Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Sei mir gegrüßt, Augusts, meine Krone!

Die Städte Deutschlands bücken sich!

Es hören meinen Stolz Belt, Donau, Wolga, Rhone Und weichen hinter mich!"

Zu dem Kreise Ehr. E. v. Kleists gehörte der gebürtige Spandauer Johann . ^

Joachim Ewald (s7f7 bis nach 1762)/) auf den Goethes bekanntes Wort paßt, daß ihm ^ sein Leben wie sein Dichten gleichermaßen zerrann. Der Fluch so mancher junger Talente v p' - und Begabungen dieser Zeit, das Hofmeister- und Hauslehrertum in adligen Häusern, hat auch diesen an sich unsteten und haltlosen Eharakter zerbrochen; eine schon als Schüler des Töllnischen Gymnasiums zu Berlin frühzeitig gepflegte Beschäftigung mit dem Fran­zösischen war für sein Leben entscheidend, denn der Hallenser Rechtsstudent kam wegen seiner Beherrschung dieser Sprache als Erzieher in das Haus eines Potsdamer Generals, wo er dann zu Kleist in freundschaftliche Beziehungen trat, ohne daß diese aber imstande gewesen wären, die Eigenschaften seines Eharakters zu formen und zu festigen. Die Sprunghaftigkeit seines Wesens ließ ihn 1757 nach England reisen, ohne daß er dort festen Fuß fassen konnte; ein flüchtiger Versuch, am Hofe zu Darmstadt irgendwie einen Posten zu erlangen, schlug fehl, und eine ebenso unbedachtsam unternommene Reise nach Italien ließ ihn jeglichen Halt verlieren. Zwar interessierte sich in Rom I. I. winckel- mann für ihn, dessen guten Willen er aber mit größter Undankbarkeit lohnte; um einen Aufenthalt in Italien mit Nutzen zu genießen, dafür fehlte es Ewald an allen nötigen Kenntnissen und Vorbedingungen; so irrte er halt- und ziellos aus einer Stadt in die andere, zerrüttete seine Gesundheit, verfiel dem Wahnsinn, ward wieder geheilt, täuschte seine Wohltäter und verschwand endlich aus Livorno auf einem Schiff, welches nach Algier oder Tunis ging; seitdem ging jede Spur von ihm verloren. Dabei war er von erstaunlicher Leichtigkeit der Auffassung und Schmiegsamkeit des Geistes, warleicht und geschmeidig im Umgänge, un uimubls otouräi";seine Poesie war ihm wie alles andere bloß gelegentlicher Genuß; es fand sich in ihm nichts von irgendeiner Art der schaffenden Phantasie; alles war ihm nur gelegentlicher Einfall". Die erste Ausgabe seiner Gedichte ließ E. v. Kleistfür die Freunde" f7S5 in Potsdam drucken; von seinen Versen urteilten die Zeitgenossen:Ewald ist kein fruchtbarer, aber sehr reizender Dichter, dessen Kleinigkeiten alle mit dem Stempel des Genies bezeichnet sind. Die Naivität der Einfälle, die Neuheit der Wendungen, die Feinheit des Ausdruckes alles ist des feinsten Geistes des Altertums würdig. "9 Uns freilich erscheint Ewald geradezugestopft" mit Altertum, wie dies z. B. folgende Zeilen an den König Friedrich II. von Preußen zeigen:

Du bringst die goldene Zeit zurück, o Held, wie nenn ich Dich? * Lesostris, Lvrus, Antonin? Nur sich gleicht Friederich!

Du drohst, die halbe tvelt erschrickt, und läßt Dich Sieger seyn Du lächelst: Künste drängen sich zu deinen Thoren ein!

Dann wirst Du uns Apollo selbst, Thessalisch deine Flur,

Und Wahrheit und Gerechtigkeit betritt die alte Spur.

9 vgl. über ihn die ausführlichen Nachrichten in Neue Berlinische Monatsschrift, November ;so8, S. 257/72, mit etlichen unwesentlichen Proben von Ewalds Epigrammen.

9 vgl. Küttners Lharaktere deutscher Dichter und Prosaisten, Bd. 2 , S. 55 >/2.

Brandenburgische Landeskunde. Bd. IV.