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Sumpf und Löcher, der wagen stürzt um, und der Kronprinz liegt, schauderhaft durchrüttelt unter Sack und j)ack und Aisten". Die Einkehr in den Gasthöfen ist dieser Er- - lebnisse würdig; spät'abends langt die Reisegesellschaft verhungert an :
Doch wie wir nun nach einem Mahl begehrten,
Erhebt der grobe Gastwirt ein Geschrei:
Er habe nichts sür uns als trocknes Brot,
Und dann von einem Truthahn noch zur Not,
Der gerade gestern noch frisch geschlachtet sei,
Den Rest, den sein Gesinde übrig ließ .. .')
Günstlingen aus seiner Umgebung widmete Friedrich oft längere lsuldigungs- gedichte, wobei er aber leise Sticheleien nie ganz unterdrücken konnte. Er wirkt dann wohl auch einmal komisch, wenn er in drolliger Übertreibung ein „Aapitel gegen die Herren Blutsauger, auf griechisch jDhilokropos" richtet; er meint damit die Bankiers, die er zur Gründung der preußischen Staatsbank berufen hatte, und deren Rechnungslegungen ihm viel Aopfzerbrechen verursachten:
Und gar nur ihre Schreiberei,
Weitschweifig, wirr, ein Sudelbreil Und das Gekritzel ihrer Zahlen I Wie sie mit plumper Pinselei Habgier und Wucher übermalen —
Wie sie mich hier und dort bestehlen Durch Wechsel, Schuldscheinfopperei,
Mit Vuittungskram und kolossalen Bankrechnungen — Gott steh' mir bei!
Zu dem Geschäft mich herzugeben I Das dumme Zeug geht mir ans Leben I Ich magre ab, ich möcht' vergehn,
Bloß wegen dieser Lumpen eben,
Die abgefeimt nur danach streben,
Daß ihre Kurse pari stehn.
Die Reimhäufung der kurzen Verse läßt Friedrichs nicht geringe Formgewandtheit erkennen; sie war die Frucht seines Fleißes: als er nach dem Zweiten Schlesischen Kriege im neu erbauten Sanssouci glückliche Zeiten verlebte, widmete sich der König mit ernstem Eifer den schönen Künsten: „Nach der Tafel," erzählt Voltaire, „zog er sich zurück und
H Interessant ist es zu beobachten, wie Friedrich, der das Französisch fließend sprach, sich beim Schreiben allein aufs Gehör verließ; er schildert in demselben Zusammenhänge ein Gasthofsmahl:
Trois sux <zui äaus leesl etoit snveveti, ave« un visux poulet pleins äsrbass esilli, autoit sutieremsat l'npeti anx oonvivss. zu deutsch: Drei Eier (eux), die im Salz (Iseol) verborgen lagen,
Lin altes Huhn, dazu ein Rrautgemisch (äsrbazs esilli) verdarben uns (nut-oit) sogleich den Appetit.
Die oben angeführten Übertragungen der Gedichte Friedrichs des Großen sind der großen Ausgabe seiner Werke „In deutscher Übersetzung", Bd. Z und w, Verlag von Reimar Hobbing, Berlin, entnommen.