Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
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die Widmungsstrophe lautet (mit etlichen Auslassungen):

Preißwürdigster Monarch, DU Preußischer August,

Vermehrer Deiner Macht, die sich in Dich nur kennet,

Bepalmter Friderich, den man der Erden Lust, wie den Vespasian der Menschen Wonne nennet. . .

Ls ist zwar ohne Schmuck von rauher Hand gemacht Und ein zu schlechtes Werk sür einem Potentaten,

Doch das, soviel ich weiß, kein Märker Dir gebracht...

Der Verfasser zitiert in der Vorrede Luthers Ausspruch: Die Märckische Sprache ist leicht, man merckt kaum, daß ein Märcker die Lippen reget, wann er redet; sie über­trifft die Sächsische; er spricht von einfältigen Gedichten und bekennt: Ich habe selbige Märckische Musen nach meinem Vaterlande und denjenigen Grt, wo sie gesungen, ge- nennet, und mich sicher überredet, daß die Marek, wie sie fähig gewesen ist, die größten Helden Deutschlands zu zeugen, auch nicht untüchtig sey, einige Leute hervorzubringen, welche derselben Ruhm und Heldenmäßige Entschließung zu verweigern versuchen könnten.

Wircker verfügt über keine allzu große Abwechslung der Horm; distichenartige Verse herrschen vor, die Reime werden durchgängig angewendet, und die gesucht-antiken Namen weisen auf eine spielerische Art der Empfindung und Gestaltung. Auffallend ist eine Reinheit von französischen Worten; den Lohensteinischen Prunk schreibt der Verfasser seiner Jugend zu! Die Einteilung des Stoffes erfolgt nach dem Muster des Herodot:

Thalia Die erste Muse oder Galante Gedichte.

Lrato Die andre Muse oder Verliebte Gedichte.

Terpsichore Die dritte Muse oder Vermischte Arien.

Kalliope Die vierdte Muse oder Velden-Briefe.

Luterpe Die süuffte Muse oder Hochzeit-Gedichte.

Llio Die sechste Muse oder Geschicht- und Sinn-Gedichte.

Polymnia Die siebende Muse oder Lob- und Lhren-Gedichte.

Melpomene Die achte Muse oder Leichen-Gedichte.

Urania Die neunte Muse oder Geistliche Gedichte . . .

und folgende kurze Probe mag seine Art wenigstens andeuten:

Die Famen haben längst der gantzen Welt gesagt,

Daß man die Dichter nur an Deinem Hofe finde.. .

Da Dir nun Theurer Fürst die Dichter-Kunst gefällt,

So gleicht sich auch Dein Ruhm der Griechschen Sieges-Säule,

Die in der einen Hand ein Puschel Bluhmen hält

Und in dem andern Arm geschärsfte Spieß und Pfeile;

Zur Lehre: daß DU zwar dem Feind mit Donner dräuest,

Doch auch der Künste Gold mit Rosen überstreuest.

Das Schauspiel trat in dieser Zeit, allgemeinen Zeittendenzen folgend, in den Dienst des Hofes oder der Schule?) Der dramatische Wert solcher Schauspiele auf Berliner

9 vgl. darüber Gudopp, L-, Dramatische Aufführungen auf Berliner Gymnasien im 17. Jahrhundert; Wissenschaftliche Beilage zu den Jahresberichten des Leibnizgymnasiums zu Berlin, 1900, ^02.