Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
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aufgcmg über BerlinAuf dem Tempelhoffschen Berge" zu folgender Atrophe unter vielen anderen begeistert:

Wer mit der Morgenröth' erwacht, den lohnet Sie mit der Fülle jeder Lust,

Und Herrlichkeit und süßer Friede wohnet Dann einen ganzen Tag in seiner Brust.

Ghne eigentliche literarische Zwecke zu verfolgen, vereinigte die Berliner Mittwochs­gesellschaft der Freunde der Aufklärung*) vom Spätherbst 1783 bis zum November 1739 die besten Köpfe des damaligen Berlins, die zusammengetreten waren, umdie Gedanken Friedrichs des Großen über Volkserziehung möglichst praktisch zu betätigen"; der Verein hielt nach der Sitte der Zeit seine Ziele möglichst geheim, wodurch die abenteuerlichsten Gerüchte über ihn entstanden. Der Haupterfolg der Freunde der Aufklärung bestand in den Anregungen, welche die Mitglieder für ihr eigenes Schaffen empfingen; das Edikt von 1798 gegen die Geheimen Gesellschaften hat dann die Auflösung einer Vereinigung herbeigeführt, welche ein wichtiger Vorläufer der Klubs mit literarischem Einschläge in Berlin gewesen ist. Zn diesen letzten Zeiten ihres Bestehens gewann die Frankfurter Universität durch einen Zufall an vorübergehendem literarischen Interesse; hier studierte 1790 H. H. Zschokke fl771.1848) Theologie; ein kleiner Kreis seines Verkehrs,Die Schokoladenbrüder", führten Gedichte aus dem Stegreif auf;als ich einst eine venezianische Anekdote vortrug, die ich mit poetische Freiheit ausschmückte, ward mir der Ehrenpreis. Ich mußte sie dann schriftlich abfassen, schließlich sogar daraus ein Schauspiel gestalten. Dies war der berüchtigte Bandit,Abällinoh der bald darauf gedruckt mit Geräusch über die Bühnen Deutschlands ging". s?94 erschien der Roman, ein Jahr darauf das Trauerspiel zu Frankfurt a. d. G.; um der nachhaltigen literarischen und theatralischen Wirkung dieses Buches und Stückes willen glaubte ich die lokal-märkische Art seiner Ent­stehung hier nicht übergehen zu dürfen, wenn es auch weder inhaltlich noch stofflich inner­liche brandenburgische Beziehungen aufzuweisen hat?)

>) vgl. H. Meisner, Die Freunde der Aufklärung, in der Festschrift für K. Weinhold, 18 Y 6 , S. 43 / 54 .

9 Das Stück ist am 12 . Januar 1887 in Frankfurt a. D. wieder aufgeführt worden, womit es wohl zum letzten Male auf einer nennenswerten Bühne erschienen ist. Hier möchte ich auf einen der wenigen Dichter märkischer Geburt Hinweisen, die auf fremdem Boden sich in fremder Sprache versucht haben, auf G. L. Fr. Hoffham (1744Iy; vgl. über ihn Der Bär, Bd. 12, 1885 / 86 , S. 202/Z). Lr stammte aus einer geistlichen Familie Liistrins und blieb 1754 gelegentlich einer holländischen Reise bei einem Vnkel in Amsterdam, wo er bis 1764 als selbständiger Kaufmann lebte. Dann kehrte er in die Heimat zurück, besaß verschiedene Güter in der Mark und lebte schließlich in Hrenzlau bei Verwandten seiner Frau. Menschlich war er ein Lharakter wie Geliert, seine künstlerische Art entsprach ungefähr der Rabeners.Es war wunderbar, daß ein Mann, der nur in den Jünglingsjahren in Holland gelebt hatte, sich im weiteren verlaufe seines Lebens tief im Innern Deutschlands sich so der holländischen Literatur widmete;" 1781 veröffentlichte er Satiren und Gedichte in der Art des schon öfters genannten Boileaus; drei Jahre später Z2Schlummerlieder", Gedichte über den Schlaf, die in antiken Versmaßen abgefaßt sind.Dieser kluge und geistreiche Fremdling hat . sich durch seinen witzigen Geist von manchen süßfließend reimenden Niederländern unterschieden."