Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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Os 1s. littsrgtnrs gllsingnäs"^ werden Messing, Klopstock, Wieland, wie man weiß, nicht erwähnt; der königliche Autor müht sich hier um ein Mittel, wie der Plumpheit, Un­klarheit und Steifheit des Stiles der deutschen Sprache abzuhelfen fei. Die Schrift zeichnet sich durch Klarheit und Präzision der Darstellung, durch eine wohltuende Unbefangenheit der historischen Auffassung aus, daneben steht andererseits eine zum mindesten befremd­liche Unkenntnis des nationalen geistigen Lebens seiner Gegenwart. Gr kannte die be­deutendsten Schöpfungen der deutschen Literatur nicht, was wohl seinen Grund darin hat, daß die für die geistige Entwicklung des Königs bestimmenden Eindrücke an Lektüre und persönlichen Beziehungen in seine Kronprinzenzeit fallen, in der von eineroriginalen" Literatur noch nicht die Rede war. Und doch erkannte der König mit scharfem Blicke, wo die Ansätze zu einer Weiterbildung, zu Fortschritten lagen: den Bestrebungen und künstlerischen Taten eines Geliert, Tanitz, Geßner stand er aufmunternd und fördernd gegenüber. Andererseits aber war dergroße nationale bseld", der dem politischen Leben Deutschlands einen völlig neuen Inhalt gab, dem geistigen Leben der Nation so gänzlich fremd, daß er nicht einmal seine Muttersprache ohne Schwierigkeiten und Mühen hand­haben konnte. Der deutschen Literatur selbst jedoch prophezeite er eine große Zukunft; seine staatliche Schöpfung hat aber im Verein mit den geistigen Ergebnissen der deutschen Dichtung schließlich die Einigkeit deutscher Stämme und Landschaften vorbereiten helfen, so daß in diesem doppelten Sinne von der brandenburgischen Mark eine aufbauende Wirkung ausgegangen ist! h

So reichen also die doppelten Wurzeln heutiger nationaler Einheit bis in das 18. Jahrhundert zurück; denn es reisten eben, was hier nochmals betont werden muß, gleichzeitig an zwei Stellen im füllen die Kräfte heran, welche die Zukunft Deutschlands zu begründen und zu lenken bestimmt waren: der preußische Staat mit seinen lebens­kräftigen Elementen einer wahrhaft nationalen Macht aus der einen Leite, auf der anderen die deutsche Literatur. Derselben Zeit, welche den Kriegsruhm Friedrichs des Großen für alle Zeiten begründete, verdanken die ersten Gesänge des Messias ihr Entstehen; beides bedingte einander, nur aus einer Wechselwirkung beider konnte der nationale Staat hervor­gehen, wenn auch eine innige Durchdringung beider Elemente und Voraussetzungen zu­nächst nicht eintrat. Weil Friedrich der Große für das Aufblühen der deutschen Literatur kaum Verständnis zeigte, ist auch sein direkter oder indirekter Einfluß hier kein so nach­haltiger und bedeutender gewesen, als es sonst wohl hätte der Fall sein können. Die deutsche Literatur wandte sich in ihren patriotischen Erzeugnissen zumeist einer zum Teil

') Am besten ist diese Schrift Friedrichs d. Gr. in der Ausgabe von L. Geiger, 2. Aust., 1A02, zu benutzen. An Literatur kommt hier außer B. Su phans Studie, Fr. d. Gr. Schrift über die deutsche Literatur, Berlin, 1888, die außerordentlich klar und übersichtlich die hier wichtigen Punkte zusammenstellt, noch in Frage: der Aufsatz von Moritz Haupt, Über die Beziehungen Friedrichs d. Gr. zur Entwicklung der deutschen Literatur, aus dem Jahre 186-1, in den Opuseula, Bd. 3, 1876, S. 156/63 sowie das Sammelreferat von V. Rrauske über eine Reihe hierhergehöriger Schriften in der Historischen Zeitschrift, Bd. 57, (N. F. Bd. 21) 1887, S. 505/21, durch welche meine in S. 281, Anm. 2 gegebene knappe Liste ergänzt wird.

2)Friedrich der Große suchte in Frankreich, was Goethe in Italien fand: höhere und reichere Formen des Menschentomes." (Prof. I)r. A. G. Meyer-Kiel in einem vortrage in Berlin über die wurzeln der deutsch-französischen Lrbfeindschaft, Mitte Mai 1A15.)