Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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Die starke Abhängigkeit von E. v. Kleist läßt I. I. Ewald am besten an dieser Stelle in das Bild damaliger Dichtung einordnen, in welches er keine neuen künstlerischen Züge hineinträgt.

Nur neun Jahre seines kurzen Lebens konnte Franz v. Kleists für die Entwicklung seines dichterischen Schaffens verwenden; in dieser Zeit wurde er durch äußere Umstände bald in die tändelnde Art der Anhänger Gleims gedrängt, bald fühlte er sich zu Wieland hingezogen, bald suchte er beim Beginne der klassischen Periode zu den beiden führenden Geistern in Weimar eine innerliche Stellung zu gewinnen. So weist sein Schaffen in buntem Wechsel Wertvolles und Wertloses auf; interessant sind bei ihm etliche stoffliche Beziehungen, die ihn mit einigen Werken Schillers und Grillparzers verbinden. Ein inneres Verhältnis zwischen Franz v. Kleist und Schiller, eine Anlehnung des letzteren an Kleists Tauchergedicht möchte ich nicht annehmen; Nikolaus, der Taucher, erschien im September, s 792 in der Deutschen Monatsschrift; da Schiller die betreffende Ballade erst (797 dichtete, wäre eine Kenntnis der früheren Verse nicht unmöglich; auch könnte ja Goethe sie gelesen und den Inhalt mündlich an Schiller weitergegeben haben; denn Goethe bekam sicher hin und wieder die Deutsche Monatsschrift zu Gesicht, in der er die Venezianischen Epigramme und etliche andere Kleinigkeiten zuerst hatte drucken lassen. Wir wissen aber aus dem bekannten Briefe Schillers an Goethe vom 7. August i?97, daß ihm niemals der Name Nicolaus pescecola vorgekommen war, den der Taucher hier wie bei Athanasius Kircher im munäus subüerrLnsus führt. Aber eine berechtigte Be­ziehung zwischen Kleist und Schiller wird noch zu reden sein; von einer Entlehnung aber

9 Franz Alexander v. Kleist, Sohn eines preußischen Generalleutnants, ist geboren am 2-z. Dezember ;7SI zu Potsdam; mit seinen berühmten Namensvettern Christian Ewald v. Kleist und Heinrich v. Kleist ist er nur insofern verwandt, als die drei von einem gemeinsamen, im ;4. Jahrhundert lebenden Ahnherrn abstammen. Nachdem Franz v. Kleist das erste Jahrzehnt seines Lebens auf einem Gute seiner Großmutter in Pommern verlebt und seit Z778 in Magdeburg Unterricht genossen hatte, trat er 1785 als Fähnrich in das preußische Infanterieregiment des Herzogs von Braunschweig zu Halberstadt ein. Nit diesem Regimente ging er Z 78 A an die böhmische Grenze, als Preußen gelegentlich des russisch-türkischen Krieges mobil machte. Bhne Kamps kehrte die Armee zurück; Franz v. Kleist verließ den Kriegsdienst. Er studierte etliche Semester in Göttingen, namentlich die Rechte und ward dann auf Betreiben des Ministers herzberg des Urhebers des Reichenbacher Vertrages vom Juli 1790 als Legationsrat nach Berlin berufen; nachdem er bald darauf Albertine v. Jung geheiratet hatte, verließ er den Staats­dienst wieder und lebte von Z7A3 an kurze Zeit auf dem von ihm gekauften Gute Frankenhagen bei Frankfurt a. G., dann bis zu seinem am 8. August ;7I7 erfolgten Tode in Ringenwalde bei Neudamm in der Neumark, wichtig ist sein Aufenthalt wegen seines innigen und vertrauten Verkehrs mit ^ 3 leim und dem jüngeren Kreise von dessen Schützlingen sowie seine persönlichen Beziehungen zu dem Hause des genannten Ministers v. herzberg, dessen Sturz ihm sehr nahe ging; auf diesen bedeutenden Staatsmann dichtete er eine begeisterte Gde und schrieb eine Charakteristik desselben, welche er als Mitglied der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Frankfurt a. G. in dieser vorlas. Daß Heinrich v. Kleist etwas von Franz v. Kleist, der mit Frankfurt a. D. enge Beziehungen unterhielt, Kunde erhalten hat, läßt sich, soviel ich sehe, nicht erweisen.

vergleiche über Franz v. Kleist, ADB. Bd. S. ;2;/2 (mit einer chronologischen Übersicht von Kleists Schriften). P. Ackermann, Franz v. Kleist, 1892 (abgedruckt aus Der Bär, Bd. 18, 1891/2, 269/70, 280/2, 293/5). B. Schulze, Franz v. Kleist in: Nord und Süd, Bd. 65, 1893, s. Z22/HI. Die Studie von Jul. Schwering über Fr. v. Kl. aus dem Jahre 1892 war mir nicht erreichbar.