner Ge­legenheitsgedichte, die Bürgerlichen und Adligen Lob und Schmeicheleien nach dem Ent­gelte austeilen, welches der Verfasser erwartete oder erhielt. Line leidliche Beobachtungs­gabe war ihm wohl eigen, doch mangelte ihm die gedankliche wie sprachliche Fähigkeit,

H Für das Folgende hat mir L. Geigers zweibändiges Werk: Berlin 1S8818-w; Ge­schichte des geistigen Lebens der preußischen Hauptstadt, I8y2/g5, manch wertvollen Fingerzeig gegeben.

H Der Neudruck des Werkes durch G. Lllinger in: Berliner Neudrucke, Serie, 5. Band, 1888 gibt in einer guten Auswahl das Tharakteristische von diesen Gedichten.