Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Gymnasien im 1,7. Jahrhundert war sehr gering; von künstlerischem Aufbau der Hand­lung, von psychologischer Vertiefung der Motive, von scharfer Zeichnung der Tharaktere finden sich selten auch nur die nötigsten Ansätze; bei der Wahl und Bearbeitung der Stoffe wurde nur daraus gesehen, daß die moralische Tendenz deutlich zutage trat, und daß die Ausbildung der Schüler in der Beredsamkeit durch solche Übungen gefördert ward. All diesen Dingen ist eine ermüdende Breite eigen, weil möglichst viele Schüler auftreten sollten. Einiges sei hier angeführt, was durch Beziehungen zur damaligen Gegenwart nicht ohne Interesse ist. Der Subrektor Bredow vom Grauen Kloster ließ 1670 ein Stück aufführen, daswegen einheitlicher Konzeption die übrigen Erzeugnisse der Schul­muse dieser Zeit" überragt: Der Triumph Germanias über die Barbarei; Johann Rists symbolische Dramen, wieDas friedewünschende Deutschland" und ähnliche sind die deut­lich erkennbaren Vorbilder. Die dramatischen Schulübungen des schon genannten Rektors Johann Bödiker vom Töllnischen Gymnasium behandelten zeitgeschichtliche Ereignisse, z. B. den Tod -und das Begräbnis des Großen Kurfürsten, die Huldigung des Herzog­tums Preußen; deutlich tritt auch hier eine lehrhafte Absicht zutage, die sogar manche Szenen zu Streitgesprächen über das Für und Wider irgendeines moralischen oder sonstigen Satzes gestaltet. s66s wirbelte der H.6tus tra§1ou8 des Subkonrektors vom Grauen Kloster das ungerechte Urteil des Pilatus viel Staub auf; der Verfasser wurde wegen der Verspottung der reformierten Lehre denunziert, der Kurfürst ordnete eine Untersuchung an, die schon erfolgte Verurteilung wurde dann aber niedergeschlagen. Von größerer Bedeutung ist in diesem Zusammenhänge höchstens dasSchulspiel" des aus dem fränkischen Nürnberg gebürtigen I. L. Frisch fl66617-13),ftVon der Unsauber­keit der falschen Dicht- und Reimkunst," das um des Autors willen interessant ist und zu den nachhaltigen Bestrebungen gegen die Unnatur der Zweiten Schlesischen Schule gehört, wenn es auch keine wesentlich neuen und bahnbrechenden Ansichten über die Poesie ent­hält. Ein mühsames und bewegtes Leben führte Frisch, das vom Landwirt zum Er­zieher schwankte; ihm war eine Universalität, Gründlichkeit, Klarheit und Tiefe des Wissens eigen, die ihn in die Nähe von Leibniz stellen, mit dem er sich im Kampfe gegen die Unnatur der schulmäßigen gelehrten poeterei berührte. Auf seine Verdienste um die deutsche Sprache, zu denen das genannteSchulspiel" mit gehört, hat Rud. v. Raumer bereits in seiner Geschichte der germanistischen Philologie (1.868) hingewiesen; Frischs geistige Vielseitigkeit kann hier nur angedeutet werden; er fand in derAbwechslung der Arbeit seine Erholung", so daß z. B. auch die Naturwissenschaft seinerzeit wichtige Förderungen ihm verdankte; seine Stellung als Konrektor des Grauen Klosters ließ ihm Zeit zu solcher weitgreifenden Beschäftigung und Tätigkeit. Sein satirisches Spiel hat auf denverknöcherten Pedantismus, die erzwungene Künstelei und die auffallende Ge­dankenleere" all dieser Schulübungen hingewiesen; mit dem Beginn des s8. Jahr­hunderts verschwanden sie auf den Berliner Schulen von der Bildfläche, Gper und Volks­drama gewann immer mehr die Gunst des Publikums. Schließlich machte für Preußen

0 Über Leonhard Frisch siehe Heidemann, Gesch. d. Grauen Klosters, S. IZdftn; außer­dem: L. H. Fischer, L. I. Frischs Schauspiel als Neudruck in den Schriften d. ver. f. d. Gesch. Berlins, t8yo, Heft 2S; ictsw, L. H. Frischs Briefwechsel mit Leibniz, im Archiv der Branden- burgia, Bd. 2 , S. Hso.